ANHEBUNG DER SOZIALEN KOMPETENZEN
MIT BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG
DER ARBEITSWELT

Adelheid Hofmann und Oliver Holz, Technische Universität Chemnitz

 

Um ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden, muss sich die Schule mit ihren Bildungs- und Erziehungszielen an den Anforderungen orientieren, die der Arbeitsmarkt an zukünftige Lehrlinge stellt. Optimierungen sind dabei nicht nur im Bereich der zu vermittelnden Wissensbestände möglich und notwendig, sondern auch in bezug auf soziale Kompetenzen, die eine immer größere Rolle im Arbeitsleben spielen.

Der Studientext gliedert sich in folgende Abschnitte:

1 Einleitung
2 Was sind soziale Kompetenzen und was versteht man unter Schlüsselqualifikationen?
3 Welche sozialen Kompetenzen sollen bei Schülern im Hinblick auf ihre zukünftige Arbeitswelt entwickelt werden?
4 Welche sozialen Kompetenzen sollten Lehrer haben im Bezug auf ihre Arbeitswelt Schule und wie können sie diese bei den Schülern entwickeln?

Anregungen zur persönlichen Weiterbearbeitung der Thematik
Literaturangaben

 

1 Einleitung

Liest man in den aktuellen Tageszeitungen Stellenanzeigen, so fällt auf, dass neben den erwünschten beruflichen Abschlüssen und damit attestierten Fach- und Methodenkompetenzen immer öfter auch andere, darüber hinaus reichende Kompetenzen von den Bewerbern erwartet werden. Je nach Anforderungsprofil der ausgeschriebenen Stelle werden beispielsweise Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Kontaktfähigkeit, Einsatzbereitschaft, Belastbarkeit, Zuverlässigkeit, unternehmerisches Denken und Handeln, Führungs- und Sozialkompetenz, Kreativität, Durchsetzungsvermögen, Verhandlungsgeschick, sicheres Auftreten, Engagement, ausgezeichnete Umgangsformen im Kundenkontakt, Flexibilität, Eigeninitiative, Teamgeist, Einsatzbereitschaft und selbstständige Arbeitsweise verlangt, wobei diese Aufzählung bei weitem nicht vollständig ist. Abgesehen davon, dass viele dieser Begriffe wenig trennscharf und kaum zu definieren sind, zeigen sie doch, dass den in der Fachliteratur häufig so genannten "soft skills" eine immer größere Bedeutung in der Arbeitswelt zukommt. Nicht nur in den oberen Leitungsebenen werden diese "weichen Fähigkeiten" gefordert und sogar durch Assessment Center bei den Bewerbern abgeprüft, sondern auch in durchschnittlichen Arbeitsteams ist es notwendig, dass die Mitarbeiter in sehr viel stärkerem Maße als früher mit- und untereinander kommunizieren, um auftretende Probleme zu analysieren, zu diskutieren und zu lösen.
Nun stellt sich jedoch die Frage, ob die heutigen und zukünftigen Schulabgänger gut auf diese Anforderungen des Arbeitsmarktes vorbereitet sind. Umfragen in zahlreichen Unternehmen (vgl. Abschnitt 3) zeigen diesbezüglich große Unzufriedenheit seitens der Wirtschaft. Nicht selten hört man auch die Meinung, dass die heutige Jugend auf Arbeit keine Lust habe und lediglich ihren eigenen Spaß anstrebt. Nun sind pauschale Einschätzungen dieser Art nicht unbedingt neu. Bereits um 1000 vor Christus soll eine babylonische Ziegelinschrift den Vorwurf der abgrundtiefen Verdorbenheit, Gottlosigkeit und Faulheit an die damalige Jugend enthalten haben.
Die Shell-Studie aus dem Jahr 2000 widerlegt für die heutige Jugend dieses Negativbild und relativiert gängige Vorurteile, wobei auch der Widerspruch zwischen Fremdbild und Selbstbild der Jugendlichen deutlich wird. Für rund 80 Prozent der befragten Jugendlichen ist es demnach wichtig, später einen Beruf zu haben, der ihnen auch noch nach vielen Jahren etwas bedeutet, wobei Hauptschüler eher von ihrem späteren Beruf Existenzsicherung und einen festen Arbeitsplatz erwarten, während Abiturienten sinnvolle Inhalte, Spaß und Selbstverwirklichung im zukünftigen Beruf suchen. Etwa die Hälfte der befragten Jugendlichen prognostiziert aber auch die weitere Reduzierung von Arbeitsplätzen und damit die Zunahme von Arbeitslosigkeit und sieht darin auch ein Problem, das ihre persönliche Zukunft stark beeinträchtigt. Bezüglich der Arbeitswelt und der dort von ihnen erwarteten Qualifikationen und Kompetenzen haben die meisten Schüler allerdings wenig Kenntnisse.
