4. Das Basiswissen in der Schule aufbauen
Die Art des schulischen Aufbaus
bzw. vielleicht besser den Weg zur Erlangung dieser Wissensbasis durch den
Schüler in der Schule beschreibt die sogenannte "Dritte Nachtigall´sche
These": Jemandem Stoff vortragen ist nicht lehren ("sondern Stunden
geben"); etwas im Gedächtnis abspeichern ist nicht lernen ("sonst
stünde dem Computer ein akademischer Grad zu"); Abgespeichertes
memorieren zu können ist kein Nachweis für Verständnis (siehe
"Lied von Glocke");
Lehren erfordert, sich mit Lehrstoff und Lernenden gleichsam solidarisch einzulassen
("und dazu muss man sehr viel wissen und können"); Lernen ist
eine Aktivität, die von, nicht an einem Individuum verrichtet wird ("außer
man wirft ihm den Inhalt seines Datenspeichers an den Kopf") ... [Bemerkungen
in Klammer vom Wiener Autorenteam.]
Die Kompetenz des Einzelnen ist Voraussetzung für eine Zusammenarbeit
im Team. Diese ist immer dann notwendig, wenn entweder ein Projekt aus zeitlichen
Gründen von mehreren Personen im Parallelbetrieb durchgeführt werden
muss, mindestens eine zweite Person aus Gründen der Sicherung involviert
wird oder ein Projekt aus mehreren speziellen Komponenten besteht. Die Teamfähigkeit
ergibt sich aus der Fähigkeit der Kommunikation. Dazu sind wiederum zwei
Komponenten notwendig: Beherrschung der Kulturtechniken und Beherrschung einer
genormten Fachsprache. Kulturtechniken sind "Lesen, Schreiben und Rechnen",
also die Fähigkeit, quantitative und qualitative Botschaften einerseits
auszudrücken und andererseits zu verstehen. Als viertes Glied in der
Kette kommt die Beherrschung des Werkzeuges Computer hinzu. Dieses Mittel
der Information ersetzt Papier (Hardcopy), Bleistift, Taschenrechner und großteils
auch die Medien zur Nachrichtenübertragung.
Einen entsprechenden Stellenwert hat die fremdsprachliche Kompetenz erlangt.
Im offenen und doch engen Europa der Gegenwart ist die Beherrschung der englischen
Sprache eine unbedingte Notwendigkeit. Englisch hat das Latein des Mittelalters
damit aus gleichen Gründen wie seinerzeit abgelöst - damit wird
das Kommunikationsproblem zwischen verschiedensprachigen Populationen beseitigt.
Fachsprache ist notwendig, damit klar gestellt ist, dass alle wirklich genau
dasselbe meinen. Fachsprache ist die Standardisierung der Sprache für
technische Zwecke, einer Norm in der Technik vergleichbar. Fachsprache muss
nach WAGENSCHEIN behutsam und nur im notwendigen Ausmaß und dann sinnvoll
eingesetzt werden. Auch diese Erkenntnis hat keinen speziellen Stellenwert,
das Vokabular einer jeden Sprache wird nach denselben Kriterien erworben.
Fachsprache darf niemals Selbstzweck werden. Einer sinnentleerten Pseudofachsprache
bedienen sich meist Personen, die Unwissen hinter gelehrt klingenden Ausdrücken
zu verbergen versuchen. Fachleute, die sich nur der abgehobenen Fachsprache
bedienen, begründen von der Umgebung abgehobene Geheimbünde.
Es ist nun nicht Zweck der Wissenschaft, eine nur der Elite zugängliche
Informationskultur zu betreiben. Wissenschaft und Technik sind mit der Kultur
eng verbunden. Wenn diese Wissensbereiche von der Bevölkerung akzeptiert
werden wollen, dann müssen sie ihr auch zugänglich gemacht werden.
Für etwas, das niemand versteht, interessiert sich auch niemand.
Bleibt die Klärung der Frage, wie denn Kinder bzw. Jugendliche für
einen Gegenstand, der laut allen Umfragen zu einem der unbeliebtesten gehört,
zu interessieren sind.
