Martin Bolz, Pädagogische
Akademie des Bundes in Wien
unter Mitarbeit von
Karel Rýdl, Karlsuniversität Prag
Der Lehrberuf verändert sich von der Wissensvermittlung in Richtung
auf die Organisation von Lernprozessen. Die "organisatorische"
Herausforderung ist pädagogisch im Sinne fortschreitender Demokratisierung
innerhalb der Schule zu definieren. Schule ist zunehmend mehr eine lernende
Organisation.
Der Studientext gliedert sich in folgende
Abschnitte:
1. Einleitende Begriffsbestimmungen
2. Die "Klienten"
3. Das Personal
3.1. Die LehrerInnen
3.2 Die SchulleiterInnen
4. Qualität von Schule
5. Methoden, Schritte, Modelle
6. Theorie als Praxiskatalog
Anregungen zur individuellen Weiterbearbeitung der Thematik
Literaturangaben
1. Einleitende Begriffsbestimmungen
Wir bezeichnen Schule als
eine Organisation. Damit meinen wir die einzelne konkrete Schule (Standort)
als ein System von Beziehungen zwischen einzelnen Gruppen - den SchülerInnen,
den LehrerInnen, den SchulleiterInnen, der Schulverwaltung in den Bezirken
sowie den Zentralverwaltungen, sowie den Eltern und den späteren "Abnehmern"
von Schulabgängern. Organisationen sind notwendig, sie entstehen nicht
freiwillig, sondern sie geben durch ihre Strukturen und Inhalte Sicherheit,
Kontinuität und Sinn. Wir unterscheiden zwischen den "Profit-
Organisationen" (produzierende Organisationen) und den "Non-Profit-Organisationen"
(problemverwaltende Organisationen wie zum Beispiel die Schule).
Im Folgenden geht es um die Weiterentwicklung der jeweils konkreten Schule,
die wir im Sinne von im Augenblick allgemein gültigen Vorstellungen
als Change - Management - Konzepte begreifen.
Dabei gilt es drei Ansatzpunkte zu unterscheiden:
1. Organisationsentwicklung. Der Ausgangspunkt der Überlegungen
ist bei den Problem- und Chancenwahrnehmungen von Mitarbeitern und Führungskräften
(LehrerInnen und SchulleiterInnen). Es geht um die Verbesserung der Arbeitsresultate,
welche Arbeitszufriedenheit zur Folge haben. Im Gegensatz zu anderen Konzepten
ist sie hier Ausgangspunkt der Überlegungen, nicht das Ziel oder Folge
von Maßnahmen.
2. Quality Management (QM). Es geht um die durchgehend zu erreichende
Zielrealisation, die sich an den Wünschen der "Abnehmer"
orientiert. Eine klare Qualitätspolitik wird erarbeitet (Handbuch,
Qualitätszirkel), die in den notwendigen Rahmen einer konsequenten
Personalentwicklung und einer kooperativen und sozial qualitätsorientierten
Unternehmenskultur eingebettet ist.
3. Lernende Organisation. Schule wird in diesem Konzept als koevolutionierendes
System mit dem je konkreten Umfeld gesehen, wobei es nicht um Anpassung
an, sondern um Mitgestaltung des Umfeldes geht. Visionen und Werthaltungen
müssen in diesem Konzept vorausgesetzt werden, die verbunden mit starken
innovativen Anstrengungen und starker Kooperation mit gesellschaftlichen
Entwicklungen jeweils entwickelt und erhalten werden müssen.
In unserem Zusammenhang wird man die drei angesprochenen Konzepte zwar auseinanderhalten,
in ihren gegenseitigen Beziehungen jedoch sehen müssen, weil die denkbaren
Entwicklungen von Schule vorgestellt werden sollen, die natürlich zuerst
einmal von LehrerInnen und SchulleiterInnen initiiert und dann mitgetragen
werden müssen, wobei es sich erfahrungsgemäß um keine linearen
Prozesse der Entwicklung handeln kann. Die notwendige institutionalisierte
Reflexion beachtet Erfolge und Misserfolge, bringt Fort- und Rückschritte,
je nachdem, in allem aber jedoch den Wunsch nach Weiterentwicklung.
