ZUR VERFÜGBARKEIT VON BASISWISSEN/-FERTIGKEITEN UND NEUEN
ANSÄTZEN ZUR LEISTUNGSERHEBUNG IM BEREICH DER
NATURWISSCHAFTLICHEN FÄCHER UND DER NEUEN TECHNOLOGIEN

Mit konkreten Beispielen aus schwedischen Untersuchungen

Anna Löthman, Universität Karlstad

Das zentrale Thema des vorliegenden Beitrags ist die Beurteilung von Kommunikations- und Verständniskonzepten im Bereich von Naturwissenschaften. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Fragestellungen der Kommunikation und Interaktion. Ausgehend von TIMSS-Studien, die Mängel aufzeigten hinsichtlich des naturwissenschaftlichen Verständnisses von Schülern verwendete Schoultz (2000) für eine eigene Untersuchung einige Fragestellungen aus dieser Studie. Während die TIMSS- Studie in Form von Fragebögen durchgeführt wurde, kamen bei Schoultz Interviews, aber auch Anschauungsobjekte und unterstützende Gespräche zum Einsatz. Aus seiner Studie geht hervor, dass das Verständnis von naturwissenschaftlichen Konzepten unter Schülern durchaus zufrieden stellend war. Seiner Ansicht nach hatten die Schüler Schwierigkeiten im Verständnis des naturwissenschaftlichen Fachvokabulars, gelangten aber im Zuge seines unterstützenden Gesprächs auf die richtige Spur und fanden die korrekte Antwort. Neue Technologien wie - beispielsweise - computergestützte Programme und "First Class-Kommunikationssysteme" bieten dazu eine Reihe von Möglichkeiten, die Kommunikation und Interaktion im naturwissenschaftlichen Unterricht zu optimieren.


Der Studientext gliedert sich in folgende Abschnitte:

1 Einleitung
2 Die wichtige Rolle des "aktiven Lerners"
3 Einige wissenschaftliche Ergebnisse aus unterschiedlichen Perspektiven
4 Eine neue Perspektive
4. 1 Was wird gemessen?
4. 2 Neuer Beurteilungsansatz einer Fragestellung aus der TIMSS-Studie
4. 3 Vom "Hinunterfallen"
5 Zur Verfügbarkeit von Basiswissen im Bereich der neuen Technologien
5. 1 Das lernerzentrierte Design
5. 2 Schwerkraft, Reibung und Bewegung
5. 3 Physik über alle Grenzen
6 Diskussion

Anregungen zur selbständigen Weiterbearbeitung der Thematik
Literaturangaben

 


1 Einleitung
In diesem Beitrag soll - im Vergleich zu einer früheren internationalen Studie - eine Untersuchung vorgestellt werden, die zeigt, wie man von Schülern verfügbares Wissen aus dem Bereich der Naturwissenschaften abrufen kann. In den zitierten Studien werden neue Technologien hervorgehoben: computerunterstützte Lernprogramme einerseits und "First Class-Kommunikationssysteme" andererseits. In den beschriebenen Projekten kommen auch unterschiedliche Beurteilungsformen zum Tragen.

2 Die wichtige Rolle des "aktiven Lerners"
Der traditionelle Unterricht orientiert sich am Paradigma der "didaktischen Instruktion", bei der Lernen als Prozess des Informationstransfers betrachtet wird. In Anlehnung an diese Sichtweise haben Lehrer die jeweilige Information, welche die Schüler nicht haben. Nach diesem Ansatz verfolgt der Unterricht das Ziel, den Schülern diese Information zukommen zu lassen. Dem zufolge betrachten Anhänger dieses Paradigmas den Lernenden als passiven Informationsempfänger. Diese Ansicht unterliegt seit Jahren vielfältiger Kritik; vielmehr wird die Position des aktiven Engagements im Lernprozess vertreten. Es wird argumentiert, dass beim Aufbau von Zusammenhängen und Suchen nach Bedeutungen der Lernende interpretiert und sich mit dem zu lernenden Stoff auseinander setzt (vgl. LAVE et al., 1993).
In Konsequenz dieses Ansatzes muss es dem Lernenden ermöglicht werden, sich selbst am Lernprozess aktiv zu beteiligen. Aufforderungen, sich kritisch mit den Lernmaterialien auseinander zu setzen, sind als förderlich zu werten.
Zum effektiven Lernen, das aktives Lernen und Konstruktionsprozesse impliziert, kommt das Lernen in einer kohärenten Lernumgebung. Nach dem Ansatz von BROWN et al. (1989) ist Enkulturation die zentrale Idee des Lernens. Damit ist gemeint, dass die Lernenden in einer Gruppe, die sich durch gemeinsame Übungsphasen, eine gemeinsame Sprache, den gemeinsamen Gebrauch von Hilfsmitteln, gemeinsamen Werten und Überzeugungen definiert, für sich "Bedeutungen" aufbauen. Die Idee des effektiven Lernens, die den Aufbau von Verständnis impliziert, stimmt ziemlich genau mit dem Ansatz überein, in welchem der entsprechende Lernkontext eine wichtige Rolle spielt. Diese theoretischen Positionen heben nur verschiedene Aspekte hervor - die kognitiven Prozesse des Einzelnen und die Umwelt des Individuums.

