QUALITÄTSSTEIGERUNG
IN MULTIKULTURELLEN KLASSEN

Martin Bolz, Pädagogische Akademie Wien/Bund

Der Begriff Multikulturalität wird im Zusammenhang des Begriffes Kulturalität entfaltet. Beherrschung von Sprache sowie Sprachlichkeit sind Indikatoren für wechselseitige Integration innerhalb einer konkreten Schule. Qualitätssteigerung scheint nur möglich, wenn die Begriffe Kultur, Religion und Sprache aufeinander bezogen werden und von daher zu einer konkreten Didaktik führen. Der Hinweis auf QM - Modelle macht deutlich, dass multikulturelle Schule auf die Kommunikation von SchülerInnen, LehrerInnen, Eltern und Öffentlichkeit hin ausgerichtet sein soll.


Der Studientext gliedert sich in folgende Abschnitte:

1 Der Begriff Multikulturalität
1.1 Der Organisationsrahmen: Schule
1.2 Indikator: Sprache
2 Die vielen Filter für das Erlernen der Herkunftssprache der Eltern
2.1 Der Aspekt der Wahrnehmungsgewohnheiten bei der Sprachaneignung
2.3 Abschließende Bemerkungen: Sprachspiele
3 Informationen über andere Kulturen
3.1 Der Tourismus - Aspekt
3.2 Der Toleranz - Aspekt
3.3 Der Aspekt der Nicht - Differenz
3.4 Der "peinliche" Rassismus
3.5 Das Problem der Kompetenz
4 Die andere Frage nach der Identität
4.1 Individualität und Identität
4.2 Das andere Gesicht
5 Qualitätssteigerung in Klassen mit Kindern ethnischer Minderheiten


Anregungen zur individuellen Weiterbearbeitung der Thematik
Literaturangaben

 

Es gibt wohl in der Schule kaum einen Bereich, der so sehr zum Testfall schulischer Qualitätsentwicklung werden kann wie die Arbeit in und mit multikulturellen Klassen. Es ist nämlich der klassische Fall aller QM - Modelle, bei dem sich öffentliche, gesellschaftliche, schulische und Elterninteressen miteinander vernetzten.
Warum ist das so?
Zuerst einmal ist eine Folge der Erstarkung nationalstaatlicher Ideen infolge der Ereignisse des Jahres 1848 und der heraufkommenden Industrialisierung, die eine Wanderungsbewegung in Europa zur Folge hatte - Arbeitsmigration! Nach dem 1. Weltkrieg haben neue nationale Grenzziehungen diese Wanderungen erschwert, allerdings hat auch der Vertrag von Jalta 1942 lediglich eine Neuordnung politischer Zuständigkeiten versucht und nach dessen praktischer Auflösung in unseren Tagen eine wiederum "offene" Situation geschaffen.
Sodann sind durch und nach dem 2. Weltkrieg Wanderungsbewegungen entstanden, die andauern und an Intensität zunehmen. Waren es zuerst relativ erwünschte Migrationen in die Industrieländer, so entstanden zunehmend Fluchtbewegungen aufgrund politischer und kriegerischer Verhältnisse, welche die Anzahl der MigrantInnen ansteigen liess. Der Migrationsdruck durch Überbevölkerung in den sogenannten armen Ländern sorgt inzwischen für weltweite Wanderungen.
Mitten in dieser noch keineswegs abgeschlossenen Bewegung befinden sich die zu europäischen Bündnissen vereinigten europäischen souveränen Staaten, die in ihren Schulsystemen jene Mittel sehen, gesellschaftliche Fragen - und damit auch die Fragen von Migrationen - Lösungen zuzuführen.
Im Sinne der QM - Modelle wird es jedoch notwendig sein, wenn man die Kundenorientierung/ Schülerorientierung befürwortet und damit umfassend die regional anstehenden Fragen zu klären versucht.