Die Antwort gibt bereits CICERO in seiner Schrift "De natura deorum":
Obest plerumque iis, qui discere volunt, auctoritas eorum, qui docent"
- frei übersetzt, die Lehrenden wollen etwas anderes als die Lernenden.
Dazu wird erwähnt, dass alle Umfragen ein katastrophales Ergebnis zeitigen:
Physik und Chemie sind jene Gegenstände, an denen Kinder besonders interessiert
sind bzw. deren Interesse besonders zu wecken wäre, an denen Schüler
der Sekundarstufe I jedoch am raschesten das Interesse verlieren (s. Seebauer,
2000 [a], dort weitere Literaturangaben). Zu rasch finden die Übergänge
in abstrakte, nicht altersadäquate Dimensionen statt. Im Vergleich mit
Biologie zeigt sich, dass Biologie von der Realität, vom Phänomen
der Natur ausgeht und mit diesem gegenständlichen Merkmal in der Hand
Stufe für Stufe die Ebenen des Wissens beschreitet. Physik und Chemie
übersehen viel zu oft die Ebene des Phänomens, sodass a priori
in Bildern einer Realität, die niemand wirklich erkennt, gearbeitet
wird.
Der Lehrer ist im Zeitalter des unreflektiert-passiven Medienkonsums derjenige,
welcher das Interesse wecken muss (vgl. auch Seebauer, 2000 [a]). Deshalb
greifen auch die Ansätze des völlig freien Lernens nicht. Zudem
können bereits aus Sicherheitsgründen nicht immer freie Phasen des
Experimentierens geboten werden. Jeder Handwerker muss zunächst einmal
den Umgang mit seinem Werkzeug beherrschen, um dann kreativ selbsttätig
agieren zu können. Dasselbe gilt für Schüler: Sie erlernen
das Handwerk des Experiments als Frage an die Realität oder wie die Schweizer
gut ausdrücken, als Frage an die Mitwelt.
Vielfach pressen noch immer auch die neuesten Fachlehrpläne die Unterrichtenden
in ein zu enges Korsett. Nach wie vor wird viel zu detailliert beschrieben,
was an abprüfbarem Wissen vorhanden sein soll.
Die Unterrichtenden haben die große Aufgabe, bei der Vorbereitung der
Lernbereiche in großen Strukturen zu denken. Ist einmal diese Struktur
fixiert, müssen die Detailprogramme nach fallender Wichtigkeit angeordnet
werden. Zugänge für Schüler müssen geschaffen werden unter
der Prämisse, dass nicht einmal Auswendig gelerntes die Basis des Wissens
ausmacht, sondern nur etwas im Gedächtnis und als Ausgangsbasis zur Problemlösung
abrufbar bleibt, was selbst erarbeitet und verstanden wurde.
Aus diesem Grund ist auch die Wissensüberprüfung drastisch zu ändern
und an jene Grundsätze anzupassen, die in der Wirtschaft gefragt sind:
Wissen und Können ist nur dann verwertbar, wenn es zur Problemlösung
verwendet werden kann. Auf der Sekundarstufe I kann diese Wissensbasis durchaus
niedrig gehalten werden, es muss wesentlich darauf geachtet werden, dass sie
effizient ausgewählt und beim Schüler auch tatsächlich vorhanden
ist.
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5. Der Personal Computer ändert die
Basis des Wissens und des Könnens
Der Einsatz des Personal Computers
mit der stetig steigenden Ausuferung an neuer Software hat die Organisation
des Wissens und damit die Strategien zur Aneignung dieses Wissens drastisch
verändert. Mit dem PC steht ein jederzeit abrufbarer Datenspeicher zur
Verfügung, der Daten aus dem Speicher und zusätzlich individuell
eingegebene Daten rechnerisch verknüpfen kann. Zudem ist durch das Internet
eine zusätzliche Quelle der Datenfindung vorhanden.
Die Aneignung von Wissensstrategien steht deshalb an erster Stelle. Der wissenschaftlich
oder auch entwickelnd-prüfend Tätige muss zunächst eine klar
umrissene Struktur über das zu behandelnde Problemfeld erworben haben.