Beratungsauswertungen der Berufsberatungen der Arbeitsämter belegen, dass die Mehrzahl der Jugendlichen nur einen Bruchteil der anerkannten Berufe kennt und sehr unklare Vorstellungen von dem Arbeitsalltag hat. Meist beurteilen die Schüler die Berufsgruppen nur aus dem eigenen Erfahrungsbereich heraus und kennen nur solche Berufe, mit denen sie selbst schon im normalen Alltagsleben in Kontakt gekommen sind (z. B. Beruf der Eltern, Frisör, Florist, Kfz-Mechaniker u.a.)
Abgesehen von dieser wenig optimalen Vorbereitung der Schulabgänger auf den Arbeitsmarkt ist es aber auch wirtschaftlich widersinnig und pädagogisch unvertretbar, dass einerseits von der Wirtschaft in bestimmten Branchen Fachkräfte zwar dringend gesucht werden, gleichzeitig aber die Zahl der betrieblichen Ausbildungsstellen abnimmt und die Zahl der jugendlichen Arbeitslosen eine erschreckende Dimension angenommen hat. Besonders prekär ist dabei die Lage in den Neuen Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland, in denen wegen Lehrstellenmangels prozentuell weit mehr Jugendliche arbeitslos oder in einer überbetrieblichen Ausbildungseinrichtung sind, wobei eine berufliche Perspektive damit allerdings auch nicht besteht. Den Schwarzen Peter nun ausschließlich der Wirtschaft zuzuschieben, ist für die Institution Schule zwar nicht allzu schwierig, jedoch auch die Industrie bemängelt sicher nicht ganz zu Unrecht die Vorbereitung der Schulabgänger auf die Arbeitswelt (vgl. Abschnitt 3). An dieser Stelle müssen sich die Schulen fragen lassen, welche konkreten Maßnahmen sie unternehmen, um den Schülern den Übergang in das Berufsleben zu ermöglichen.
Für die Schule gibt es darüber hinaus noch weitere gute Gründe, sich mit den von der Wirtschaft geforderten Ausbildungsinhalten auseinander zu setzen. In Zeiten rückläufiger Geburtenzahlen und damit auch wenige Jahre später sich verringernder Schülerzahlen werden Schulschließungen wie gegenwärtig schon in den Neuen Bundesländern der BRD unvermeidlich sein. In Sachsen sind in den letzten Jahren schon über 100 Schulen geschlossen worden und noch einmal soviel werden in den nächsten Jahren den Schulbetrieb einstellen.
Ein Ergebnis dieses Prozesses ist aber gleichzeitig, dass in diesem Überlebenskampf die Schulen zu innovativen Neuerungen motiviert werden. Die meisten Schulen haben in diesem Prozess der Neuformierung des Schulnetzes erkannt, dass sie nur durch individuelle Profilierungen neue Schüler anwerben können und wurden damit zur "lernenden Organisation". Nun ist das zwar oft die einzige Überlebenschance für einzelne Schulen, im Inneren dieser Organisationen bedeutet es aber zähes Ringen um jede Veränderung. Letztendlich gab es in den vergangenen Jahren überhaupt keinen Grund dafür, von den altbewährten Prinzipien und Methoden ein Stück abzuweichen, da kein Markt über die "Produkte" der Arbeit der Schulen entschied. Kein Betrieb könnte es sich leisten, über Jahre bzw. sogar Jahrzehnte ohne Innovation zu bleiben. Dieser äußere Druck auf das System Schule fehlte bisher fast völlig.
Neuerdings gibt es aber in dieser Richtung einige Veränderungen. Im Zuge des Sparzwanges im öffentlichen Dienst erfolgen nun erste Rankings nicht nur für Hochschulen und Universitäten, sondern auch das Schulwesen wird langsam in diesen Evaluierungsprozess mit einbezogen. Ein Qualitätskriterium wird dabei in Zukunft auch sein, wie gut sich die Schüler auf die Arbeitswelt vorbereitet fühlen, da dieser Aspekt das Hauptanliegen der Schule sein sollte. Schule ist nicht Selbstzweck, sondern soll auf das spätere Leben vorbereiten, das in unserer Kultur hauptsächlich von Arbeit geprägt ist. Daraus ergibt sich das Recht für jeden Schüler eines jeden Schultyps, so ausgebildet zu werden, dass er in der Arbeitswelt bestehen kann.
Zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt gehört aber nicht nur ein gewisser Bestand an Allgemeinbildung, für den es keine genaue Definition gibt, da der Wissensstand sich in wenigen Jahren immer wieder verdoppelt, sondern auch emotionale Bildung und Erziehung gehören zum Auftrag der Schule. In den nächsten Jahren müssen deshalb nicht nur Lehrpläne immer wieder auf die Aktualität des zu vermittelnden Wissens überprüft werden, sondern auch auf die von der Arbeitswelt geforderten und im weiteren Leben notwendigen berufsunabhängigen Kompetenzen, Techniken und Methoden zur lebenslangen Aneignung von neuem Wissen. Gleichzeitig muss dann an den Schulen darüber diskutiert werden, wie dieser Auftrag methodisch umgesetzt werden kann, wobei gerade bei der Ausbildung sozialer Kompetenzen fächerübergreifende Kooperation notwendig ist.