3 Einige wissenschaftliche Ergebnisse aus unterschiedlichen Perspektiven
In den vergangenen Jahrzehnten wurden zahlreiche länderübergreifende Vergleichsstudien durchgeführt, die das Wissen von Schülern im Bereich der naturwissenschaftlichen Fächer und Mathematik erhoben. Ziel dieser Studien war es, Daten über die Leistung des Bildungswesens zu gewinnen. Viele Erziehungswissenschaftler und Politiker sind überzeugt, dass diese länderübergreifenden Vergleichsstudien die einzelnen Staaten mit wesentlichen Informationen versorgen, die ausschlaggebend für Lehrplanänderungen und für die Steigerung der Effizienz ihrer Ausbildungssysteme sind. Folglich haben die Ergebnisse einen maßgeblichen Einfluss auf politische Entscheidungen und liefern Stoff für Diskussionen über die Qualität des Unterrichts in den erfassten Fachbereichen.
Die Internationale Vereinigung zur Evaluation von Unterrichtszielen zeichnet für drei weltweite Untersuchungen in naturwissenschaftlichen Fächern und in Mathematik verantwortlich, die in den vergangenen 35 Jahren (1964, 1983 und 1995) durchgeführt wurden. Die TIMSS-Studie aus dem Jahre 1996 (durchgeführt im Frühjahr 1995) ist die größte, am weitesten übergreifende und rigoroseste internationale Studie (TIMSS, 1996); sie erfasste drei unterschiedliche Altersgruppen - 9, 13 und 19 Jahre - in vierzig Ländern.
Ziel war es, die Leistung von Schülern in Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern zu bewerten und zu vergleichen. Zusätzlich wurde die Einstellung der Kinder zur Schule und zu diesen Fächern mit Hilfe von Fragebögen erhoben. Ein weiteres Ziel scheint sogar noch wichtiger zu sein: zu erklären und zu verstehen, warum sich die Ergebnisse aus den untersuchten Ländern unterscheiden.
Die Leistungen in Mathematik und in den Naturwissenschaften wurden durch Multiple-Choice-Fragen und durch offene Fragen, bei denen die Schüler selbst die Antworten formulieren mussten, erhoben. Ca. 75% der Fragen aus dem naturwissenschaftlichen Bereich waren im Multiple-Choice-Format. Die Items sind fünf weit gesteckten Bereichen zuzuordnen (Erdwissenschaften, Medizin, Physik, Chemie, Umwelt und theoretische Fragestellungen). Die Tests wurden von einer internationalen Expertengruppe aus dem Bereich der Naturwissenschaften, der Mathematik und Statistik entwickelt und wurden von allen teilnehmenden Staaten akzeptiert (BEATON et al., 1996). Die Tatsache, das den Ergebnissen der TIMSS-Studie in den einzelnen Staaten eine gewichtige Aussage beigemessen wurde, ist aus den Kommentaren der Behörden gut ersichtlich.
TIMSS bietet ein beachtliche Potenzial für Studien, die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen einzelnen Ländern aufzeigen, aber auch Hilfestellung, den Unterricht in den Naturwissenschaften und in Mathematik zu verbessern. Auch in den Vereinigten Staaten vertraut man den Ergebnissen der TIMSS-Studie. Der Vorsitzende des nationalen Zentrums für Unterrichtsstatistik in Schweden (1995) war überzeugt, dass die TIMSS-Studie ein vergleichendes Bild zwischen dem Unterricht in den Vereinigten Staaten und der restlichen Welt liefert, das zur Untersuchung des Unterrichtssystems heran gezogen werden kann (FORGIONE, 1996). Weiters dient es als Grundlage zur Evaluation der Lehrpläne und zur Verbesserung des Unterrichts. Ähnliche Reaktionen und Kommentare kommen auch aus anderen Ländern.
Aus der TIMSS-Studie (BEATON et al., 1996) geht als wichtigstes Ergebnis hervor, dass zwischen Physik und Chemie große Unterschiede in den Testergebnissen bestehen. Die Knaben erzielten hier die besseren Ergebnisse. Bei den "Chemie-Items" hatten die Schüler die größten Probleme. Es zeigte sich, dass das Elternhaus der Schüler eine wesentliche Rolle spielt. "Zugang zu Unterrichtsmaterialien zu Hause" korreliert beispielsweise positiv mit dem "Ergebnis aus dem Bereich der Naturwissenschaften".
Es besteht kein Zweifel, dass die Ergebnisse für die Politiker von großem Interesse sind. Pädagogen sind hingegen an der Umsetzung im Klassenzimmer und an den Mechanismen interessiert, welche die Förderung des Verständnisses für wissenschaftliche Konzepte unterstützen; dafür sind die Analysen allerdings nicht sehr aufschlussreich. In der Tat sind die Ergebnisse hinsichtlich der Unterschiede und Ähnlichkeiten sehr abstrakt, weil sie keine tiefer gehende Analyse von Gründen dieser Unterschiede liefern. Viele, wenn nicht die meisten Faktoren, die als entscheidend für den Erfolg in einigen Ländern gesehen werden (z.B. das Elternhaus) beziehen sich auf Ressourcen und Umstände, die sich dem Einfluss des Schulwesens entziehen.
Um das "Wissen über das, was man tun kann, um das Verständnis der Schüler für mathematische und naturwissenschaftliche Konzepte, ihre Fähigkeit, Probleme zu lösen und ihre Einstellungen gegenüber dem Lernen" (BEATON et al.,1996, S.7) steigern zu können, ist es notwendig, ins Detail zu gehen. Dabei soll herausgefunden werden, wie Schüler die Fragestellungen verstehen und interpretieren und wie sie sich an Denkmustern orientieren (LEMKE, 1990), die charakteristisch für die Gedankenfolge in den naturwissenschaftlichen Fächern ist. Nach LEMKE (1990) ist es notwendig, diese Denkmuster zu finden, um die Verknüpfung verschiedener Konzepte miteinander zu verstehen. Dabei ist es wesentlich, die thematische Kontinuität in der Kommunikation zu wahren und die Antworten so zu wählen, dass sie zum selben Diskurs gehören.