Exakt dazu ist eine funktionierende Wissensbasis unumgänglich.
An zweiter Stelle steht die Überprüfung der Rechenkapazität
des Computers im Sinne der Verwendbarkeit der Software.
An dritter Stelle folgt die Organisation des für die Lösung des
speziellen Problems geeigneten Datenspeichers im Sinne eines Lexikons.
An vierter Stelle steht die Suche nach relevanten Daten im Internet.
Zur Vorbereitung einer Problemlösung
werden daher die folgenden Fertigkeiten benötigt:
1. Gesicherter Umgang mit dem Personal Computer
2. Umgang mit Rechenprogrammen
3. Mathematische Fähigkeiten zur Entwicklung angepasster Rechenprogramme
4. Fachspezifisches Basiswissen zur Erstellung des speziellen Datenspeichers
5. Basiswissen zwecks Auswahl geeigneter Einträge aus dem Internet
Der Computer ändert die
mathematisch notwendigen Fertigkeiten drastisch. Theoretisch-abstrakte Zusammenhänge
werden wesentlich, zeitaufwendige Rechenabläufe durchführen zu können
tritt in den Hintergrund. Unter Bedacht auf die Tatsache, dass der Computer
eine Rechenmaschine ist, welche einer ständigen Überprüfung
bedarf, tritt das Schätzen, besser das Bestimmen von Größenordnungen
in den Vordergrund. Kopfrechnen ist wieder gefragt, allerdings nicht das schulische,
sondern das am Zweck orientierte Rechnen.
Dient das Abschätzen und Verknüpfen von Größenordnungen
zunächst nur der Kontrolle des Umgangs mit der Maschine Computer, so
ist diese Fertigkeit eine dominierende im Bereich des Könnens. Können
unterscheidet sich von Wissen durch Verfügbarkeit und durch verschiedene
Einsatzbereiche. Wissen ist jene theoretisch-praktische Basis, auf welcher
einmal erfasste Problemstellungen - bereits zur Erfassung der Problemstellung
aus dem Problem ist diese Wissensbasis erforderlich - am Schreibtisch und
im Labor ohne der Randbedingung der sofortigen Verfügbarkeit aufgearbeitet
und gelöst werden. Können ist jener Teil des Wissens, der rasche
Entscheidungen unmittelbar vor Ort ermöglicht. Können setzt sich
aus zwei wesentlichen Teilen zusammen:
a) jener Teil des Basiswissens, welches zur Entscheidung vor Ort grundlegend
ist
b) jenes Ausmaß an Routine, das eine Folge einer zeitlich notwendigen
Praxis ist. Dieses Ausmaß an Routine steigt zu Beginn
exponentiell
an, wobei dieser Anstieg mit zunehmender Zeitdauer abflacht.
c) Änderungen in der Wissensbasis modellieren die Routine neu.
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6. Paradigmenwechsel im Wissenserwerb
Aus den im Abschnitt 5 aufgelisteten
Anforderungen leitet sich ein dramatischer Paradigmenwechsel im Wissenserwerb
ab:
Der Wissenserwerb in der Grundschule hat im Wesentlichen das
Ziel, aus der Phänomenologie des Alltags zu einem qualitativen Verständnis
der Phänomene zu gelangen. Die Schüler sollen lernen, einfache Phänomene
zu erklären und zu verstehen. Deshalb steht am Ende der Grundschullaufbahn
ein kleines, aber sehr gut im Langzeitgedächtnis verhaftetes Wissen um
elementarste Grundlagen,
- welche eine erste altersadäquate Wissensbasis darstellen,
- welche den Absolventen der Grundschule befähigen, altersadäquate
Schlussfolgerungen ziehen zu können,
- welche insbesondere friktionsfrei erweitert werden können,
welche also keine Widersprüche durch unzulässige Elementarisierung
beinhalten dürfen.
Der Wissenserwerb auf der Sekundarstufe I führt zu einer
erweiterten Wissensbasis, auf welcher der Schüler in der Lage sein muss,
einfache Problemstellungen zu analysieren und einer Lösung zuzuführen.