2 Was sind soziale Kompetenzen und was versteht man unter Schlüsselqualifikationen?

Soziale Kompetenzen sind in der wissenschaftlichen Literatur als explizites Konstrukt kaum vorhanden.
In älterer Fachliteratur findet man diesen Terminus noch häufiger als in neueren Veröffentlichungen. So definierte RAMPUS schon 1947 soziale Kompetenz als ein "Maß für die Fähigkeit, sich in einem gegebenen sozialen Feld angemessen zu bewegen". Er wies ausdrücklich darauf hin, dass sehr viele unterschiedliche Faktoren dabei eine Rolle spielen und vor allem erst durch ihr Zusammenwirken diese Fähigkeit ausmachen: "Social Competence is possessing and using the ability to integrate thinking, feeling and behaviour to achieve social tasks and outcomes valued in the host context and culture. In a school setting, these tasks and outcomes would include accessing the school curriculum successfully, meeting associated personal social and emotional needs, and developing transferable skills and attitudes of value beyond school." (Rampus 1947, S. 683).
TAJFEL definierte den Begriff der sozialen Kompetenz nach dem need-drive-Konzept negativ, indem sie soziale Inkompetenz als jenes Verhalten beschrieb, bei dem die entsprechende Person ihre drives (innere Antriebe) gegenüber den needs (äußere situative Anforderungen) ungeachtet der gesellschaftlichen Normen durchsetzt.
In der Fachliteratur der letzten zwei Jahrzehnte findet man neben sehr allgemeinen Definitionen auch spezifische Ansätze bezogen auf Kinder oder auf Behinderte. Beschrieben HINSCH und PFINGSTEN (1983) soziale Kompetenz noch als Verfügbarkeit und Anwendung von kognitiven, emotionalen und motorischen Verhaltensweisen, die in konkreten sozialen Situationen für die handelnde Person überwiegend positive Konsequenzen haben, so konzentrieren sich HUBBART und COIE (1995) auf die Entwicklung sozialer Kompetenzen bei Kindern: "Our choice is to define social competence as being well-liked by peers" (S. 3) Bezogen auf Behinderte findet man den Begriff der sozialen Kompetenz u.a. bei HOLTZ, EBERLE, HILLIG und MARKER (1982).
Soziale Kompetenz im Hinblick auf Kinder findet man ausführlich bei PETERMANN und PETERMANN (1989, 1992). Für sie sind das Freisein von sozialer Angst und die Verfügbarkeit über soziale Fertigkeiten wichtige Voraussetzungen für sozial kompetentes Verhalten bei Kindern, wobei diese Voraussetzungen in einem reziproken Verhältnis zueinander stehen. Haben Kinder ein positives Selbstkonzept, so entwickeln sie daraus Selbstvertrauen und Selbstsicherheit, die ein Zugehen auf fremde Menschen und eine gelingende Kommunikation ohne Angst ermöglichen. Soziale Fertigkeiten sind nach PETERMANN und PETERMANN die Wahrnehmungs- und Rollenübernahmefähigkeit, die zur Interaktion führen, indem man sich in die Perspektive des Interaktionspartners versetzen und damit die Konsequenzen des eigenen Handelns beim Interaktionspartner abschätzen kann. Es ist nicht selten, dass soziale Angst auf den Einsatz von sozialen Fähigkeiten verhindernd wirkt; umgekehrt kann auch der Einsatz schwach ausgeprägter sozialer Fähigkeiten zu Misserfolgen bei sozialer Interaktion und damit zur Vergrößerung der sozialen Angst führen.
Nach dieser Theorie entwickelte Trainingsprogramme zur Verbesserung der sozialen Kompetenz zielen daher sowohl auf die Verbesserung des Selbstkonzeptes als auch auf die Förderung der sozialen Wahrnehmung und des Rollenverhaltens ab.
Letztendlich ist es aber der psychologischen Forschung bis heute nicht gelungen, ein Konstrukt für soziale Kompetenz zu entwickeln, welches operationalisiert werden kann.
In der Pädagogik werden Sozialkompetenzen hauptsächlich im Bereich der Methodik diskutiert. BAUER-KLEBL, EULER & HAHN (1998) verstehen unter diesem Terminus in Anlehnung an EULER und REEMTSMA-THEIS "Handlungskompetenzen, die ein sozial-kommunikatives Handeln über unterschiedliche Inhalte in spezifischen Situationen ermöglichen." In diesem Artikel erläutern die Autorinnen die Konstituenten dieses Begriffes folgendermaßen:
Sozialkompetenzen werden als eine personale Voraussetzung zur Gestaltung von Kommunikationsprozessen in sozialen Beziehungen verstanden. Im einzelnen handelt es sich zunächst um die Fähigkeit, in verbaler und non-verbaler Form bestimmte Äußerungen auf der Sach-, Beziehungs-, Selbstkundgabe- und Absichtsebene artikulieren bzw. entsprechende Äußerungen von Kommunikationspartnern interpretieren zu können.
Es wird davon ausgegangen, dass sich eine soziale Kommunikation prinzipiell unter dem Risiko des Scheiterns vollzieht, d.h. mögliche Miss- und Unverständnisse zwischen den Kommunizierenden zu Kommunikationsstörungen führen können. Zur Bewältigung einer solchermaßen bestehenden Störanfälligkeit von Kommunikation sind weitere Teilkompetenzen erforderlich. Während im agentiven Schwerpunkt die oben genannten Sozialkompetenzen im Vordergrund stehen, sollte der Kommunizierende im Falle von auftretenden Störungen in den reflexiven Schwerpunkt wechseln können, um dort zu erkunden und für sich zu klären, welche situativen oder personalen Bedingungen auf das sozial-kommunikative Handeln Einfluss nehmen und es möglicherweise beeinträchtigen können. Die Kompetenz zu einem Wechsel zwischen agentiven und dem reflexiven Schwerpunkt soll es ermöglichen, einerseits latente oder manifeste Kommunikationsstörungen wahr- und aufzunehmen, andererseits nach der reflexiven Auseinandersetzung mit den Bedingungen des sozial-kommunikativen Handelns die Kommunikationsprozesse aufzunehmen und weiter zu führen. Gleichermaßen können die Kompetenzen im reflexiven Schwerpunkt dazu verwendet werden, zukünftige Kommunikationssituationen im agentiven Schwerpunkt vorzubereiten.
Hinzu kommt noch die Kompetenz zur Meta-Kommunikation. Diese bezeichnet die Fähigkeit, sich über die Einzelstandpunkte der Kommunikationspartner zu stellen und die Kommunikation aus der verbindenden Perspektive von mehreren Beteiligten zu führen. Wenn auch nicht zwangsläufig, so schließt sich eine Meta-Kommunikation häufig an wahrgenommene Schwierigkeiten in einem Gespräch an.
Es wird davon ausgegangen, dass sich der Aufbau und die Anwendung von sozial-kommunikativen Teilkompetenzen immer im Kontext einer mehr oder weniger typischen Situation vollziehen. So ist es beispielsweise ein Unterschied, ob eine Sachposition in einer Situation geäußert wird, in der man Widerspruch erwartet oder sich durch die Anwesenheit eines Vorgesetzten unter Druck fühlt, oder ob diese Position in einem Kreis von Gleichgesinnten und ohne Angst vor Negativkonsequenzen vertreten wird. Vor diesem Hintergrund sind Sozialkompetenzen bei ihrem Erwerb zunächst an spezifische Situationstypen gebunden, die Übertragung verfügbarer Kompetenzen auf andere Situationen erfordert hingegen weitergehende Transferaktivitäten. In diesen Sinne ist es nicht verwunderlich, wenn Personen in bestimmten Situationen sozial-kompetent handeln, die gleichen Kompetenzen hingegen in anderen Situationstypen nicht aktivieren können.