4 Eine neue Perspektive

4. 1 Was wird gemessen?
Einige Forscher meinen, dass noch nie so ausführliche Diskussion gegeben hat, wie über die Auswirkungen der Ergebnisse der TIMSS-Tests auf die zentralen Auffassungsstrukturen von naturwissenschaftlichen Gedankenfolgen. Diese Tests sind in der Lage zu messen, "welche Konzepte Schüler verstehen, wie gut sie ihr Wissen in problemlösenden Situationen anwenden können, und ob sie ihre Ergebnisse auch mitteilen können" (BEATON et al., 1997, S.7). Wie auch immer, das Auswahlverfahren scheint sich vor allem darauf konzentriert zu haben, möglichst auf Zustimmung unter den teilnehmenden Ländern zu stoßen, wo die Items von Relevanz waren. Die Bewältigung der Test-Items impliziert ebenso die Bewältigung der den Fragen zu Grunde liegenden naturwissenschaftlichen Konzepte. Die Fragestellung wird als Reiz verstanden, der dem Schüler die geeignete Antwort abverlangt.
SCHOULTZ (2000) argumentiert genau in dieselbe Richtung. Wir brauchen neue Perspektiven die das Testen als eine bestimmte Form des Diskurses behandelt, das ergänzende Perspektiven hinsichtlich der Frage, was im Verständnis eines wissenschaftlichen Diskurses tatsächlich geschieht, bietet. Was lesen die Schüler aus den Fragen heraus und welchen Beitrag liefern ihre Antworten zur konkreten Kommunikationspraxis der Überprüfung von Unterricht?

4. 2 Neuer Beurteilungsansatz einer Fragestellung aus der TIMSS - Studie
Um das Wissen der Schüler hinsichtlich naturwissenschaftlicher Fragestellungen anders als in den TIMSS-Studien erfassen zu können, kreierte SCHOULTZ (2000) ein verändertes Untersuchungsdesign. Das Instrumentarium wurde mit Hilfe der Fragestellungen aus der TIMSS-Studie entwickelt. Die Fragestellung in diesem Test bezieht sich auf den Bereich der Optik und verursachte den Schülern in den TIMSS-Studien beachtliche Schwierigkeiten. In SCHOULTZ' Studie (2000) wurden den Schülern die selben Fragen gestellt, aber diesmal im Zusammenhang eines Interviews.
25 Schüler der 7. Schulstufe, zwischen 13 und 14 Jahren, aus einer durchschnittlichen schwedischen Mittelschule nahmen an seiner Untersuchung teil. Die Schüler wurden einzeln mit vorformulierten Fragen, die das Thema einleiteten, und klärenden Nachfragen des Interviewers, befragt. Die Schüler lasen selbst die Fragen auf dem Zettel, die ihnen der Interviewer gab. In dieser Studie wurde eine offene Fragestellung und ein Multiple-Choice-Item verwendet. Den Schwerpunkt bildeten basale Elemente physikalischen Wissens. In seiner Studie verwendete der Wissenschafter schwedische Begriffe.

Item: Jan und Lena basteln je eine Taschenlampe aus gleichen Batterien und Glühbirnen. Lenas Taschenlampe beinhaltet einen Reflektor, während Jans keinen eingebaut hat. Welche Taschenlampe wirft mehr Licht auf eine fünf Meter entfernte Wand? Begründe deine Antwort (Schoultz, 200, p.160).

In dieser TIMSS-Studie wird eine Antwort akzeptiert wenn die richtige Taschenlampe ausgewählt wurde, und eine Begründung angeführt wird (Schoultz, 2000, S.161):
- Der Reflektor reflektiert das Licht in Richtung Mauer.
- Das Licht in Jans Taschenlampe leuchtet in alle Richtungen.
- Andere richtige Erklärungen.

Die Antwort gilt als unzureichend, wenn nicht die folgende Erklärung geliefert wird.
- Aufgrund des Reflektors.