Das Basiswissen muss von einem sinnvoll eingeschränktem Umfang sein und
ist jedenfalls nicht Selbstzweck, sondern dient verknüpft mit der Kapazität,
logische Schlüsse ziehen zu können, dem Problemlösungszweck.
Als Mittel zum Zeck dienen Werkzeuge wie Labor- und Messgeräte sowie
der Computer als Rechenwerkzeug und Datenspeicher. Bereits auf dieser Alterstufe
muss die Kenntnis der englischen Fachsprache in ihrer elementarsten Form angesprochen
werden.
Der Wissenserwerb auf der Sekundarstufe II entfernt sich von
der phänomenologischen Struktur hin zu theoretischen Überlegungen.
Die Stufen der Erklärung können zunehmend abstrakter werden. Abstrahieren
hin zum Kern der Problemstellung wird zunehmend zentrale Notwendigkeit. Das
Experiment löst sich weitgehend von der Miniaturisierung des Phänomens
und nimmt seine wissenschaftliche Position als Mittel der Transformation abstrakter
Zusammenhänge in die Realität ein. Die in der Sekundarstufe I auf
niedrig-abstrahierendem Niveau gelegte Wissensbasis wird auf das höhere
Niveau gehoben, erweitert und gleichzeitig durch Abstraktion überschaubar
gemacht.
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6.1. Kritik an Hand der derzeitigen Situation an an der
LehrerInnenausbildung an
Pädagogischen Akademien in Österreich
Erststudierende im Fach Physik/Chemie
weisen stark abhängig vom Standort ihrer AHS divergierendes, wenn auch
oft umfangreiches Sachwissen auf. Dieses Sachwissen ist jedoch eine additiv
aufzählende Aneinanderreihung von Fakten und zufällig verfügbaren
Details. Die wesentliche Fähigkeit der Verknüpfung der Fakten fehlt
oft vollständig. Der Grund liegt in der Aneinanderreihung tradiert abprüfbarer
und deshalb für sich stehender Faktenbereiche. Damit geht der Erwerb
des Basiswissens zur Hebung der Problemlösungskapazität zugunsten
eines Faktenlernens im Sinne der Vermehrung durch auswendig lernen verloren.
Etwas Können hat das Verstehen als Grundlage. Zum Können fehlt die
Fähigkeit des Verknüpfens.
Ein erster Ansatz in die erwünschte Richtung ist die Einführung
der "Vertiefungsgebiete" im Rahmen der mündlichen Lehramtsprüfung.
Der Kandidat muss sein Basiswissen einsetzen, um eine Problemstellung aufzuarbeiten
und einer dem Unterricht gerecht werdenden Lösung zuzuführen. Dazu
kann er alle gespeicherten Daten in Hardcopy und Personal Computer einsetzen
und verknüpfen. Wesentlich ist, dass der Kandidat seine Problemlösungskapazität
und sein Basiswissen präsentieren kann.
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Um die Aufgaben einer Ausbildung
an Pädagogischen Akademien im Zweitfach Physik/Chemie erfüllen zu
können, ist - auch erzwungen durch zeitliche Vorgaben - die Erzielung
einer eigenverantwortlichen Lernkultur notwendig.
Zu diesem Zweck bedarf es einer entsprechenden Literatur, welche derzeit nicht
vorhanden ist. Schulische Lehrbücher können in ihrer Gesamtheit
nicht den Wissensstand der Matura berücksichtigen, wenn die für
eine neunte Schulstufe geschrieben sind. Lehrbücher dienen dem Aufzeigen
von Fakten im Sinne eines gerade gültigen Lehrplans, der jederzeit geändert
werden kann. Universitäre Texte verlangen ein Abstraktionsniveau, das
dem Erststudierenden an Pädagogischen Akademien in vielen Fällen
nicht adäquat ist, wobei dem Studierenden an der Akademie jener Zeithorizont,
über welchen ein universitär Studierender verfügen kann, nicht
gegeben ist.
Deshalb werden von den Autoren dieses Textes an der Pädagogischen Akademie
des Bundes in Wien im Rahmen der Pädagogischen Tatsachenforschung Unterlagen
geschaffen, welche die Verknüpfung des fachlichen Verstehens mit didaktischen
Notwendigkeiten und der ergänzenden Visualisierung durch Experimente
ermöglichen.