In Konsequenz bedeutet dies, dass Sozialkompetenzen zum einen über die oben genannten Teilkompetenzen im agentiven und reflexiven Schwerpunkt präzisiert werden. Zum anderen werden diese nicht allgemein (d.h. situationsunabhängig) formuliert, sondern sie werden zunächst immer nur für einen spezifischen Situationstyp bestimmt und erworben. Die Verankerung der Kommunikation in einen Situationskontext führt dazu, dass häufig zitierte Sozialkompetenzen wie etwa Konflikt-, Team- oder Moderationsfähigkeit als Präzisierung der Situationskomponente des sozial - kommunikativen Handelns verstanden und konzeptualisiert werden. Konfliktfähigkeit bedeutet dann das gelingende Kommunizieren in einer Konfliktsituation, Teamfähigkeit bezeichnet das erfolgreiche Kommunizieren in einer Teamstruktur. Die entstehenden Situationstypen können auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen definiert werden (z.B. Konfliktsituation in einem Betrieb - Konfliktsituation mit einem Vorgesetzten in einem Betrieb).
Verfeinert man die Begriffsbestimmungen von BAUER-KLEBL, EULER & HAHN zu den eben genannten zwei grundlegenden soft skills, so kann man unter kommunikativer Kompetenz auch die Fähigkeit verstehen, klare Gedanken zu fassen, diese dann verbal angemessen an die Situation zu artikulieren, komplexe Inhalte anschaulich zu präsentieren und sie hierdurch den Gesprächsteilnehmern zu verdeutlichen. Im Berufsleben bedeutet das nicht nur die Vertretung und Durchsetzung des eigenen Standpunktes, sondern auch die Gewinnung der Aufmerksamkeit und des Vertrauens des Gesprächspartners (z.B. eines Kunden).
Da man in Interaktionen nicht nur verbal kommuniziert, spielt auch der non-verbale Anteil der Kommunikation, also Mimik und Gestik, eine große Rolle für die kommunikative Kompetenz. Auch der bewusste Einsatz der Körpersprache gehört demnach zu dieser grundlegenden sozialen Kompetenz.

Teamfähigkeit hingegen kennzeichnet zum einen die Bereitschaft, sich schnell und ohne Reibungspunkte in eine Gruppe integrieren zu können, um innerhalb und mit dieser Gruppe erfolgreich gemeinsam zu arbeiten. Zum anderen bedeutet Teamfähigkeit aber auch, Leitungsaufgaben in einer Gruppe übernehmen zu können, was das Wissen über Gruppenprozesse, über Rollen in Gruppen und fundierte Menschenkenntnis sowie viel Einfühlungsvermögen zur Steuerung und Beeinflussung der Gruppe impliziert.
Doch nicht nur in Psychologie und Pädagogik sind soziale Kompetenzen Gegenstand wissenschaftlichen Interesses. In dem Bereich, der davon direkt profitiert, also der Wirtschaft, werden soft skills oftmals zum entscheidenden Kriterium beim Kampf gegen die Konkurrenz. Allerdings reicht dazu nicht aus, kommunizieren zu können und konfliktfähig zu sein, sondern es werden noch eine Reihe weiterer Fähigkeiten benötigt, die über das reine Fachwissen sowie die fachspezifischen Fähigkeiten und Fertigkeiten hinausgehen. Die zehn Topfavoriten bei Einstellungstests in der Wirtschaft sind dabei: sicheres Auftreten, Kontaktfreude, Selbstbehauptung, Teamgeist, Verständnis, Selbstständigkeit und Entscheidungsfreude, Belastbarkeit, Sorgfalt, Organisationstalent und Verantwortungsgefühl.
Seit den siebziger Jahren bezeichnet man diese skills als Schlüsselqualifikationen. Dieser Terminus wurde unter Rückgriff auf entsprechende Forschungseinrichtungen im internationalen Bereich 1974 von MERTENS in dessen Arbeit "Thesen zur Schulung für eine moderne Gesellschaft" in den Mittelpunkt gestellt. MERTENS verwies angesichts des dynamischen Wandels der beruflichen Aufgaben auf eine Basisqualifikation, welche die spätere Bewältigung verschiedenster beruflicher Anforderungen ermöglicht und gleichzeitig berufsbegleitendes Lernen unterstützt. Diese Schlüsselqualifikationen fördern nach MERTENS "ganzheitliche Handlungsfähigkeit", weil sie quantitativ betrachtet "übergreifender", zeitlich betrachtet "überdauernder" Art sind und öffnen den Menschen "verschlossenen Türen, vor die sie ihr Lebensweg führt". (Vgl. diesbezüglich den Beitrag von Manák/Seebauer, Bd.1 dieser Publikation).
Die theoretische Grundlage hierfür bildete neben anderen der situationsanalytische Ansatz von ROBINSOHN (1973). Demnach geht es bei Bildungsprozessen nicht nur um Anhäufung von Wissen, sondern eigentlich hauptsächlich um die Befähigung zur Bewältigung verschiedenster Lebenssituationen. Diese Befähigung, also Handlungsfähigkeit, steigt in dem Maße, in dem die Person sich mit der Situation handelnd auseinandersetzt, sie gestaltet und damit bewältigt bis zu einem Grad, wo von Qualifikation gesprochen werden kann, wenn eine Übertragbarkeit auf andere Situationen möglich ist und diese auch von der Person erfolgreich durchgeführt wird.
Der Begriff der Handlungsfähigkeit wird in der Diskussion zu den Schlüsselqualifikationen auch von anderen Autoren wieder aufgegriffen. So beschreibt beispielsweise REETZ (1989) in Anlehnung an die Persönlichkeitstheorie von ROTH Handlungsfähigkeit durch die drei Dimensionen Sachkompetenz (sacheinsichtiges Verhalten und Handeln), Sozialkompetenz (sozialeinsichtiges Verhalten und soziale Mündigkeit) und Selbstkompetenz (werteinsichtiges Verhalten und moralische Mündigkeit), wobei der Autor auch betont, dass erst das Zusammenwirken aller drei Kompetenzbereiche dem Individuum die berufliche Handlungskompetenz sichert. Bei dieser Theorie wird deutlich, dass soziale Kompetenz als ein Teilaspekt der Schlüsselqualifikation verstanden wird, ohne dass einer dieser beiden Begriffe umfassend und handhabbar definiert wurde.
Einen der neueren Erklärungsansätze findet man bei SCHEITLER (2001). Demnach sollen Schlüsselqualifikationen "Menschen dazu befähigen, nicht nur das Gelernte situationsspezifisch und flexibel anzuwenden, sondern nach ihren Bedürfnissen zu verändern, auftretende Probleme zu lösen, neue Handlungsalternativen in ihre Arbeitsabläufe zu integrieren, zwischen Alternativen auszuwählen, ihre Fähigkeiten mit den Fähigkeiten anderer zu verknüpfen und ihr (Ver)handlungsrepertoire aus eigener Kompetenz und Synergie zu erweitern. ‚Schlüsselqualifizierung' wird somit zu einem entscheidenden Lernschritt in der eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Dieser Prozess verlangt die Bereitschaft, offen für neue Beobachtungen, Erfahrungen und Anregungen zu sein sowie Neues dazu- und Altes umlernen."
Insgesamt lässt sich resümieren, dass bisher trotz einer Vielzahl von Veröffentlichungen keine allgemein verbindliche, verständliche und auch umfassende Definition für die Begriffe "soziale Kompetenz" und "Schlüsselqualifikation" vorliegt, jedoch die Spannbreite der unter diesen Begriffen subsummierten gewünschten Fähigkeiten je nach beruflichem Hintergrund und theoretischem Konstrukt sehr weit ist. Hinzu kommen auch noch neue Begriffe, die sich zwar eigentlich in das bestehende Begriffssystem einordnen ließen, jedoch durch eine imaginäre Abgrenzung dazu für neue Verwirrung sorgen. So werden beispielsweise seit kurzem in Personalauswahlverfahren auch Tests zu sogenannten "neuen Intelligenzen" durchgeführt, die als Schlüsselfähigkeiten für Karrieren und zukünftige Tätigkeiten gelten. Dazu zählen beispielsweise adversive Intelligenz (die Fähigkeit, Stress auszuhalten), spirituelle Intelligenz (das große Ganze wahrnehmen können), der Innovationsquotient (auf der Suche nach Kreativität) und der elektronische Intelligenz-Quotient (Fähigkeit, mit der elektronischen Datenflut umzugehen).