Traditionell wird bei den LehrerInnen auf die fachlich/methodische Kompetenz
großer Wert gelegt, das ist auch oft der wesentliche Inhalt der Ausbildung
und Vorbereitung für den Beruf. Zur Professionalität von LehrerInnen
gehört aber auch, und das ist anscheinend eine Folge gegenwärtigen
Herausforderungen an die Schule, die Sozialkompetenz. Im Zusammenhang damit
wird immer mehr erkannt, dass von LehrerInnen die persönlichkeitsentwickelnde
Kompetenz verlangt werden muss, weil SchülerInnen sich verändern
und deswegen LehrerInnen anders mit ihnen umgehen können müssen,
ohne die Aufgaben und Ziele von Schule und Erziehung aus den Augen zu verlieren.
Entscheidend aber ist, und damit wird die künftige Entwicklung markiert,
ist die Tatsache, dass Handlungskompetenz erst aus den drei genannten Faktoren
erwächst.
Pädagogisches Handeln

Es wird im Folgenden ein Netzwerk
versucht, das die verschiedenen genannten Aspekte miteinander verbindet
und von daher einen je variablen Zugang pädagogischen Handelns für
LeserInnen eröffnet. Bei der Verknüpfung ist der je erkenntnisleitende
Fokus wichtig, aber gleichzeitig ist der demokratische Aspekt dieses Vorgangs
nicht aus dem Auge zu verlieren.
Der Begriff: "Transformation": Transformation betrifft alle Bereiche
der Gesellschaft, Institutionen genauso wie Normen und Werte. Wahrscheinlich
ist diese Veränderung nicht mehr rückgängig zu machen, sondern
LehrerInnen befinden sich mitten in der Suchbewegung nach neuen Leitbildern
und sinnvollen Vorstellungen. Individualität als Voraussetzung weiterer
Entwicklungen ist nicht hintergehbar, hat aber den Preis, dass sie nur mit
Wählen - müssen aufrechterhalten werden kann. Aus den vielfältigen
Angeboten muss sich das Individuum aus freier Entscheidung das auswählen,
was für ihn oder sie zutrifft. Diese grundsätzliche Entscheidung
ist anzuerkennen, darf aber in der LehrerInnenprofessionalität nicht
dahingehend privatisiert werden, dass sie nicht mehr diskutierbar ist.
An dieser Stelle verknüpfen sich nun die Aspekte von gesellschaftlichen
Vorgängen, schulorganisatorischen Entwicklungen und individualisiertem
LehrerInnenverhalten. Wir beziehen uns hier auf die drei Ebenen von ROLFF
(Rolff, 1998, S. 326), der zwischen der intentionalen (bewusste und systematische
Weiterentwicklung von Einzelschulen), der institutionellen (das sind lernende
Schulen, die sich selbst organisieren, reflektieren und steuern) und der
komplexen Schulentwicklung (Steuerung des Gesamtzusammenhangs, Ermutigung
der Schulen, Aufbau eines Evaluationssystems) unterscheidet. Dieses alles
findet unter der Überschrift der Transformation in der Gesellschaft
statt und wird von Menschen - LehrerInnen, Eltern, SchülerInnen - gestaltet.
Ein erster Ansatz ist in der Idee des fächerübergreifenden Unterrichts
zu sehen, der Kooperation von LehrerInnen verlangt und innerhalb dieser
Kooperation die Notwendigkeit entstehen lässt, die Begründungszusammenhänge
des je einzelnen Gegenstandes genauso offenzulegen wie die Intentionen geplanter
Zusammenarbeit. Im gleichen Augenblick sehen sich aber LehrerInnen wieder
mit den drei Ebenen der Schulentwicklung konfrontiert und der damit verbundenen
Notwendigkeit, jene Ebene zu definieren, auf der man sich bewegt. "Wegen
der engen Beziehungen zwischen Pädagogik, Politik und Ökonomie
können pädagogische Probleme nicht pädagogisch autonom bewältigt
werden, sondern nur in politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen.."
(Kell, 1996, S. 32) Es kommt der synergetische Aspekt in den Blick, der
danach fragen lässt, wie unter den Bedingungen der Individualität
Kompetenz von LehrerInnen erworben wird und in welchen Bereichen Kompetenzen
"von außen" in die Schule hereingeholt werden müssen.