1 Der Begriff "Multikulturalität"

Die europäischen Schulpädagogiken sind monokulturell orientiert - wie man allein schon an den unterschiedlichen Normen für die Schulschrift ablesen kann - ,allerdings mit kleinen Schönheitsfehlern. Monokulturalität ist nämlich ein Konstrukt, das sich aus Verfassungen ableiten und in Schulvorschriften giessen lässt, wobei in der schulischen Wirklichkeit schon immer Unterschiede zwischen regionalen Besonderheiten, unterschiedlichen Herkünften und verschiedenen Dialekten gemacht wurde. Multikulturalität ist also nicht die Bestimmung des Verhältnisses zwischen "Innen" und "Außen", sondern ein Schlüssel zum Verständnis derzeitiger Nationalstaaten.
Deswegen ist Multikulturalität die Norm und dieser Tatsache gilt es in der regional verankerten Schule Rechnung zu tragen, zuerst einmal gegenüber den autochtonen Kulturen und Ethnien, dann aber auch gegenüber den neu hinzugekommenen. Multikulturalität meint also die doppelte Blickrichtung: nach "Innen" und nach "Außen". Zu diesen Aufgaben können LehrerInnen durch Reflexion von Haltungen, Einstellungen und Werten sowie den Erwerb fördernder Maßnahmen viel beitragen, aber sie können das nicht allein tun.

1.1 Der Organisationsrahmen: Schule
Von der LehrerInnenprofession her erscheint der Organisationsrahmen: Schule, und der Ordnungsrahmen: Klasse, als ein wesentliches Anliegen. Dieser Ordnungsrahmen, der das Arbeiten und Zusammenleben auf dem engen Raum der Schulklasse ermöglichen und erleichtern soll, lässt entweder Unterschiede sehen und tolerieren oder Homogenität produzieren. Es könnte also sein, dass der Ordnungsrahmen weitergehende Reflexionen in Richtung Multikulturalität zumindest behindert oder sogar direkt unterdrückt. Gleichzeitig könnte es aber sein, dass die herkömmlichen Segregationsmechnismen ihre Wirkung zeigen: SchülerInnen mit schlechten Schulleistungen wiederholen die Klasse oder werden in besondere Schule überwiesen, wobei die Parameter für diese Entscheidungen nicht problematisiert werden. Es wird anscheinend rein leistungsbezogen geurteilt, demgegenüber zeigen aber gerade die Populationen von Sonderschulen oder Charakteristika von Klassenwiederholern unverhältnismäßig viele Kinder mit einer differenten Muttersprache. Ein weiterer Segregationsmechanismus ist immer noch in weiten Bereichen dann der Religionsunterricht, wenn ethnische und religiöse Zugehörigkeiten übereinstimmen und es von daher üblich ist, diese SchülerInnen an ihrem eigenen oder gar keinem Religionsunterricht teilnehmen zu lassen. Der Zusammenhang von Religionszugehörigkeit und Kulturalität weist auf einen schulpädagogisch wenig bearbeiteten Sachbereich. Hier ist ein Blick auf die Stellungnahme der Evangelischen Kirche in Deutschland über den Religionsunterricht für muslimische Schülerinnen und Schüler zu verweisen:
"Was die ethnische Herkunft der Schüler und Schülerinnen sowie ihre kulturellen und religiösen Vorerfahrungen betrifft, ist die Schülerschaft heute unterschiedlicher zusammengesetzt als je zuvor. Immer mehr Schulen erkennen die daraus folgenden Integrationsaufgaben: Die Schulen in Deutschland haben zum einen mit prägenden Kräften und Traditionen der eigenen Kultur und Geschichte vertraut zu machen und zum anderen das Zusammenleben von Menschen verschiedener Länder, Kulturen und Religionen zu fördern. Über die fachwissenschaftlich strukturierte Wissensvermittlung hinaus müssen sich Schulen bemühen, die junge Generation lebensbegleitend und problemorientiert schrittweise vor die Zukunftsaufgaben zu führen, die die Kinder und Jugendlichen als künftige Erwachsene in der Rolle verantwortlicher Bürger zu bewältigen haben. Hierfür ist der Horizont der sozialen Wahrnehmung und Verantwortung auszuweiten, sind Gemeinsinn und Verständigungsfähigkeit zu fördern. In diesem Zusammenhang ist auch auf das gemeinsame Wort der Kirchen in Deutschland hinzuweisen, das den Titel trägt: "... und der Fremdling, der in deinen Toren ist." (EKD)