Auf diesen Unterlagen basierend wird die abgesprochene Lernkultur aufgebaut:
Im Zentrum steht eine theoriegeleitete Praxis. Experimentelle Fertigkeiten,
Einbau in ein didaktisches Konzept, schulpraktische Fertigkeiten sind durch
reine Theorie nicht erwerbbar. Vorlesungen dienen nicht der Aufzählung
detaillierter Fakten, sondern der Festigung der Strukturen, Seminare dienen
der Auseinandersetzung hinsichtlich der Verknüpfbarkeit des Wissens mit
dem Berufsfeld, also einer Problemlösungskapazität im Sinne der
didaktischen Reduktion.
Daraus resultiert die "Prüfungskultur".
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Prüfen bedeutet nicht Abfragen
von Fakten im Sinne auswendig gelernter Telefonnummern und Schlagworte. Eine
Prüfung modelliert die Problemlösungskapazität in der Realität,
die durchaus das zukünftige Berufsfeld sein kann, nach.
Prüfen bedeutet daher:
Sich der Existenz einer adäquaten Wissensbasis zu vergewissern.
Dem Prüfer obliegt es, den Umfang dieses Basiswissens klarzustellen.
Deshalb ist die Vorbereitung einer Prüfung das vom Prüfer und dem
zu Prüfenden zu erarbeitende Prüfungskonzept. Im Idealfall ist ein
Überblick über die gesamte Wissensbasis zu garantieren, wobei dem
zu Prüfenden die gestellten Anforderungen klar bekannt zu geben sind.
An Pädagogischen Akademien haben Einzelprüfungen diesen Anspruch
zu erfüllen.
- Rein punktuelles Abfragen von Wissen als eine "randomized action",
wäre hingegen das Ergebnis einer derartigen Prüfung, die weniger
über den Wissensstand aussagt als über zufällige Treffer.
Die Problemlösungskapazität des Studierenden zu ermitteln:
Der Studierende erhält die Möglichkeit, an Hand einer Problemstellung
seine Fähigkeit, unter Einsatz aller zur Verfügung stehender Hilfsmittel
das gestellte Problem einer sinnvoll-akzeptablen Lösung zuzuführen,
unter Beweis zu stellen. Damit ist inkludiert, dass dieser Teil der Prüfung
realitätsnahe, also unter Einsatz aller zur Verfügung stehender
Mittel erfolgt.
Der Studierende hat im Sinne der Bedeutung dieser "skills"
die Aufgabe zweifach zu lösen:
Die Diplomarbeit ist die erste Stufe des Nachweises. Wesentlich ist deren
Verteidigung, welche den Prüfern die Möglichkeit eröffnet,
das Verständnis der Problemlösung zu ermitteln. Es darf nicht übersehen
werden, dass eine Diplomarbeit auch eines Einzelnen in Teamarbeit erstellt
werden kann.
Das Vertiefungsgebiet als abschließender Nachweis der Fähigkeiten
zeigt nochmals die Problemlösungsfähigkeit auf. In der Diskussion
mit den Prüfern ist die Fähigkeit des Studierenden, auf Grund des
Basiswissens erweiterte Fragestellungen zum Thema zu beantworten, Gegenstand
des Interesses.
Experimentelle und schulpraktische Fertigkeiten werden durch
Experimentieren und durch die Schulpraxis entwickelt. Die Überprüfung
der experimentellen Kapazität erfolgt durch die Bewertung der Laborübungen.
Diese orientiert sich an der Zunahme der Fähigkeit, das Experiment zum
Transfer des Wissens zu nutzen. Aus verstandenen Grundlagen heraus sollen
die Studierenden im zunehmenden Maß in die Lage versetzt werden, mit
Unterstützung von im Datenspeicher im Kontext mit einer aufbauenden Didaktik
vorhandener experimenteller Sequenzen ein eigenständiges experimentelles
Grundgerüst zu errichten. Dazu gehört wesentlich die Form der Präsentation,
besonders in optischer Klarheit der Anordnung.