Jedenfalls deutet sich innerhalb der gesellschaftlichen Transformationsprozesse
an, dass LehrerInnen als Sachwalter von Pädagogik Moderatoren im intentionalen,
institutionellen und komplexen Entwicklungsprozess werden und für ihre
SchülerInnen weitere Wege vor- und mitdenken. Konkret heißt das
im Rahmen des fächerübergreifenden Unterrichts, dass der Unterricht
für Experten des anstehenden Themas geöffnet wird, dass sie eingeladen
werden und dass auch auf diesem Wege Kommunikation und Diskurs mitten in
der Schule stattfindet und nicht an ihr vorbeiläuft.
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Transformation als
gesellschaftlicher Prozess lässt nach Synergien fragen,
welche in der Kompetenz von LehrerInnen begründet liegen und die deswegen schulischen Unterricht öffnen. Das wiederum bedeutet aber, dass öffentliche Schule öffentliches Leben widerspiegelt und LehrerInnen ihre Arbeit noch mehr transparent machen. |
SchülerInnen
Der Raum, in dem alle Erkenntnisse und Ergebnisse festgemacht sind, ist
das Klassenzimmer. Auf diesen "Raum" - durchaus auch im philosophischen
Sinn - beziehen sich alle pädagogischen Bemühungen. Von diesem
Raum her wird die Rolle von LehrerInnen genauso bestimmt wie die "Zeit"
von SchülerInnen, die genutzte Zeit genauso sein kann wie die Aneinanderreihung
von vertanen Chancen. Es handelt sich also um eine dialektische Beziehung,
wenn im Hinblick auf den Klassenraum von einem reflektierenden Unterrichten
(reflexive teaching, Pollard 1998) gesprochen wird. POLLARD nennt
in der Tradition von DEWEY die Dialektik von "routine action"
(damit ist Tradition, Verhaltensweisen und Autorität zusammengefasst)
und "reflective action" (das meint Flexibilität, Analyse
des Unterrichtsgeschehens und Wahrnehmung sozialer Verantwortung), der sich
LehrerInnen gegenüber sehen. Damit beantwortet sich die Frage, welche
"Kultur" LehrerInnen vertreten: auf der einen Seite sind sie experimentierfreudig,
aber auf der anderen Seite neigen sie dazu, bestehende Praxis zu stabilisieren
(Pollard, S. 34). Über Pollard hinausgehend stellen wir fest, dass
diese Dialektik auf Seiten von SchülerInnen ihre Entsprechung hat:
SchülerInnen sind experimentierfreudig und anpassungsbereit, wollen
aber auch Anpassung experimentieren. SchülerInnen kommen als Persönlichkeiten
und damit als PartnerInnen im Klassenzimmer in den Blick. Damit wird
aber auch deutlich, dass Reformpädagogik nicht nur eine bestimmte historische
Epoche der Pädagogik war, sondern dass die Reform der Pädagogik
über diese genannte Epoche hinaus dauernde Aufgabe der Pädagogik
ist.
Wenn LehrerInnen und SchulleiterInnen Veränderungen in Richtung auf
sich steigernde Qualitätsanforderungen wollen, dann liegt in der Erkenntnis
des Verlusts des Monopols schulischer Erziehung und der sich daraus notwendig
entwickelnden Vorstellung schulischer und damit erzieherischer Autonomie
der Ausgangspunkt veränderter Strukturen in Richtung auf ein demokratisches
Modell. Vom Monopol zur Autonomie, das bedeutet, dass Wissenschaft und Verwertung
von Wissenschaft in den Schulen "fragwürdig" im Sinne dieses
Wortes geworden ist. "Demgegenüber versuchen KRÜGER/LERSCH
(1982) die Aufgabe des Herrschaftsabbaus in Gesellschaft und Wissenschaft
dadurch zu lösen, dass sie Theorien, welche die Persönlichkeitsentwicklung,
die Institutionalisierung sozialer Prozesse und den gesellschaftlichen Wandel
wieder auf menschliches Handeln zurückführen, in einem Modell
"partizipativer"
Schulpraxis zusammenführen." (Kemper 1997, S. 99) Es geht also
um das, was tatsächlich in der Schule geschieht (Schulpraxis), weil
in der Beobachtung und Bewertung dieser Prozesse die geänderten Voraussetzungen
deutlich werden, denen man gerecht werden muss. Bildungsprozesse werden
also nicht mehr dekretiert und LehrerInnen und SchulleiterInnen zur Durchführung
übergeben, sondern umgekehrt unter den Betroffenen ausgehandelt. Die
Durchführung von Qualitätsmanagement bedeutet also nicht nur Persönlichkeitsentwicklung
von SchülerInnen, sondern auch von LehrerInnen im Sinne der Gestaltung
von Bildungsprozessen. "Folgerungen aus diesem Ansatz wären etwa
Überlegungen zu einer Ausgestaltung der Schulverfassung, die neben
Eltern und Lehrern auch Schülern ausreichende Möglichkeiten der
Einflussnahme auf ihre Lebenswelt gibt. Hierbei geht es nicht allein um
abstrakte Gremienrechte, sondern um Projekte, in den Freiheit und Mitverantwortung
konkret erlebt werden können." (Lange, 1995, S. 31) Schulautonomie
wäre missverstanden, wenn sie nur als Folge von Deregulierung unter
Beibehaltung bisheriger Strukturen gehandelt würde. "Neu an dem
Konzept der Schulautonomie ist nicht allein die Einräumung von Freiheit.