Individualität von SchülerInnen und deren Stärkung ist die eine Seite, die andere sicher aber eine gesellschaftspolitische Frage. Man kann diese beiden Pole spiegelbildlich einander entgegenhalten, wenn man auf das Papier der EKD "Gestaltung und Kritik" hinweist, wo es gerade um die Frage von Kirche, Religion und Gesellschaft geht:
"Am Ende dieses Jahrhunderts und Jahrtausends vertreten manche Beobachter die Auffassung, das Christentum sei dabei, seine kulturprägende Kraft einzubüßen. Religionskritische Argumente haben im Osten Deutschlands durch die marxistisch-leninistische Propaganda weite Verbreitung gefunden. Die Pointe ist jedes Mal: Religion ist kulturell schädlich. Auch in der westdeutschen Öffentlichkeit sind solche Gedanken durchaus geläufig, auch wenn sie weniger aggressiv vertreten werden. Die Kirche gilt den Kritikern weniger als kulturell schädlich als vielmehr als kulturell irrelevant."
Punkt 1.2 : "Am Säkularisierungsprozeß müssen zwei Momente unterschieden werden: Entkirchlichung und Entchristlichung. Beide Momente wirken bis heute, haben aber inzwischen in der "postmodernen" Situation ihre kulturkämpferischen Aspekte verloren."
Punkt 3 : "Die säkularistische Behauptung, die Verabschiedung der christlichen Überlieferung sei geradezu die Bedingung autonomer Kulturentwicklung, ist in anbetracht der kulturellen Wirkungen speziell des reformatorischen Christentums absurd. Die kulturprotestantische Apologetik, die sich um die schiedlich-friedliche Symbiose vonchristentum und (bürgerlicher) Kultur bemüht, geht aber ebenso fehl wie eine im Namen des Christentums selbst propagierte radikale Diastase von Glauben und Kultur." (EKD, Gestaltung und Kritik, Vorwort)

Die hier getroffene Unterscheidung von Entkirchlichung und Entchristlichung kann unter den gegebenen Rahmenbedingungen nachvollzogen werden. Diese Fokussierung ist sachimmanent, dennoch aber entwicklungshindernd im Bezug auf die Multikulturalität, weil Multi-/ Interkulturalität auch Interreligiosität bedeuten würde. Entwicklungshindernd deswegen, weil Fragen der Qualitätssteigerung damit durch vorausgegangene gesellschaftspolitische und/oder religiöse Positionierungen unmöglich gemacht werden; beziehungsweise dass ausgerechnet der kulturale Bereich ausgeklammert ist. Daher muss aber ein Perspektivenwechsel für die Bereiche Kulturalität und Religion und deren gegenseitiger Interpretation gefordert werden, und zwar gerade auf der Voraussetzung der beiden genannten Papiere. "Unter "Kultur" wird in unseren Überlegungen die Gesamtheit des gesellschaftlichen Lebens und Handelns verstanden, sofern es durch menschliche Zeichenbenutzung bestimmt und durch symbolische Kommunikation reproduziert wird. Als "Kultur" bezeichnen wir den Inbegriff derjenigen gesellschaftlichen Bereiche, für die Sprache und Ausdruckshandeln die Leitmedien sind." (EKD-Papier, 3.1) Die Nagelprobe für Qualitätsanforderungen in multikulturellen Klassen und Schulen besteht in der Vermittlung von Sprache.