Hier zwei Beispiele aus Interviews mit zwei 13-jährigen Schülern.

Interviewer: Ich habe hier einige Fragen, die ich euch gerne stellen würde. Wenn wir mit dieser beginnen würden. Du kannst sie selbst still lesen.
Frida (ein Mädchen): Mh ... liest die Frage
Interviewer: Was sagst du dazu? Verstehst du die Frage?
Frida: Na ja...
Interviewer: Was genau verstehst du darin nicht?
Frida: Das hier (zeigt auf das Wort Reflektor)
Interviewer: Was kann es sein, wenn du auf die Bilder schaust?
Frida: Ein Trichter.
Interviewer: Ja, was ist das? Hast du so etwas schon einmal in einer Taschenlampe gesehen?
Frida: Ja.
Interviewer: Welche dieser Antworten ist deiner Meinung nach die richtige? Welche der Lampen leuchtet am besten?
Frida: Diese (zeigt auf Lenas Taschenlampe).
Interviewer: Ja.
Frida: Diese leuchtet in alle Richtungen (zeigt auf Jans).


Wie man sieht, weiß Frida zu Beginn des Gesprächs nicht, worauf sich der Begriff Reflektor bezieht. Nach einiger Unterstützung seitens des Interviewers, begreift sie es. Frida gelingt es außerdem, eine Begründung nach den TIMSS-Kriterien zu liefern. In einem Interview mit Andreas werden neue "Fakten" über die Taschenlampe und den Reflektor besprochen (Schoultz, 200, S.167):
Interviewer: Ich habe folgende kleine Aufgabe. Ich glaube, du kannst das lesen. Hast du es verstanden?
Andreas: Mh ...(liest die Frage).
Interviewer: Hast du das Wort Reflektor verstanden?
Andreas: Nein.
Interviewer: Wenn wir das Bild anschauen.
Andreas: Das Licht.
Interviewer: Was hast du gesagt?
Andreas: Ich weiß nicht.
Interviewer: Wenn du hier her schaust. Was glaubst du, ist der Reflektor?
Andreas: Das Licht ... die Strahlen ...(er zeigt auf die Linien in der Abbildung).
Interviewer: Hast du schon einmal eine Taschenlampe gesehen? Verstehst du, was ein Reflektor ist?
Andreas: Na ja, es ist so ein Ding, das hier drinnen ist.
Interviewer: Welche dieser beiden Taschenlampen leuchtet besser?
Andreas: Lenas.