Neu ist vielmehr auch, daß die Verpflichtung zur Rechenschaft über
das Gewollte und das Erreichte als Kehrseite dieser Freiheit in einer Weise
betont wird, die unseren bisherigen Gewohnheiten nicht entspricht."
(Lange, 1995, S. 34)
Schulautonomie verändert die Bilder von Schule, verlangt aber gleichzeitig
als Preis für die Demokratisierung nicht nur die Rechenschaft über
schulische Vorgänge, sondern die Bereitschaft Lernprozesse zuzulassen.
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Das ergibt als erste
Aufgabe die Notwendigkeit,
sich über das schulische Bewertungssystem zu verständigen. In welchen Formen findet die Leistungsbeurteilung statt, mit Noten wie bisher üblich, mit verbaler Beurteilung oder mit einem Mischsystem aus beidem. Das ist nicht nur eine Frage, die innerhalb der Schule zwischen SchülerInnen und LehrerInnen geregelt werden kann, sondern bei der Leistungsbeurteilung muss die öffentliche Akzeptanz der je gewählten Vorgangsweise sichergestellt werden. |
3.1 Die LehrerInnen
Es geht um die Arbeitszufriedenheit der LehrerInnen in der Schule.
Dieser Aspekt soll unter zwei Begriffen diskutiert werden, einmal dem Burn-out
und dann der Frage der (Selbst)Evaluation. Die Tatsache, dass LehrerInnen
wie Menschen aller anderen mit Menschen in Zusammenhang stehenden Berufen
Belastungen ausgesetzt sind, die nach einiger Zeit resignieren lassen, spielt
dann eine Rolle, wenn LehrerInnen und SchulleiterInnen Agenten der Veränderung
sein sollen. Burn-out hindert aber daran. "Überraschend und weiterführend
ist der Befund, dass Merkmale auf der Ebene der einzelnen Schule offenbar
herausragende Bedeutung haben. Lehrpersonen, in deren Arbeitsumgebung folgende
Merkmale auftreten, sind besonders burnout-gefährdet: Die Schule wird
schlecht beurteilt, Klassenräume und Schulgebäude sind verschmutzt
und ungepflegt, Disziplinprobleme mit Schülern sind besonders häufig,
der Einsatz der Mittel wird als ineffizient eingestuft, zunehmende Autonomie
der Einzelschule wird negativ beurteilt." Umgekehrt gilt aber auch:
"Je reformbereiter ... Lehrpersonen sind, desto leichter brennen sie
aus; je mehr sie von Eltern unterstützt werden, desto weniger leicht
brennen sie aus." (Bauer/Kanders, 1999, S. 227 f) Die Ebene der je
konkreten Schule und die Kooperation mit allen am Erziehungsprozess Beteiligten
schaffen, so wird man jetzt folgern dürfen, berufszufriedene und engagierte
LehrerInnen.
Die andere Seite ist die Frage der Evaluation, sowohl der Selbst- als auch
der Fremdevaluation. Die Frage nach der Evaluation scheint zuerst immer
die Frage nach einer Unterstützung für die LehrerInnen zu sein,
die ihre Praxis verbessern oder auch eventuelle Schwierigkeiten beheben
wollen. Es handelt sich dabei gleichermaßen um eine Methoden- wie
eine Bewertungsfrage, denn der Sinn der Evaluation ist ja, verborgene Probleme
öffentlich zu machen. "Die Einstellungen und Erfahrungen der befragten
Lehrer deuten ... bei näherer Betrachtung eher auf eine positiv-reservierte
Haltung der Lehrer gegenüber Selbstevaluation hin. Evaluation ja, aber
es kommt darauf an, unter welchen Bedingungen sie durchgeführt wird.