3 Welche sozialen Kompetenzen sollen bei Schülern im Hinblick auf ihre zukünftige
Arbeitswelt entwickelt werden?

Eine 1997 im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung durchgeführte Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zu Anforderungsprofilen von Betrieben und Leistungsprofilen der Schulabgänger brachte wenig erfreuliche Ergebnisse, die SCHLAFFKE und HÜCHTERMANN folgendermaßen zusammenfassten: "Aus der Sicht der Betriebe sind die heutigen Schulabgänger für die aktuellen und künftigen Anforderungen einer Berufsausbildung in einer modernen Arbeitswelt nicht optimal ausgerüstet." (Fit für die Ausbildung, 1999). Die rund 800 befragten Betriebe bemängelten bei dieser Umfrage nicht nur die Leistungen der Schüler bei den grundlegenden Kulturtechniken wie Rechnen und Rechtschreibung, sondern auch im Verhaltensbereich und bei den Schlüsselqualifikationen.
Die Einstellungstests der Betriebe ergaben beispielsweise, dass viele Schüler nicht gezielt entsprechend ihrer Interessen und Begabungen gefördert wurden, was sich durch deren besserem Abschneiden bei Intelligenztests gegenüber den schlechteren Ergebnissen bei den Teilleistungstests schlussfolgern lässt. Da etwa jeder dritte Lehrling in Deutschland Hauptschulabgänger ist und bei den erwähnten Tests noch nicht einmal jeder fünfte Hauptschulabsolvent über zufriedenstellende Rechenkenntnisse verfügte, kann man die Klagen besonders der Handwerksbetriebe über ungeeignete Bewerber nachvollziehen. Auch hinsichtlich der Rechtschreibung gibt es viele Kritikpunkte. So stellten immerhin drei Viertel der befragten Betriebe erhebliche Defizite bei den Hauptschülern fest und ein Drittel schätzte die Orthografiekenntnisse der Realschüler als mangelhaft ein. (Vgl. diesbezüglich auch Klefasz, 2001)
Auch zu den Stärken und Schwächen der Schüler bei den Schlüsselqualifikationen wurden die Betriebe befragt. "Dass Schülerinnen und Schüler teamfähig und kooperativ sind und kommunizieren können, sagt im Schnitt gerade jedes vierte Unternehmen. Nur jedes siebente Unternehmen hält die getesteten Schulabgänger für kreativ, zuverlässig und beständig." (Fit für die Ausbildung, 1999) Darüber hinaus sahen mehr als ein Drittel der Betriebe deutliche Schwächen bei der Motivation, der Belastbarkeit, beim selbstständigen Lernen, dem logischen Denken, dem Verantwortungsbewusstsein, der Zielstrebigkeit, bei der Einstellung zur Arbeit, dem planvollen Arbeiten und bei der Konzentrationsfähigkeit der Schüler. Diese Einschätzung der Schulabsolventen ist erschreckend, zumal sich diese Schwächen durch alle Schulformen ziehen.
Die befragten Unternehmen schätzten als künftige Qualifikationsanforderungen nicht nur Fachqualifikation (92%), sondern auch zu einem hohen Prozentsatz Teamfähigkeit (89%) und Kommunikationsfähigkeit (83%) ein. Die Ansprüche der Betriebe an die zukünftigen Lehrlinge und damit auch die Forderungen an die Schulen sind demnach in erster Linie bezogen auf solide beherrschtes Grundwissen. Gleichzeitig plädieren die Unternehmen aber auch für mehr praxisbezogenes Arbeiten, mehr erfahrungs- und erlebnisorientiertes Lernen, neue Sozialformen und innovative Unterrichtsmethoden, da nur durch diese offenen Unterrichtsarrangements die Schüler fachübergreifende und persönlichkeitsbezogene Fähigkeiten ausbilden können.