Zu Beginn des Interviews meint Andreas, dass die Abbildung des Reflektors die Lichtstrahlen der Taschenlampe zeigt, d. h. er hält die Lichtstrahlen vor der Taschenlampe für den Reflektor, anstatt der Konturen des Reflektors. Aber als er merkt, wie die Illustration zu interpretieren ist, weiß er - mit leichter Unterstützung des Interviewers - welche Taschenlampe das Licht besser wirft. Es ist aber interessant zu bemerken, dass Andreas seine Wahl für Lenas Taschenlampe nicht begründen konnte. Aber er war sich seiner Entscheidung ziemlich sicher. Frida aus dem ersten Interview hatte einen erfolgreichen Erklärungsansatz, warum Lenas Taschenlampe die richtige Wahl ist, aber es gab wenig Anzeichen, dass dabei irgendwelche wissenschaftliche Konzepte zur Anwendung kamen, um das Problem zu lösen, noch konnte sie mit einer optischen Erklärung aufwarten. Stattdessen setzten die Probanden ihre Alltagserfahrungen mit Taschenlampen und Spiegeln für die Problemlösung ein. Sie wussten außerdem, dass eine Taschenlampe einen Reflektor besitzt, um eine höhere Leuchtkraft zu erzielen. Aber sie kannten den Begriff.
Aus allen mit 25 Schülern geführten Interviews geht als wesentlichstes Ergebnis hervor, dass die Schüler die richtige Antwort wussten. Nur ein Schüler wählte die falsche Antwort. Die Schwierigkeit dieses Item lag darin, dass die Mehrheit der Schüler die Bedeutung des Wortes "Reflektor" nicht kannten. Andreas hatte anfängliche Probleme, das, was in der Fragestellung geschrieben stand, mit der Abbildung zu verknüpfen. Ungefähr zwei Drittel der Schüler (66%) lieferten nach den TIMSS-Kriterien eine akzeptable Erklärung, warum die Taschenlampe mit dem Reflektor die richtige Wahl war. Aber es gab keine Anzeichen, dass die Schüler Wege schlussfolgernden Denkens anwendeten, die auf wissenschaftlichem Diskurs basierten. Sogar Schüler, die keine Idee für eine Erklärung hatten, waren sich ihrer Wahl sicher, aber ihre Entscheidung wurden nicht folgerichtig begründet.
Das Ergebnis dieser Fragestellung aus der TIMSS-Studie wurde als schlecht erachtet. 47% der 13-jährigen Schüler gaben nach den TIMSS-Kriterien die richtige Antwort. Unter den 13-jährigen schwedischen Schülern waren es 38,5% (TIMSS, 1996). Warum hatten die Schüler mit dieser Frage Schwierigkeiten? Hängt das schlechte Ergebnis mit einem Mangel an naturwissenschaftlichem Problemverständnis zusammen oder hatten die Schüler Schwierigkeiten, die tatsächliche Frage zu verstehen? Wenn die gleiche Frage in einem Interview gestellt wurde, konnten die Schüler die richtige Antwort geben. Dennoch hatten sie Schwierigkeiten, manche Wörter der Frage zu verstehen.
Sie verstanden beispielsweise das Wort Reflektor nicht und hatten auch Probleme mit der Abbildung; es entsteht der Anschein, dass der Schüler kein naturwissenschaftliches Wissen besitzt. Erst die Situation und Kommunikation liefert ein Bild darüber, ob eine Person kompetent ist oder nicht. Mit einem Wechsel des Settings lässt sich ein bedeutungsvollerer Zusammenhang herstellen. In einem "Papier-und-Bleistift-Test" gibt es keine Möglichkeit, mit dem Gesprächspartner "laut" zu überlegen. Texte stellen eine völlig andere Form der Vermittlung dar, und die Schüler müssen mit sich selbst in einen Dialog treten, was viel schwieriger ist. Aus einer soziokulturellen Perspektive betrachtet ist es daher nicht überraschend, dass sich die Ergebnisse der TIMSS-Studie von denen der schwedischen Studie unterscheiden (SCHOULTZ, 2000). Aber aus der Perspektive des Unterrichts stellt sich die Frage, welches Bild nun interessanter ist.
Es genügt nicht, nur die Bedeutung unterschiedlicher Begriffe zu kennen. Man muss genauso wissen, wie diese Begriffe miteinander und mit anderen Auffassungen und Begriffen in einem spezifischen Diskurs in Verbindung stehen (LEMKE, 1990).
Naturwissenschaften zu lernen impliziert daher, sich mit linguistischen Traditionen und spezifischen Begriffen und Regeln vertraut zu machen, die über einen längeren Zeitraum entwickelt wurden. Es ist wesentlich, dass der Schüler in der Kommunikation und Interaktion mit einer kompetenteren Person die Möglichkeit bekommt, die Auffassungen zu konkretisieren und zu üben. Kommunikation ist gerade eine Situation, in der man lernen kann und wo Wissen in einen Zusammenhang gebracht und formuliert wird. Gemeinsam mit dem Lehrer können die Schüler ihre Gedanken und ihr Wissen entwickeln. Das grundlegende Wissen kann in der Kommunikation abgerufen werden und man kann so neue Zugänge zur Beurteilung finden. Dieselben Fragen in einer anderen Situation gestellt bringen ganz andere Antworten hervor.

4. 3 Vom "Hinunterfallen"
Im Zuge einer Studie (VOSNIADOU & BREWER, 1992) sind sechzig 6- bis 11-jährige Schüler mit Hilfe eines Fragebogens zu Größe, Form und Bewegung der Erde befragt worden. Aus dieser Untersuchung geht hervor, dass 23 der sechzig Schüler der Meinung waren die Erde sei kugelförmig und viele Schüler waren sich nicht sicher, ob es möglich sei, auf der südlichen Hemisphäre zu leben ohne dabei hinunter zu fallen. VOSNIADOU und BREWER meinen, dass die Schüler ein Alltagsverständnis von der Erde haben und es notwendig ist, ihr Wissen zu rekonstruieren. In einer Studie von SÄLJÖ, SCHOULTZ und WYNDHAM (1999) wurde am selben Forschungsgegenstand gearbeitet wie bei VOSNIADOU und BREWER (1992) über die Erde; statt sich die Antworten der Schüler zur Erde und Schwerkraft als Reflexion ihrer mentalen Strukturen anzuschauen, verwendeten sie die Kommunikation zwischen zwei Personen als eine soziokulturelle Situation für den Lernprozess.
Sie interviewten 25 Schüler zwischen 7 und 12 Jahren und eröffneten die Interviews mit einem Gespräch über den Globus, der vor den Schülern stand.
Der folgende Text ist ein Interview mit Madeleine, einem 8-jährigen Mädchen (SCHOULTZ, 2000, S.56):
Interviewer: Was ist das?
Mädchen: Es ist ein Globus?
Interviewer: Was ist ein Globus?
Mädchen: Man kann darauf Länder wie Indien und Japan und so sehen.
Interviewer: Könntest du es in Wirklichkeit auch finden?
Mädchen: Ja, es ist das ganze ... Schweden und alle Länder.

Die Schüler erkannten selbstständig den Globus. Alle an der Studie teilnehmenden Schüler wissen, dass er ein Modell der Erde darstellt.
Die 6-jährige Anna gab folgendes Interview (Schoultz, 200, S.57):
Interviewer: Glaubst du nicht, dass es seltsam ist, dass Leute hier unten Leben können? (zeigt auf den südlichen teil des Globus) Glaubst du, dass die Menschen hinunter fallen?
Anna: Nein.
Interviewer: Warum fallen sie nicht hinunter?
Anna: Es hängt von der Schwerkraft ab.
Interviewer: Was ist das?
Anna: Die Schwerkraft hat Auswirkungen auf alles was auf der Erde passiert.