Die Zukunft von Ansätzen der Selbstevaluation wird sehr stark davon
abhängen, inwieweit es gelingt, die von Lehrern benötigten Formen
der Unterstützung zu bewerkstelligen." (Buhren/Killus/Müller
1999, S. 269)
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Evaluation hat den
persönlichkeitsentwickelnden Aspekt bei LehrerInnen genauso zu
beachten
wie die Tatsache, dass jede Evaluation ja auch Arbeitsleistungen von LehrerInnen öffentlich macht, also Transparenz in die Schule hinein trägt. Dieser doppelte Aspekt braucht einen doppelten Ansatz für Evaluation: einmal Evaluation von innen als Möglichkeit der Weiterentwicklung von LehrerInnen, andererseits Evaluation von außen als Hilfestellung zur organisatorischen/inhaltlichen Weiterentwicklung. |
Im Grunde handelt es sich
bei dem Lernen durch Beobachtung und Nachahmung um die traditionelle Meisterlehre,
die in der LehrerInnenausbildung ihren Niederschlag gefunden hat. Damit
wurde Grundschule zu einem beharrenden Moment, was auch durch die Natur
der Sache - Erlernen der sogenannten Kulturtechniken - unterstützt
wurde. Durch die Tatsache, dass Lernen nicht mehr an das Monopol der Schule
oder Vorschule gebunden ist, sondern vielfältige Lernangebote vor,
neben und nach der Schule in den unterschiedlichsten Formen vorhanden sind,
verlieren neben den Kulturtechniken auch die traditionellen Lernformen der
Schule an Bedeutung. Nicht dass sie nicht mehr gebraucht würden, sie
haben nur einen anderen Stellenwert.
"Teaching should be regarded as a profession: it is a form of public
service which requires of teachers expert knowledge an special skills, acquired
and maintained through rigorous and continuing study; it calls also for
a sense of personal und corporal responsibility for the education and welfare
of the pupils in their charge." (UNESCO 1998, S. 23)
LehrerInnentätigkeit ist reflexiv und demonstrativ, wobei diskutiert
werden muss, in welchem Verhältnis diese beiden Faktoren zueinander
stehen. Der reflexive Aspekt wird jedoch mehr an Bedeutung und damit an
Zeitbudget beanspruchen, der demonstrative, bei dem bisher das Hauptgewicht
des LehrerInnenberufes liegt, wird eher weniger werden. Hier sollte der
autonome Spielraum wahrgenommen und genutzt werden. "Danach sind die
allermeisten Grund- und Sekundarschullehrer (82% bzw. 83%) der Meinung,
daß die wichtigste Voraussetzung für die Weiterentwicklung eine
möglichst große Gestaltungsfreiheit der Einzelschule ist. Daß
jede Schule ein eigenes Profil entwickeln soll, in dem inhaltliche, pädagogische
und methodisch-didaktische Schwerpunkte festgelegt werden, findet noch größere
Zustimmung." (Fischer, Rolff 1997, S. 544) Dass ein solcher Vorgang
nicht linear zu denken ist, versteht sich von selber, weil es immer wieder
Verzögerungen und auch "Pausen" geben muss, die Innovation
verlangsamen - möglicherweise als Hinweis auf argumentative Probleme
bei der Einrichtung und Durchführung neuer Wege, möglicherweise
aber auch nur deswegen, weil Menschen nicht andauernd vorwärtsgerichtet
arbeiten können oder wollen. Dieser Vorgang wäre empirisch abzuklären.
Und dann verdient noch ein Aspekt besondere Beachtung: "Der Zugewinn
an Arbeitsqualität für die einen scheint jedoch häufig verknüpft
mit Unzufriedenheit und Frustration bei den "VerliererInnen" der
Innovationen. Nur so ist die nur bedingt positive Bilanz im direkten Vergleich
zu den Schulen ohne Autonomie zu erklären."