1.2 Indikator: Sprache
Sprache und Identifikation von Sprache unter anderem auch als Dialektsprache oder sogar als Fremdsprache ermöglicht Kommunikation. Die Regeln für diese Kommunikation für Angehörige unterschiedlicher Muttersprache, Umgangssprache oder Staatssprache scheinen unterschiedlich, jedenfalls stellen sie für den schulischen Bereich ein Problem dar.
Vier derartige Problembereiche sollen angesprochen werden:
1. "Bunter Fremdling, ungebet`ner Gast
flieh die Flur, die du nicht gepflüget hast." (Mit Filzstift auf einen Bauzaun geschrieben bei der Straßenbahnhaltestelle Schottentor/Universität, gelesen am 1.7.1999)
Es handelt sich um latent vorhandene, immer schon geglaubte oder wiederum produzierte Fremdenfeindlichkeit, die ihre Wurzeln im Denken agrarischer Gesellschaften hat.
2. In Europa werden in 46 Staaten 111 Sprachen gesprochen, wobei 15 dieser Staaten der EU angehören (Karl-Peter Schwarz, entnommen einem Beitrag in der Tageszeitung "Die Presse" vom 3./4.7.1999).
Das Problem Sprache kann nicht mehr im Dual: Einwanderungsland - Einwanderer abgehandelt werden, weil Herkunftssprache nicht Staatssprache sein und sich dem entsprechend kulturell vermitteln muss. Herkunftssprache kann sowohl Umgangs- wie auch Dialektsprache sein, wobei es Aufgabe der Schule ist, Hochsprache zu vermitteln.
3. Migration ist keine Einbahnstraße. Neu eingewanderte Migranten(familien ) haben andere Vorstellungen als MigrantInnen der ersten, zweiten und der folgenden Generation. (Vgl. Six-Hohenbalken)
Spracherwerb der Sprache der Herkunftsländer - die nicht identisch sein muss mit der Muttersprache - unterliegt in der Volksschule der Option der Eltern, ob sie im Einwanderungsland bleiben oder in ihr Herkunftsland zurückkehren wollen. Diese grundsätzliche Option befragt das herkömmliche Verständnis von Sozialisation.
4. Sprachbeherrschung kann nicht Semibilingualismus bedeuten, weil dann Mängel in der jeweiligen Umgangssprache kulturell und/oder religiös gedeutet und damit diskriminierend behandelt werden.
Kulturelle und religiöse Stereotype gegenüber Sprachen und deren "Sprechern", die im Einwanderungsland vorhanden sind, sind Ergebnis von Lernprozessen. Sie führen in der Arbeitswelt umgangssprachlich zu einem sprachlichen Code, der durch Substantive und Infinitive gekennzeichnet ist und soziale Zuschreibungen vermittelt. Schule vermittelt im Gegensatz dazu Schriftsprache.
Will man also defizitorientiertes und damit defizitproduzierendes Denken beim Spracherwerb überwinden, weil sich dieses allzu leicht mit fremdenfeindlichen Stereotypen verbindet, will man weiters Migration nicht als Einbahnstraße - weder in geografischer noch in gesellschaftspolitischer Hinsicht - verstehen und dem entsprechend MigrantInnen unteren sozialen Schichten zuordnen, um dann im Gegenteil erwünschte MigrantInnen, also qualifizierte Arbeitskräfte ins Land holen zu können, dann sollte die schulisch vermittelte Zweisprachlichkeit als zukunftsweisende Chance gesehen werden. Hier gibt derzeit die Bilingualismusforschung dahingehend Auskunft, dass Spracherwerbsstrategien bei bilingualen Kindern höher seien als bei monolingualen, dass weiters positive Einflüsse auf verbale und non-verbale Intelligenzleistungen festzustellen seien und dass schließlich daraus eine geringere Anfälligkeit gegenüber Ethnozentrismen folgere. (Vgl. de Cillia u.a., in: Eichelberger/Furch, 1998, S. 42)
Es ist also ein dreifaches Argument, das aus der Bilingualismusforschung gewonnen wird:
1. Das bildungspolitische Argument der höheren Spracherwerbsstrategien - die Ähnlichkeit zur klassischen humanistischen Bildungstheorie fällt auf - ,
2. das schulpolitische und damit wettbewerbsorientierte Argument: "höhere Intelligenzleistungen" und
3. das gesellschaftspolitische Argument der geringeren Anfälligkeit gegenüber Ethnozentrismen - und wir ergänzen an dieser Stelle: Nationalismus, in allen seinen denkbaren Fehlentwicklungen.
Diese drei Argumentationsebenen vermischen sich in der Regel, wenn es um den muttersprachlichen Zusatzunterricht für Kinder nicht-deutscher Muttersprache in der Volksschule geht. Im Sinne einer qualitätsorientierten Weiterentwicklung von Schule sind also die Ebenen argumentativ voneinander zu trennen, in der didaktischen Analyse sehr wohl aber aufeinander zu beziehen.