Diese Forderung nach der Stärkung der Erziehungsfunktion der Schule ist indes nicht neu. Bereits 1992 legten die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft ein Positionspapier dazu vor, was die Unternehmen von der Schule erwarten. Neben der grundlegenden Beherrschung der deutschen Sprache in Wort und Schrift, der Beherrschung einfacher Rechentechniken und Grundkenntnissen wirtschaftlicher Zusammenhänge werden Kenntnisse und Verständnis über die Grundlagen unserer Kultur erwartet und im Rahmen der Werteerziehung die Herausbildung und Festigung von Zuverlässigkeit, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, Ausdauer, Durchhaltevermögen, Belastbarkeit, die Wahrnehmung der übertragenen Aufgaben gemäß der eigenen Leistungsfähigkeit, Konzentrationsfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Selbstständigkeit sowie die Fähigkeit zu Kritik und Selbstkritik. Als soziale Kompetenzen sollen Kooperationsbereitschaft, Teamfähigkeit, Höflichkeit und Freundlichkeit, Konfliktfähigkeit, Toleranz sowie Handlungsorientierung und berufliche Handlungskompetenz durch die Fähigkeit der Planung einzelner Handlungsschritte und deren aktive Gestaltung durch die Schule als Rüstzeug mitgegeben werden.
Um den Schulen bei der Realisierung dieser Forderungen Unterstützung zukommen zu lassen, sind in den letzten Jahren aus der Wirtschaft heraus mehrere Initiativen entstanden. Eine der ersten und weit verbreiteten ist die "Initiative Schule- Wirtschaft", die bereits vor mehr als 40 Jahren begann und heute auf verschiedenen Ebenen organisiert ist. Die Basis bilden die inzwischen rund 460 Arbeitskreise, die auf regionaler Ebene informelle und freiwillige Zusammenschlüsse von Pädagogen und Praktikern aus örtlichen Betrieben sowie Vertretern der Verbände, Kammern und der Berufsberatung sind. In diesen Arbeitskreisen wird versucht, sozusagen "vor Ort" einen Beitrag zum Abbau von Informationsdefiziten zu leisten und Berührungsängste zu minimieren. Der Hauptschwerpunkt dieser Zusammenarbeit liegt auch heute noch in der Vorbereitung und Durchführung von Betriebserkundungen sowie in Vortrags- und Informationsveranstaltungen. Auf Länderebene gibt es insgesamt 15 Koordinierungsstellen, die als Studienkreise oder Landesarbeitsgemeinschaften die Aktionen der Arbeitskreise abstimmen, Kontakte zu den verschiedenen Landesbehörden halten, beispielsweise auch Veranstaltungen zur Lehrerweiterbildung anbieten und entsprechendes Unterrichtsmaterial bereitstellen. Angesiedelt sind diese Koordinierungsstellen entweder als selbstständige Einrichtungen bei den Landesarbeitgeberverbänden oder integriert in die Bildungswerke der Arbeitgeberverbände. Seit 1965 existiert die "Bundesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft", die ebenfalls im Vorsitz durch einen Pädagogen und einen Vertreter der Wirtschaft diese Zusammenarbeit repräsentiert. Neben der Koordinierung der Studienkreise und Landesarbeitsgemeinschaften gibt die Bundesarbeitsgemeinschaft Publikationen für den Unterricht sowie einen Informationsdienst heraus, entwickelt Unterrichtshilfen und richtet jährliche Erfahrungsaustausche für Vertreter aus den Studien- und Arbeitskreisen aus. Von der Bundesarbeitsgemeinschaft gehen weiterhin wichtige Impulse für europaweites Lernen durch Transfer der Erfahrungen aus den Schulsystemen der Länder und der jeweiligen Abstimmung mit der Wirtschaft aus.
Auch andere Initiativen haben sich zum Ziel gesetzt, die Jugendlichen mit regionalen Unternehmen bekannt zu machen und ihnen damit am konkreten Beispiel wirtschaftliche Zusammenhänge zu verdeutlichen. Als ein weiteres Beispiel sei an dieser Stelle nur noch auf die Initiative Business@school der Unternehmensberatung The Boston Consulting Group verwiesen, die bundesweit mit 36 Schulen zusammen arbeitet. Die Schülergruppen beschäftigen sich dabei in mehreren Phasen sehr intensiv mit je einem großen und einem kleinen Unternehmen und entwickeln im Anschluss daran eine eigene Unternehmensidee, die in einen bundesweiten Wettbewerb mündet.
Es gibt also reichlich Arbeitsmaterial und auch entsprechende Angebote zur Zusammenarbeit, die, wie die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen, allerdings noch zu wenig genutzt werden.


4 Welche sozialen Kompetenzen sollten Lehrer haben im Bezug auf ihre Arbeitswelt Schule und wie können sie diese bei den Schülern entwickeln?