17 von 25 Schülern verwendeten die Wörter Schwerkraft oder Anziehungskraft in den Interviews. Die Ergebnisse dieser Studie unterscheiden sich von jenen der Untersuchung von VOSNIADOU et al. (1994). Ein Grund dafür könnte der unterschiedliche Blickwinkel sein. Durch den Einsatz eines konkreten Anschauungsobjektes wie den Globus als Ausgangspunkt für das Gespräch, bekamen die Schüler eine neue Perspektive von der Frage und deren Inhalt. Eine andere Begründung könnte sein, dass SÄLJÖ et al. (1999) einige Minuten für die Einleitung der Frage verwendeten, indem sie sich unterhielten und den Globus betrachteten und so die Schüler zum Gespräch einluden. In VOSNIADOUs Studie schien es für die Kinder zu schwierig, zu verstehen, wie Menschen überall auf der Erde leben können ohne "hinunter zu fallen".
SÄLJÖ et al. betonen, dass die Ergebnisse ihrer Studie aus einer kommunikativen Perspektive betrachtet werden müssen. Die Antworten, die Schüler in einem Interview geben, reflektieren nicht immer ihr "Denken" und ihre "Denkstruktur"; es sind Antworten der Schüler in speziellen Situationen, in denen sie Schwierigkeiten haben können, sich in abstrakten Situationen wie z. B. bei einem Fragebogen entsprechend zu orientieren. Andererseits liefert die Antwort in einem Interview kein klares Bild über das Wissen des Schülers. Die Art der Fragestellung und der Situation beeinflussen die Art der Antwort. Es gibt keine neutrale Ausgangslage zur Erfassung eines Konzeptes. Aber durch die Präsentation eines aussagekräftigen Anschauungsobjektes kann das Verständnis des Schülers erheblich beeinflusst werden. Darüber hinaus werden die Konzepte in den jeweiligen Situationen kreiert bzw. verändert. Lernen kann somit als eine Vermehrung unterschiedlicher Erklärungen von Konzepten angesehen werden sowie als eine größere Sensibilität hinsichtlich des Überlegens in unterschiedlichen Diskursen. Konzepte sind keine statischen Phänomene und Menschen haben nichts in ihrem "geistigen Rucksack" (SÄLJÖ, 1995).

5 Zur Verfügbarkeit von grundlegendem Wissen im Bereich neuer Technologien

5. 1 Das lernerzentrierte Design
Ein fruchtbarer Ansatz, die Hürde zwischen theoretischen Lernmodellen und dem Entwurf von interaktiven Medien für das Lernen zu überbrücken, könnte der lernerzentrierte Ansatz sein (KATZEFF, 2000). Zentrale Aussage dieses Ansatzes ist, dass interaktive Medien die Lernhilfen einschließen, die auf Wachstum des Lernenden, Meinungsvielfalt und Motivation abzielen können. Das Design soll das aktive Lernen, die soziale Interaktion und die Motivation fördern. Meiner Ansicht nach geht die Entwicklung des Einsatzes von interaktiven Medien in den Schulen recht langsam.