Die Praxis baut das Können auf. Können heißt,
mit bekannten Situationen umgehen zu können und neue Situationen analysierend
zu erfassen. Das aufgetretene Problem muss eingegrenzt werden können,
sodass zumindest eine gesicherte Position entsteht. Dazu ist das jederzeit
einsetzbare Basiswissen notwendig. Aus dieser gesicherten Position heraus
wird unter vermindertem Zeitdruck der Datenspeicher Computer bzw. Literatur
eingesetzt und auf diesen erweiterten Basis die analysierte Problemstellung
einer Lösung zugeführt. Im schulischen Bereich umfasst dies Vorbereitung
und Nachbereitung der Praxis.
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6.4. Paradigmenwechsel in der Kurzfassung
Der Paradigmenwechsel besteht
daher aus:
a) Abgehen von aneinandergereihten Fakten -> Hingehen zum Basiswissen
b) Abgehen von tradiert Überprüfbarem -> Hingehen zur
Befähigung zur Problemlösung
c) Abgehen vom Zufallsgenerator "Prüfungsfragen" ->
Hingehen zu einer Prüfungskultur
d) Abgehen von der Überprüfung der Zunahme der auswendig zu lernenden
Details ->
Hingehen zur Kontrolle des Könnens an Hand der Praxis
e) Die Datenspeicher auch in Science nutzen lernen, die Datenspeicher
auch in Science nutzen dürfen; die Kulturtechnik
"Computer"
besonders in Science nutzen müssen
f) Abgehen von der Überprüfung des Kurzzeitgedächtnisses ->
Hingehen zur Sicherstellung des Könnens.
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"Die ganze Naturwissenschaft
ist nichts weiter als eine Verfeinerung unseres alltäglichen Denkens"
(Albert Einstein).
Naturwissenschaft ist kein losgelöster Bereich, sondern auch dieser Bereich
lebt von der Basis Mitwelt, welche durch die Naturwissenschaft erklärt
werden soll. Methodische Monokultur gepaart mit inhaltlichen Ursachen führt
zum Lernen für den "Inselbereich Schule", ein Umstand, der
zur Interesselosigkeit der Schüler führt. Es ist nur noch die Zeugnisnote,
welche interessiert, nicht jene Wissensbasis, welche die Grundlage der Wissenschaft
und der Wirtschaft und auch der Kultur eines Staates bzw. Volkes ist.
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Anregungen zur individuellen Weiterbearbeitung
der Thematik
(ergänzt von R. Seebauer):
1 Erheben Sie in Ihrer Klasse/an
Ihrer Schule das Interessensprofil der Kinder für die einzelnen Unterrichtsgegenstände.
Versuchen Sie, die Ergebnisse mit besonderer Berücksichtigung des Sachunterrichts
(naturwissenschaftlich-technischer Anteil) und des Physik-/Chemie-Unterrichts
zu interpretieren.
2 Sichten Sie das Spektrum der approbierten Schulbücher (Sachunterricht,
bzw. Physik/Chemie) nach folgenden Kriterien: Welche Wege beschreiten SchulbuchautorInnen,
das geforderte Basiswissen in den naturwissenschaftlichen Lernbereichen abzusichern?
- Welche Themenbereiche stehen in Kongruenz mit der Interessenslage der Kinder
(Buben/Mädchen)? - Lassen sich Themenbereiche identifizieren, die Mädchen
bereits in der Grundschule für naturwissenschaftlichen Themen demotivieren?
- Entwerfen Sie allenfalls alternative Schulbuchkonzepte!
3 Entwerfen Sie einen "Vierjahresplan" (Grundschule, bzw. Sekundarstufe
I), der die Absicherung von Basiswissen und -fertigkeiten erleichtert (Themen
- Formen der Umsetzung - langfristige Qualitätssicherung ...). Begründen
Sie Ihre Maßnahmen anhand der zugehörigen humanwissenschaftlichen
und fachdidaktischen Literatur.
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Breitenauer, N.(1999): The Basic Knowledge of Physics Shown by Students entering vocational Training, unveröffentlichte Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades "Master of Education", University of Derby, betreut von Mag. Hans Fibi.