"Welche Fähigkeiten man mindestens haben, kultivieren und in sich zusammenwirken lassen sollte, wenn man mit gutem Gewissen, Aussicht auf Erfolg und mehr Freude als Frustration unterrichten will, ist eine Frage, die von der pädagogischen Anthropologie bis zur pädagogischen Ethik, von den Theorien der Lehrerbildung bis zu den Konzepten des Lehrertrainings zur Zeit anscheinend niemand in einer systematisch vertretbaren Form beantworten kann." (Loch 1991, S. 96) Zumindest enthalten viele Aufsätze der neunziger Jahre (vgl. u.a. Weinert und Helmke 1996, Bessoth 1994) als Systematisierungsvorschlag für diese Fähigkeiten die Einteilung in Fachkompetenz (Sach- und Fachkenntnisse), Sozialkompetenz (Lehrer als Lernbegleiter und Diagnostiker), Personkompetenz (Lehrer als Persönlichkeit), Feldkompetenz (Schüler kennen), Prozesskompetenz (Unterrichtsformen kennen) und methodisch-didaktische Kompetenz (Vermitteln von Themen und Inhalten).
Wie bereits im zweiten Kapitel näher betrachtet, wird sowohl in der psychologischen als auch in der pädagogischen Fachliteratur von sozialer Kompetenz als wichtiger Voraussetzung für Handlungskompetenz gesprochen. Auch in der ersten Veröffentlichung des Comenius-Projektes "Qual-Impact" geht BOLZ schulbezogen darauf ein: "Traditionell wird bei den LehrerInnen auf die fachlich/methodische Kompetenz großer Wert gelegt, das ist auch oft der wesentliche Inhalt der Ausbildung und Vorbereitung für den Beruf. Zur Professionalität von LehrerInnen gehört aber auch, und das ist anscheinend eine Folge gegenwärtiger Herausforderungen an die Schule, die Sozialkompetenz." (Bolz 2000, S. ???)
Untersucht man diese Aussagen anhand von Studien- und Prüfungsordnungen von Lehramtsstudiengängen, findet man die Bestätigung dafür, dass soziale Kompetenzen während des Studiums nicht vermittelt werden. Das scheint bei der derzeit gängigen Einstellungspraxis auch nicht notwendig zu sein. Während Stellenanzeigen für Jobs in der freien Wirtschaft und in Assessment-Centers beredter Ausdruck dafür sind, dass in der Wirtschaft bei Einstellungen großer Wert auf soziale Kompetenzen gelegt wird, spielen diese bei Einstellungen von Lehrern so gut wie keine Rolle; höchstens bei der Besetzung von Direktorenstellen werden in Deutschland soziale Kompetenzen durch Leitungsvorerfahrung berücksichtigt.
Nun stellt sich allerdings die Frage, ob Lehrer überhaupt soziale Kompetenzen brauchen, wenn doch ihr oberster Dienstherr anscheinend bei der Anstellung darauf keinen Wert legt. Betrachtet man daraufhin Lehrpläne der verschiedenen Schultypen, so fällt ebenfalls auf, dass auch dort soziale Kompetenzen eher marginal auftauchen, wenn höchstens von dem Ziel der Werteentwicklung oder der Ausbildung von Toleranz gesprochen wird.
Ein ähnliches Missverhältnis gibt es bei der Ausbildung der Lehrer bezüglich der Orientierung auf die Arbeitswelt. Theoretisch klingen diese Bezüge in der Wissensvermittlung während des Studiums zwar an, aber praktisch verfügt kaum ein Lehrer über Praxiserfahrung aus Betrieben oder über kontinuierliche Kontakte zu Betrieben. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Unterrichtsgestaltung.
Wenn auch die Startvoraussetzungen der Lehrer bezüglich der Ausbildung sozialer Kompetenzen und der praktischen Wirtschaftserfahrungen nicht optimal sind, kann doch jeder Lehrer diesbezüglich dazu lernen und entsprechende Weiterbildungsangebote nutzen, um für die Weitervermittlung an seine Schüler kompetent zu sein. Dazu gibt es in einigen Bundesländern schon Verfügungen zur Unterstützung von Lehrerbetriebspraktika, die allerdings bisher nur für Berufsschullehrer gelten, obwohl es dann für eine Berufsorientierung der Jugendlichen schon zu spät ist. Zumindest ist es für die Weiterbildung der Lehrer schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung.
Ein wichtiger Aspekt bei der Ausbildung sozialer Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen ist die Vorbildrolle des Lehrers. Er kann von seinen Schülern kein kooperatives Verhalten verlangen, wenn noch nicht einmal das Lehrerkollegium eine gemeinsame Sprache spricht und Konflikte unter den Kollegen zu klären imstande ist. Hier ist der erste Ansatzpunkt zur gezielten Förderung sozialer Kompetenzen in der Schule, indem die Lehrer zuerst einmal sich über ihre eigenen sozialen Kompetenzen Klarheit verschaffen und diese auch im Schulgeschehen zum Tragen bringen. Organisation von Kooperation zur Verbesserung der inhaltlichen Abstimmung geht nur über Kommunikation und Teamarbeit. Veränderung kann nur dadurch bewirkt werden, dass man abgeht vom ständigen Klagen über die Zustände und schlechten Rahmenbedingungen und statt dessen gemeinsam nach Möglichkeiten und Chancen für Veränderung sucht, die im Rahmen der bestehenden Bedingungen möglich sind.