2 Die vielen Filter für das Erlernen der Herkunftssprache der Eltern

Für die vielen Filter werden exemplarisch zwei angesprochen, die sich selber schon in vielfache Richtungen verzweigen. An erster Stelle steht nach wie vor der politische, oder schärfer formuliert der nationale Aspekt. Exemplarisch läßt sich das an den Kindern zeigen, die mit ihren Eltern aus dem ehemaligen Jugoslawien in Folge der Kriegsereignisse zugewandert sind. "Die früher serbokroatische, bzw. kroatoserbische Sprache wird nun, durch neuentstandene realpolitische Verhältnisse, dreifach benannt, nämlich als bosnische, kroatische oder serbische Sprache. Im Grunde genommen handelt es sich aber nach wie vor um ein und dieselbe Sprache, die sehr wohl von allen Volksgruppen ohne größere Schwierigkeiten verstanden oder gesprochen werden kann." (Finci-Pocrnja, 1998, S.1)
Es ist also eine Zuordnung der Erwachsenen, die von den Kindern nachvollzogen wird (werden muss) und der von den LehrerInnen Rechnung getragen werden muss. Interessant ist, dass diese neue Unterscheidung auch die Kinder jener früher summarisch als "Jugoslawen" bezeichneten Gruppe trifft, die schon lange in Österreich lebt und die auch schon die österreichische Staatsbürgerschaft erworben hat. Für den muttersprachlichen Zusatzunterricht eine äußerst schwierige Aufgabe in zweifacher Richtung. Einmal gilt es, "die eventuell geerbten Feindseligkeiten abzubauen" und andererseits "einige, im Vergleich mit der Muttersprache ganz ungewöhnliche Sprachmuster" einzuüben (Finci-Pocrnja, 1998, S. 2).
Und eine weiter gehende Deutung lässt die dreigeteilte zusammen gehörige Sprache auch wieder in doppelter Weise offen: "Hoher sozio-ökonomischer Status ist zumeist mit positiver Haltung dem Fremdsprachenlernen gegenüber verbunden, niedriger mit zumeist negativer Haltung. Interessanterweise ist auch die Haltung der Mädchen dem Fremdsprachenlernen gegenüber positiver als die der Knaben, was sich auch in besseren Leistungen ausdrückt." (Finci-Pocrnja, 1998, S. 4)
Positiver Spracherwerb und sozialer Status können miteinander zusammenhängen; unter diesen Umständen wäre die Sprachbeherrschung Indikator für eine spätere Chancenzuteilung. Im Bezug auf einige französische Erfahrungen wird formuliert: "MigrantInnenkinder sind so ein Teil der größeren Gruppe der sozial Benachteiligten." (de Cillia, 1998, in: Dilek Cinar, S. 256).
Ob diese Beobachtung auch in Österreich für Flüchtlingskinder aus dem Balkan zutrifft, das müsste noch nachgewiesen werden - und das besonders unter dem Aspekt der individuellen Lebensplanung dieser Kinder. Dass Mädchen dem Sprachenlernen positiver gegenüber stehen als Knaben kann man im Sinne der Genderproblematik verstehen, aber auch als eine Folge der Herkunftskultur und deren Veränderung unter anderen Rahmenbedingungen - aber diese Frage ist offen. [1]
An zweiter Stelle filtert der personalisierende Aspekt das Sprachenlernen für die "Zwischenkultur"-Kinder. Es ist ihr "individueller Hut" (Koliander-Bayer, 1998, S. 234), ob Kinder neben ihrer Muttersprache auch die Landessprache erlernen und vor allem beherrschen wollen. Dabei wird immer wieder übersehen, dass die Sprache der Mutter oder des Vaters ja erst durch den Unterricht in der Schule zur Hochsprache und zur allgemeinen Muttersprache wird! Redet man also dem personalisierenden Aspekt das Wort, dann steht der Gedanke der wenigstens funktionalen Beherrschung der Herkunftssprache der Kinder im Hintergrund. Man sieht nicht die Entwicklungspotentiale von Kindern, also von Menschen mit nicht-deutscher Muttersprache und betreibt damit Diskriminierung. Die Personalisierung des Sprachenlernens meint in Wahrheit bildungspolitische Beliebigkeit in Hinsicht auf SchülerInnen "fremder" Länder und gibt sich nur nach außen hin als Offenheit. Von Seiten der Mehrheitssprache und Mehrheitskultur ist das aber nichts anderes als Etikettierung in einem Prozess der Durchsetzung von deren Regeln und Normen, die von lernenden Kindern auf Grund einer unterschiedlichen Herkunftssprache/Grammatik und damit auch differenter Denkformen gar nicht nachvollzogen werden können. Für die jeweils nationale Schule würde das aber bedeuten, dass sie unter diesen Umständen Kinder nicht-nationaler Muttersprache von lebensgeschichtlichen Abläufen und Zusammenhängen separiert - mit dem Medium der Sprache. Mehrsprachigkeit gilt unter globalisierenden Aspekten als Wert, unter personalisierendem Aspekt jedoch erst dann, wenn die Assimilierung an die Mehrheitssprache nachgewiesen wird. Dadurch geraten Kinder und später Jugendliche sprachlich unter Druck und in den "Zwang sich unentwegt entscheiden zu müssen" (Koliander-Bayer, 1998, S. 236), wobei die jeweilige Entscheidung für die eine oder die andere Sprache mehr als nur Sprachbeherrschung impliziert, gleichzeitig aber Etikettierungsansätze bestätigt, wofür die Sprache wiederum ein Indikator ist. Man würde also von SchülerInnen der nicht-nationalen Sprache mehr Flexibilität einfordern als von den Kindern mit der nationalen Muttersprache, das ist die eine Seite, andererseits aber ist der Etikettierungsansatz damit als "self-fulfilling prophecy" entlarvt.