(Specht, 1997, S. 156)
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Erhöhte Kompetenz
von LehrerInnen bedeutet noch nicht gleichzeitig
erhöhte Plausibilität in der Argumentation schulischer Innovationen. Es bedeutet nur, dass der Prozess der Verständigung nach demokratischen Regeln stattfindet, hier seine Chancen, aber auch seine Grenzen hat. Widerstand gegen innovative Maßnahmen ist Teil des Entwicklungsprozesses und positiv zu nutzen, weil damit die Ressourcen aller Beteiligten ins Spiel gebracht werden. |
Wir haben diesen Vorbehalt
einer nicht - linearen Schulentwicklung schon angesprochen, sie wird jetzt
in Bezug auf die LehrerInnenarbeit reflektiert. Er verschärft sich
nur für LehrerInnen angesichts der Notwendigkeit, weitere Entwicklungen
als Notwendigkeiten in den schulischen Bereich einzuarbeiten - es seien
nur die beiden Überschriften Inklusion (Integration) und Interkulturalität
genannt. Der Begriff Integration meint im europäischen Kontext in der
Regel Mehreres: Integration ausländischer Kinder in die Schule und
damit gemeinsame Erziehung ausländischer und einheimischer Kinder,
Koedukation, Integration jüngerer und älterer Kinder in der Grundschule
(Mehrstufenklasse), Erziehung behinderter und nichtbehinderter Kinder. Wir
fassen für unseren Zusammenhang die beiden genannten Begriffe Integration
und Interkulturalität zusammen, wobei der Begriff "Inklusion"
als der weitergehende benutzt wird: Inklusion denkt immer vom Betroffenen
und seinen Wünschen und Bedürfnissen aus, während beim Begriff
"Integration" immer noch der Gedanke einer Mehrheit im Hintergrund
steht, die eine Minderheit "integriert" oder nicht, also ist es
zusammengefasst als hierarchisches Denken zu bezeichnen. Der zweite Begriff
"Interkulturalität" wird ganzheitlich verstanden, meint also
einen weiten Kulturbegriff, der zum Beispiel den Religionsbegriff nicht
ausschliesst.
Von diesem Ansatz her kann Unterricht nicht aus Inhalten deduziert werden,
Inhalte zudem, die für alle gleich seien, sondern Unterricht wird von
den SchülerInnen, den Kindern her definiert. Das ergibt sehr wohl dann
die innere Differenzierung des konkreten Unterrichts in der Klasse, also
nicht der stofforientierte, sehr wohl aber der schülerorientierte pädagogische
Ansatz. Damit müssen sich Inhalte, die im Unterricht verwendet werden
sollen, einer kritischen Sichtung unterziehen. Das hat aber Folgen. "Integration
und Kooperation sind nicht durch bloße Addition professioneller Kompetenzen
zu erreichen. Sie verlangen vielmehr neue, andere Fähigkeiten und Fertigkeiten
von PädagogInnen, Veränderung der Einstellung hinsichtlich der
Sichtweise des Kindes, von Behinderung, zu Fragen der Definition von Leistung,
aber auch zur eigenen Person und zur Funktion der LehrerInnenrolle. Integration
erfordert also Maßnahmen im Bereich der Aus-, Fort- und Weiterbildung,
die in gleicher Weise auf die didaktischen, methodischen und therapeutischen
Anforderungen sowie auf das gleichberechtigte team-teaching im integrativen
Unterricht und auf Beratung und Kooperation vorbereiten." (Lumer, 1994,
S. 359 ff)
Die Konsequenz aus diesem veränderten Ansatz von LehrerIn-Sein bedeutet
für Qualitätsmanagement und Veränderung den persönlichkeitsentwickelnden
Ansatz, der für LehrerInnen Kompetenzen in kommunikativer, sozialer
und psychologischer Arbeitsweise verlangt. Diese Kompetenzen sind aber nicht
im Sinne des herkömmlichen Lernens von Inhalten zu verstehen, sondern
sind nur über eine professionelle Weiterentwicklung der je eigenen
Persönlichkeit zu erreichen. Dieser Prozess verlangt die Bereitschaft
zur intensiven Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit und
braucht Zeit.
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LehrerInnen arbeiten
zunehmend an der eigenen Persönlichkeit
zur Erhöhung der eigenen Kompetenz, weil nur auf diesem Wege Unterricht und Schule qualitativ verbessert werden kann. |
weiter zu: 3.2. Die SchulleiterInnen