Wie können nun im Unterricht soziale Kompetenzen und Arbeitsweltbezüge bei den Schülern entwickelt werden?
Ausgangspunkt muss eine solide Evaluation des Ist-Zustandes an der Schule sein, die sowohl die schon vorhandenen Kompetenzen der Schüler analysiert, als auch beispielsweise durch Kollegenevaluation die Arbeit der Lehrer reflektiert. Hierbei geht es nicht um Konkurrenzdenken, sondern um konstruktive Kritik und Erfahrungsaustausch.
Konkrete Absprachen im Lehrerkollegium sichern gleiche Maßstäbe im Erziehungsverhalten der Lehrer bezüglich Pünktlichkeit, Fleiß, positiver Arbeitseinstellung, Verantwortungsbewusstsein, Motivation und Leistungsorientierung. Um diese vom Arbeitsmarkt geforderten grundlegenden Werte den Schülern vermitteln und bei ihnen festigen zu können, muss die Einheitlichkeit im Erziehungsverhalten der Lehrer unbedingt gewährleistet sein.
Durch fächerübergreifende Projektarbeit oder Werkstattarbeit eröffnen sich Spielräume für die Schüler, in denen sie fachübergreifende und persönlichkeitsbezogene Fähigkeiten entwickeln können. Diese Unterrichtsformen stellen einen direkten Bezug zur Arbeitswelt her, da den Kindern mit der Planung über die Durchführung bis zur Auswertung eines Vorhabens die Ganzheitlichkeit wirtschaftlicher Prozesse bewusst gemacht werden kann. Außerdem erfahren die Schüler, dass jeder durch das Einbringen seiner Stärken etwas zum Gesamtprojekt beitragen kann, wenn die Gruppe alle einbezieht. Diese Arbeitsformen lassen sich nicht nur im Werkunterricht oder im Fach Technik einsetzen, sondern alle Unterrichtsfächer können sowohl Wissenserarbeitung als auch Praxisbezug darüber organisieren.
Aktivierende Lernmethoden wie Gruppenarbeit, Leittextmethode, Rollen- und Planspiele, Projekte und projektorientierter Unterricht sowie offener Unterricht und alle nur möglichen realisierbaren Formen eigenverantwortlichen Lernens ermöglichen die Entwicklung der Talente und Begabungen aller Kinder, fördern alle sozialen Kompetenzen und bereiten optimal auf das spätere Berufsleben mit der Forderung ständiger Weiterentwicklung vor.
Speziell zur Entwicklung sozialer Kompetenzen der Schüler sollten Projekttage mit der Thematik Konfliktbewältigung in den Schulen durchgeführt werden. Der Umgang mit Konflikten ist in Zeiten zunehmender Gewaltbereitschaft an den Schulen ein wichtiges Thema, das nicht nur im Ethikunterricht behandelt werden kann. Auch hier gilt wieder, dass nur durch ein einheitliches Auftreten des gesamten Lehrerkollektivs sich Schulnormen herausbilden können, die als gesellschaftlich akzeptabel gelten und die spätere Integration der Schüler in einen Betrieb erlauben. Hierbei können auch die Kinder selbst eine aktive Rolle spielen. Inzwischen gibt es schon in einigen Schulen von Lehrern oder Schulmediatoren ausgebildete Konfliktlotsen, die bei Streitigkeiten der Schüler vermitteln. Sowohl diese Mediatoren als auch die Streitenden erfahren auf diese Weise sehr intensiv, dass es friedliche Wege der Streitbeilegung gibt.
Wichtig für die Vorbereitung der Jugendlichen auf die Arbeitswelt ist auch die Förderung ihrer praktischen Fähigkeiten. Je nach Schulform in unterschiedlicher Intensität kann dadurch beispielsweise bei Hauptschülern die Liebe zu Handwerksberufen geweckt werden und gleichzeitig erfahren eher praktisch veranlagte Jugendliche auch Anerkennung, die ihnen im theoretischen Unterricht oft versagt bleibt. Ergänzend dazu müssen auch Maßnahmen zur Leistungs- und Neigungsdifferenzierung ergriffen werde, um Lern- und Leistungsdefizite auszugleichen.
Generell muss die Schule konsequenter die Lehrinhalte am Praxisbezug ausrichten. Dazu sollten verschiedene Formen des Kennenlernens der regionalen Betriebe genutzt werden.
Über Betriebspraktika, die schon seit über drei Jahrzehnten und inzwischen auch flächendeckend in allen deutschen Bundesländern in den Lehrplänen verankert sind, können sich die Jugendlichen einen konkreten Einblick in die Arbeitswelt verschaffen, wobei aber schulpolitische Intention und Realität nicht selten auseinander klaffen. Die in der Pflichtschule der BRD meistens in der achten Klasse durchgeführten zweiwöchigen Betriebspraktika absolvieren die Schüler nicht selten mangels Betrieben oder mangels deren Bereitschaft zur Betreuung der Schüler in der nächst gelegenen Verkaufsstelle. Dabei werden allerdings die Möglichkeiten einer Berufsorientierung verschenkt. Hier sollten verstärkt die Regionalschulämter in den Betrieben für eine Zusammenarbeit werben und gleichzeitig muss den Jugendlichen die Notwendigkeit unterschiedlicher Praktika zur Neigungsermittlung bewusst gemacht werden.
Auch Lehrern sind Betriebspraktika zu empfehlen, um durch eigene Mitarbeit in einem Unternehmen aktuelle Entwicklungen der Wirtschaft hautnah zu erleben und auch ihre Beraterkompetenz bezüglich der Berufswahl der Schüler zu erhöhen.
Empfohlen werden weiterhin durch die "Bundesarbeitsgemeinschaft Schule-Wirtschaft" aspektorientierte Betriebserkundungen für Lehrer und Schüler. Für Pädagogen ermöglichen diese gezielte Weiterbildungsmöglichkeiten zu bestimmten wirtschaftlichen Aspekten und damit zur Optimierung des Unterrichts bezüglich der Verbindung von Theorie und Praxis. Betriebserkundungen für Schüler sollten sich aus dem Unterrichtsstoff ergeben und sich auf konkrete Aspekte und Bereiche der betrieblichen Realität konzentrieren. Alle naturwissenschaftlichen Fächer, aber auch Informatik, Ethik oder Deutschunterricht lassen sich praxisorientiert gestalten und können beispielsweise bei einem Projekttag in einem Unternehmen inhaltlich verknüpft werden. Aber auch Vorträge von Vertretern der Betriebe könnten den Unterricht bereichern. Die vielfältigen Angebote der Wirtschaftsverbände sollten verstärkt bekannt gemacht und damit einer intensiven Nutzung durch die Schulen zugänglich werden.

Anregungen zur individuellen Weiterbearbeitung der Thematik:

1.Evaluation der Situation an den Pflichtschulen zur sozialen Kompetenz der Lehrer und der
Konfliktfähigkeit der Schüler
2. Erstellen von Schulprogrammen zur Thematik "Soziale Kompetenz"
3. Erkunden der regionalen Weiterbildungsangebote zur Arbeitsweltorientierung
4. Evaluation des Berufswahlunterrichts an den Schulen
5. Erarbeiten von Vorschlägen für Zeugnisformulierungen, die soziale Kompetenzen der Schüler
reflektieren


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