Brunner, I & Schmidinger,E.: Portfolio - ein erweitertes Konzept der Leistungsbeurteilung. In: Erziehung und Unterricht, 147. Jahrgang (1997) 1072-1086
Deuretzbacher, A. (1999): Handlungsorientierter Unterricht auf dem Prüfstand, Österreichische Zeitschrift für Berufsbildung 98/99(2) 14-15
Duit, R., Berge, O.E. (2000): Physikalischer
Anfangsunterricht - Chancen für unser Fach,
In: Unterricht Physik 11 (2000) Nr. 60 p 4 (234)
Institut für theoretische Physik an der Universität Wien, Wien 2001-01-09
Lissmann, U.: Beurteilung und Beurteilungsprobleme bei Portfolios. In: Jäger, R.S.: Von der Beobachtung zur Notengebung. Diagnostik und Benotung in der Aus- Fort- und Weiterbildung. Landau: Verlag Empirische Pädagogik, 2000, 283-329
Meyer, H. (1987): Unterrichtsmethoden, 1. Theorieband, Frankfurt am Main: Scriptor-Verlag GmbH
Muckenfuß, Heinz, Retten uns die Phänomene ? in Plus Lucis 3/2000 Wien,
Rieger, J. (1999): Der Spaßfaktor. Warum Arbeit und Spaß zusammen gehören. Offenbach: GABAL-Verlag.
Seebauer R. (2000 [a]): Vom Sachunterricht zum Fachunterricht I, Eine kritische Annäherung zu ausgewählten Fragestellungen der naturwissenschaftlich-technischen Grundbildung, Mandelbaum Wien.
Seebauer R. (2000 [b]): Vom Sachunterricht zum Fachunterricht II, Eine kritische Annäherung zu Lösen und Erklären physikalischer Alltagsphänomene bei Wiener Kindern der 4. - 6. Schulstufe vor dem Hintergrund der elementaren fachspezifischen Lexik, Mandelbaum Wien.
Vierlinger, R.: Leistung spricht für sich. "Direkte Leistungsvorlage" (Portfolios) statt Ziffernzensuren und Notenfetischismus. Heinsberg: Dieck-Verlag 1999.
Weiss, R. (1992): Schüler und Lehrer. Eine schulbezogene Pädagogische Psychologie. Psychologie für Erziehung und Unterricht, 2. Teil (2. Auflage). Innsbruck: Universitätsverlag Wagner
Friedrich-Verlag "Jahresheft 1999" zur Gänze
Aus Friedrich Jahresheft 2000:
Duit, Reinders: Das Lernen von Physik verbessern
Böer, Heinz: Auf dem Weg zur "Zukunftsfähigen Schule".
Böttger, Ilona, De Haan, Gerhard: Den Baum umarmen ?
Buck, Peter: Das Exemplarische und das Uferlose
Duit, Reinders, Prenzel, Manfred: Ansatzpunkte für einen besseren Unterricht
Duit, Reinders: TIMSS-Items für die Klassenstufen 7 und 8
Heimlich, Ulrich: Mehr als Memory
Hepp, Ralph: Alle sind dabei
Heymann, Hans-Werner: Natur, Technik und Allgemeinbildung
Klinger, Udo: Teamfähigkeit ist Übungssache
Köhler, Georg: Anschauungsmaterial auf dem Bildschirm
Lehrke, Manfred: TIMSS: Eine Studie und ihre Ergebnisse
Meier, Richard: Üben in der Grundschule
Meier, Richard: Zehn Grundsätze zur Aufgabe Üben
Melzer, Wolfgang; Sandfuchs, Uwe: Übungserfolg und Schulerfolg
Menzel, Wolfgang: Kein reines Vergnügen
Rampillon, Ute: Zehn Maximen zum Üben
Renkl, Alexander: Automatisieren allein reicht nicht aus
Rudolph, Margitta: Die Schüler fordern, die Schüler fördern
Sandfuchs, Uwe: Vom Sinn und Zweck des Übens
Unglaube, Henning: Einüben und Ausüben
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