1.1 Der Aspekt der Wahrnehmungsgewohnheiten bei der Sprachaneignung
Kinder sollen Lesen und Schreiben lernen, wobei unter den Bedingungen der Schule die Reihenfolge von: Hören - Verstehen - Schreiben - Sprechen zu gelten hat. Sprechenlernen ist Wahrnehmung und diese wiederum wird durch Gewohnheiten und Übung ermöglicht. Auf diesen Wahrnehmungsgewohnheiten baut Lesen und Schreiben in der zukünftigen Lernbiografie von Kindern auf. "Das Kind aber, das schreiben erst lernen soll, ist darauf angewiesen, mit dem, was es schreiben oder lesen soll, Sinn zu verbinden; kann es dies nicht, so gesellt sich ein Unbekanntes zum Unbekannten, und es liegt auf der Hand, dass dies nicht dazu führt, sich mit der Kunst der Schrift vertraut zu machen." (Gogolin, 1998, in: Eichelberger/Furch, S. 280).
Dieser sensible Zusammenhang macht darauf aufmerksam, dass Wahrnehmung mit "Sinn" vermittelt ist und dass Schule gezielt sich um "Sinn" - was nichts Anderes heißt als Lebenswirklichkeit - bemühen muss; Spracherwerb basiert auf dem Erwerb der Muttersprache und nicht auf der möglichen Behauptung eines für alle unterschiedslos geltenden Sprachgefühls. Die Aufgabe von Schule unter multi-sprachlichen Voraussetzungen steht zur Debatte, wenn Schule zwar in nationaler Verantwortung, aber nicht nationalistisch agieren will.
Wiederum soll ein Blick auf den Bilingualismus in die Richtung weisen, in die eine multilinguale Schule gehen sollte. GRAF (1998) formuliert: "Kinder, die in einer multikulturell und mehrsprachig geprägten Gesellschaft aufwachsen, seien sie nun einer Minderheit oder der Mehrheit zuzurechnen, erfahren dann eine angemessene, derzeit zu realisierende und originär interkulturelle Erziehung, wenn beide Teilgruppen gemeinsam in öffentlichen Schulen kompetent und konsequent bilingual ausgebildet werden." (Graf, 1998, in: Eichelberger/Furch, S. 281)
Folgt man diesem Gedanken, dann kann das demokratische Spiel von Mehrheit/Minderheit im Bereich der Schule keine Anwendung finden, wenn es um das Erlernen von Sprache geht. Sprachen sind grundsätzlich gleichwertig und daher gleichberechtigt. Es gilt festzuhalten: Gleichberechtigung ist der höhere Wert, er geht daher der numerischen Feststellung von Mehrheiten und Minderheiten voraus. Unter multilingualen Voraussetzungen verschärfen sich die Fragen nach Kompetenz und Konsequenz in Richtung Lehrpläne und Ausbildung von LehrerInnen, fordert aber gleichzeitig für das Konzept des muttersprachlichen Zusatzunterrichts: Neuerarbeitung immer zuerst Lernen in der Muttersprache, die Anwendung erfolgt in der Zweitsprache! Dieses Prinzip ist dann durchführbar, wenn Schreib- und Lesetexte von Anfang an in der Muttersprache und in der Zweitsprache angeboten werden - es müssen also LehrerInnen der relevanten Sprachen gemeinsam in der Klasse unterrichten [2]. Insofern ist Sprache und Sprachenlernen ein Indikator für das Demokratieverständnis innerhalb einer Gesellschaft.
Wenn man weiters davon ausgeht, dass Sprache auch symbolische Interaktion ermöglicht, dann geht es allemal um mehr als um Vokabellernen oder um den technischen Gebrauch von Worten zum Zwecke einer minimalen Verständigung. Wenn man dann noch einen Schritt weitergeht und symbolische Interaktion mit kultureller Interaktion verknüpft, dann bieten Symbole zuerst einmal Orientierung, der Austausch von Symbolen aber eine Fortentwicklung von Kultur. "Die Kultur einer Gesellschaft oder gesellschaftlichen Gruppe besteht in ihrem Repertoire an Symboldeutungen, d.h. in ihrem Repertoire an Kommunikations- und Repräsentationsmitteln. Dabei ist sicher auch die symbolische Verwendungsweise von Dingen im Alltagsleben Teil kultureller Praxis. (...) Die Kultur dient der Deutung des gesellschaftlichen Lebens und damit der Orientierung des Handelns. Sie enthält die 'Landkarte der Bedeutung' für die jeweilige Gruppe." (Zitiert bei Graf, 1998, in: Eichelberger/Furch, S. 288)
Kulturspezifische Lernprozesse werden hier vorausgesetzt, es ist dieser Gedanke aber dahingehend weiter zu entwickeln, dass derartige Lernprozesse nicht voneinander separiert vorzunehmen sind. Die "Landkarte der Bedeutung" ist nicht privatisierter Besitzstand einer Gruppe, sondern Lernobjekt aller am Lernprozess in der Schule beteiligten Personen. Die Entdeckung der jeweiligen Landkarte geschieht sprachlich, die Kommunikation bedient sich kultureller/religiöser Symbole. Insofern ist Sprache ein Indikator dafür, inwieweit symbolische Interaktion und Kommunikation sowie Kommunikation über Symbole ermöglicht wird oder nicht.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang der Begriff "Differenz", welcher der Kulturanthropologie entnommen ist und das Recht der Eigenständigkeit der jeweils anderen Kultur anerkennt, die sich in der Regel auch sprachlich manifestiert. Der Begriff "Differenz" meint aber eben auch den Abschied von dem okzidentalen Begriff der Entwicklung (Singular!), der immer einen Höherentwickelten von einem weniger weit Entwickelten unterscheidet, sondern meint einander gleichberechtigte Entwicklungen (Plural!), die es wahrzunehmen gilt. Insofern sind die Begriffe Sprache wie auch Kultur nur noch dynamisch zu fassen, wozu die Wahrnehmung von Differenz - ohne Assimilierungs- oder Nivellierungshintergedanken - ihren Beitrag leistet. "Triebfeder für den Wunsch nach der Erhaltung kultureller Differenzen ist noch eine Form der Parteilichkeit, diesmal auf kosmopolitischer Ebene: eine Parteilichkeit für die 'Erhaltung von Widerstandspotentialen gegen die Herrschaft des Stärksten in der Weltgesellschaft'." (Prengel, 1995, S. 95)