5. 2 Schwerkraft, Reibung und Bewegung
Oft sind physikalische Konzepte sehr schwer für Schüler zu begreifen. Um erforschen zu können, wie junge Schüler einige physikalische Konzepte abhängig von der jeweiligen Situation und der allgemeinen Lernumgebung begreifen, führte ich eine Vergleichsstudie in drei Klassen mit Schülern im Alter von 12, 13 und 15 Jahren durch (LÖTHMAN, 2001, in Arbeit). Die Klassen hatten je drei Unterrichtseinheiten in Physik die jeweils 70 Minuten umfassten. Alle Klassen bekamen denselben Inhalt vermittelt.
Die erste Einheit hatte die Schwerkraft zum Thema. Die zweite die Reibung und die dritte konzentrierte sich auf Bewegung. Die Schüler einer Klasse erhielten je zur Hälfte traditionellen Frontalunterricht im Klassenzimmer, in welcher der Lehrer nach einer kurzen Einführung des Konzeptes einige Versuche vorführte. Danach führten die Schüler ihre eigenen Experimente in Partner- oder Gruppenarbeit durch. Sie verwendeten beispielsweise Holz-, Metall- und Plastikstücke, um die Schwerkraft mit einem Instrument zu messen. Für das Experiment zum Thema Reibung verwendeten sie Glasscherben und Sandpapier und für die Bewegung kleine Autos auf einer schiefen Ebene. Die Ergebnisse wurden in einem Protokoll festgehalten.
Der zweite Teil der Klasse arbeitete mit Computern in einem anderen Raum. Sie verwendeten ein Computerprogramm (Interaktive Physik) mit dem selben Inhalt: Schwerkraft, Reibung und Bewegung. Das Programm war dynamisch; die Kinder konnten die Einstellungen in den Abbildungen am Bildschirm verändern: z.B. die Neigung; die Ergebnisse wurden direkt in Newton angegeben .... Der Lehrer in der computergestützten Lehreinheit hatte mehr eine begleitende Funktion und half den Schülern, wenn sie auf Probleme bei den Anleitungen im Computerprogramm stießen. Die Schüler arbeiteten in Dreier- und Vierergruppen. Die Resultate wurden ebenso in einem Protokoll fest gehalten. Im Anschluss an die Schülerexperimente und Gruppendiskussionen wurden die Kinder einzeln befragt. Die Interviews wurden von einer außenstehenden Person durchgeführt, welche die jeweilige Unterrichtssituation der Schüler (traditionell oder computergestützt) nicht kannte. Als Ausgangspunkt setzte der Interviewer Bilder ein, die Situationen mit Beispielen für Schwerkraft, Reibung und Bewegung darstellten. Vier Schüler aus jeder Gruppe wurden nach jeder Unterrichtseinheit befragt. Das bedeutet, dass acht Schüler aus jeder Klassen dreimal einzeln interviewt wurden. Aus verschiedenen Gründen waren die Schüler der interviewten Gruppe nicht immer dieselben.
Das vorläufige Ergebnis dieser Studie zeigt, dass alle Schüler ein ziemlich gutes Verständnis von den Konzepten hatten. Die Unterschiede in den Auffassungen - abhängig von der Unterrichtssituation - lagen darin, dass die Schüler in den computergestützten Einheiten einen stärker ausgeprägten naturwissenschaftlichen "Touch" in ihren Gesprächen hatten und auch mehr Fragen während der Interviews zu den Bildern stellten. Es gab keine Unterschiede in der Auffassung der Schüler hinsichtlich ihres Alters. Es ist klar, dass die Interaktion in der Gruppe eine direkte Rolle im Lernprozess spielte. Ebenso ist es offensichtlich, dass der Computer Diskussionen strukturierte und Rückmeldungen zu gemeinsamen Lösungen gab. Es scheint, als ob die Arbeit und die Diskussionen vor dem Computer eine neue Qualität des Lernens hervorbrachten, anders als die Arbeit im traditionellen Frontalunterricht. Der Schüler in der traditionellen Unterrichtseinheit stellten mehr Fragen zur Ausstattung und der Verwendung des Materials in den Diskussionen.
LÖTHMANS Untersuchung lässt die Tendenz erkennen, dass die computergestützten Unterrichtseinheiten ein stärker naturwissenschaftlich orientiertes Verständnis dieser drei Konzepte vermitteln, was vermutlich zu einer qualitativ höherwertigen Beurteilung des Wissens der Schüler führen kann (LÖTHMAN, 2001, in Arbeit).

5. 3 Physik über alle Grenzen
Global gesehen bieten die neuen Technologien eine Reihe an Möglichkeiten zur Förderung der Kreativität der Schüler. Unterschiedliche Kommunikationssysteme stehen nun in den meisten schwedischen Schulen zur Verfügung. Es laufen zur Zeit zwei Projekte in zwei Schulen der Sekundarstufe II, im Tensta Gymnasium in Stockholm und im Marie-Curie-Gymnasium in Berlin. Die Projekte sind im Internet dokumentiert: http://www.tea.edu.stockholm.se/webkurser/berlin/start.htm
In diesen Projekten wird ein "First Class-Kommunikationssystem" verwendet. Das ist ein internetgestütztes virtuelles Klassenzimmer, in dem Lehrer und Schüler die Arbeit und die Ergebnisse diskutieren. Zielsetzungen dieser zwei Projekte waren:
Üben eines wissenschaftlichen Zugangs zu einer Problemstellung;
die Fertigkeit trainieren zur Problemlösung verschiedene experimentell-simulierende Methoden anzuwenden;
Üben der englischen Sprache während der Gespräche und in elektronischen Präsentationen;
die Fertigkeit trainieren, Webseiten zu gestalten und die Untersuchung sowie die Ergebnisse zu präsentieren;
spontane Kontakte zwischen den Schülern der zwei Schulen ermöglichen;
den Schülern bewusst machen, dass solide Arbeit in den naturwissenschaftlichen Lernbereichen die Grundkenntnisse, Einfallsreichtum und Vorstellungskraft erfordert;
die Schüler dafür zu interessieren, die Zusammenarbeit zwischen den Schulen auch auf andere Lernbereiche auszuweiten ...