2.3 Abschließende Bemerkungen: Sprachspiele
Wie wenig Schule im multikulturellen Bereich zu erreichen scheint, zeigen die Soziolekte von Jugendlichen, die ihre eigene Identität als Gegen-Identität zur dominanten Identität zum Ausdruck bringen. Sicherlich ist das ein urbanes Problem, vielleicht nicht ganz neu, möglicherweise auch spielerisch, aber als Spiegel für geschehene oder unterlassene interkulturelle Erziehung doch interessant. Jugendliche in französischen Vororten verbinden Bruchstücke aus der Muttersprache junger Einwanderer mit der offiziellen Landessprache sowie mit Milieu- und Slangbegriffen. (Vgl. Gsteiger, 1997, S. 168).
Diese Sprachschöpfungen sichern interne Kommunikation im Sinne einer Kultszene und -sprache, finden aber höchste Kritik bei Vertretern der Hochsprache. "Hinzu kommt, dass der Jargon der Jugendlichen zwar ausgesprochen reich an Begriffen ist, die sich in der Drogenszene gut anwenden lassen, hingegen ein volkswirtschaftliches Vokabular etwa völlig fehlt." (Gsteiger,1997, S. 172) Dabei besitzen, dem gleichen Gewährsmann folgend, beim Eintritt in die Mittelschule 11,5% der jungen Franzosen nicht einmal ausreichende Grundkenntnisse in der französischen (Hoch)Sprache.
Eine andere Möglichkeit schildert TERTILT (1997), der türkische Jugendliche in einer Frankfurter Vorstadt zwei Jahre lang begleitet hat. Bei diesen Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren spielen "Männlichkeit" und "Ehre" eine große Rolle, worum sie in Wortduellen kämpfen. Die Wortgefechte spielen sich in Türkisch ab, haben strenge Regeln und müssen in Reimen vorgetragen werden. Inhaltlich wird in einer vulgären Sprache mit obszönen Begriffen um die Vorherrschaft oder die Gleichberechtigung der Gruppe gekämpft - konfliktorientiertes Männlichkeitsgebaren. (Vgl. Tertilt, 1997, S. 157)
Es gibt also die Möglichkeit, Sprache zu transformieren und sie damit exklusiv für eine bestimmte Altersgruppe zu machen oder man nimmt die Herkunftssprache und die damit verbundenen Wertvorstellungen, um sich im Kreis der Schicksalsgenossen zu behaupten. So oder so ist Sprache ein Indikator für Sozialität - nach innen wie nach außen. Dass diese beiden Beispiele aber gerade jene Form von Segregation für sich selber in Anspruch nehmen, die im schulischen Bereich überwunden werden soll, das muss als Rückfrage an schulische "Sozialisation" verstanden werden.
Es geht also bei der Qualitätssteigerung in multikulturellen Klassen nicht allein um eine methodische Anreicherung schulpädagogischer Praxis, sondern es zeigt sich, dass unter dem Zukunftsaspekt heutiger SchülerInnen der Weg vom Bilingualismus zum Multilingualismus gehen muss, weil Schule per definitionem multikulturell ist.