Die beiden Schulen arbeiteten mit den selben Inhalten; ungefähr 50 Schüler aus Stockholm und Berlin nahmen daran teil. Die Schüler wurden in sieben Gruppen zu je 2 bis 4 Schülern geteilt. Jede Gruppe wählte sich aus vorgegebenen Themen ein Gebiet oder eine Problemstellung aus. Jede Gruppe hatte einen Teil der Arbeit mit dem Computer zu verrichten; zwei Gruppen wurden darüber hinaus ermutigt, während der Untersuchung zu interagieren.
Die wissenschaftlichen Studien begleiteten das Projekt vom "Nicht-freien Fall" (1. Projekt) und den Themenbereich "Kollisionen" (2. Projekt). Im "Nicht-freien Fall-Projekt" gab es Themen wie "Fallschirme" sowie Möglichkeiten, den Luftwiderstand von Autos etc. zu verringern; ebenso "fallende Kugeln und Luftwiderstand", die "Bewegung in Flüssigkeiten abhängig von der Temperatur und Viskosität" ... Im "Kollisions-Projekt" gab es Themen wie Verkehrsunfälle und Sicherheitssysteme, Frontalzusammenstösse, der springende Ball ... Jede Gruppe wählte ein Thema und bearbeitete es wöchentlich über vier Stunden über einen Zeitraum von sieben Wochen. Es gab kontinuierlichen Kontakt und Informationsaustausch mit der Gruppe in Berlin. Der Bericht wurde mit Hilfe der elektronischer Ressourcen erstellt und sowohl die schwedische als auch die deutsche Gruppe lasen gegenseitig ihre Berichte. Es ergaben sich eine Reihe von Fragen zum Text und den Ergebnissen, die auf dem Internetweg mit direktem Feedback diskutiert wurden. Eine Klasse besuchte Berlin und berichtete von ihren Ergebnissen im Marie-Curie-Gymnasium. Im letzten Schritt sollten die Gruppen Material erstellen, das im Internet präsentiert werden konnte, was auch der Bewertung unterzogen werde sollte.
In diesen Projekten wurden diverses Wissen und unterschiedliche Fertigkeiten eingesetzt. Die Schüler mussten selbständig arbeiten und ihre Problemstellungen gemeinsam mit der Gruppe in Berlin lösen. Das grundlegende Wissen bezog sich nicht nur auf Physik, sondern auch auf die englische Sprache; auf internationale Zusammenarbeit, Finden von geeigneten Informationen etc. Die Bewertung erfolgte rasch über das "First Class-System" und wurde durch Schulkollegen und Lehrer eines Landes mit einer anderen Kultur und einem anderen Schulsystem durchgeführt.

6. Diskussion
Die erläuterten Studien zeigen deutlich, dass das "Wissen über Konzepte" mit Hilfe unterschiedlicher Methoden untersucht werden muss. Es wurde gezeigt, dass, die Studie von SCHOULTZ (2000) dafür beispielhaft ist, wie man Wissen durch Kommunikation und Interaktion hervorbringen kann; internationale Studien zeigten hingegen Mängel im Wissen der Schüler auf. In der Gesprächssituation scheinen die Schüler kompetenter als in Situationen, in denen sie mit Fragebögen konfrontiert sind. Das Wissen, das die Schüler in Tests, Interviews und Diskussionen zum Ausdruck brachten, scheint abhängig von der Situation zu sein und ist in Relation zur sprachlichen Formulierung der Fragen zu sehen: Durch Anschauungsobjekte und Unterstützung der Denkprozesse sahen die Kinder die Frage plötzlich aus einem anderen Blickwinkel. Sie ordneten die Fragestellung in einen naturwissenschaftlichen Zusammenhang ein und hatten so die Möglichkeit, eine korrekte Antwort aus einer wissenschaftlichen Perspektive zu geben. Es scheint, als würde "die Situation und das Gespräch" die Schüler als kompetent oder inkompetent erscheinen lassen. Wissensdefizite, die sich in Testergebnissen und Interviews zeigten, können nicht mit Mängel im Verständnis naturwissenschaftlicher Phänomene gleichgesetzt werden. Oft wird die Frage nicht verstanden, thematisch nicht richtig eingeordnet, oder die Lexik ist den Kindern nicht vertraut. So kann die Beurteilung des Wissens eines Schülers unzureichend werden. Vielleicht kann die Verwendung neuer Technologien die Perspektiven erweitern, nämlich in den naturwissenschaftlichen Fächern mehr Kommunikation und Interaktion statt finden zu lassen!


Anregungen zur persönlichen Weiterbearbeitung der Thematik


1. Auf der Website "http://www.Elearningportalen.no" finden Sie Artikel über interaktive Medien, die im Unterricht verschiedenartig eingesetzt werden. Wählen Sie einige Artikel aus, die für Ihren Unterricht relevant sind, und versuchen Sie, Tendenzen in interaktiven Medien zu finden.
2. Führen Sie einige Interviews mit jüngeren und älteren Schülern über naturwissenschaftliche Phänomene durch. Beachten Sie besonders die Ergebnisse von Schülern mit Lernschwächen im Vergleich zu ihren schriftlichen Überprüfungen. Verfassen Sie einen Bericht auf der Grundlage von VYGOTSKYs Aussagen (s. Literaturangaben).
3. Rekonstruieren Sie eine internationale Studie, z. B. in Physik. Vergleichen Sie die Ergebnisse aus einem schriftlichen Test mit jenen in einer Gesprächs- und Interaktionssituation. Welche Unterschiede können Sie finden?

Literaturangaben

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Forigione, P. D. (1996). Commissioner's Statement. US Department of Education-National Center for Education Statistics.
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Katzeff, C. (2001) Designing interactive educational media for the active, collaborative learner.
Available: http://www.tass.sisu.se (2001, Mars)

Lave, J. (1993) Understanding practice: Perspective on activity and context. Cambridge: New York. Cambridge University Press

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