3. Informationen über andere Kulturen
Ein doppelter Aspekt bestimmt hier die Ansichten. Einerseits "wissen" LehrerInnen als Teilnehmer der Risiko-, Erlebnis- und Freizeitgesellschaft natürlich viel über andere und fremde Kulturen/Religionen. Allerdings lässt sich nicht sagen, ob dieses "Wissen" als Erweiterung verstanden wird oder ob es nicht gerade vorhandene Stereotype und Vorurteile bestätigt.
"Im Schulalltag entstehen zahlreiche soziale, interkulturelle, pädagogische, aber auch verwaltungstechnische Probleme. Viele MigrantInnen-Eltern stehen dem österreichischen Schulwesen und den Erziehungsnormen manchmal ratlos gegenüber. Andererseits sehen sich viele LehrerInnen und andere im Schulwesen Tätige in der Praxis mit anderen Kulturtraditionen, Normen und Wertvorstellungen konfrontiert und oft überfordert." (Wiener Integrationsfond, Report 98, S. 30)
Aber nicht nur MigrantInnen sind überfordert, auch LehrerInnen können es sein. Dabei sind Informationen über jeweils andere Kulturen relativ leicht zugänglich.

3.1 Der Tourismus - Aspekt
Der eigene Horizont wird erweitert - durch Reisen im Urlaub. Die Folge sind die "typischen" Fotos von islamischen Hochzeiten, Türkeireisen und anderem, die dann in der Klasse aufgehängt werden dürfen. Oder das Reisen bekommt einen ambivalenten Sinn: Man sammelt die entsprechenden Informationen "vor Ort", ohne gleichzeitig die eigenen Vorerfahrungen zu problematisieren. Der Vergleich der Kulturen/Religionen findet also statt, über das Ergebnis lässt sich nichts sagen. Lebenswirklichkeit und Schule bleiben getrennt.

3.2 Der Toleranz - Aspekt
Es gibt natürlich auch die andere Seite der Wahrnehmung von Fremdem. Man interessiert sich dafür, nutzt Reisen und wird dadurch offener für andere Lebenszugänge. Dieser Ansatz bedürfte dann noch den Schritt aus der Individualität der LehrerIn heraus in die schulpädagogische Praxis hinein. "Schule kann auf diesem Weg der Versuch sein, das Leben, also die Wirklichkeit selbst bewußt und gezielt als Lehrmeister einzusetzen, indem sie auf der einen Seite ihre Aufgabe darin sieht, ihren Schülern bei der lernenden Verarbeitung ihrer - sich tagtäglich vollziehenden - Lebenserfahrungen zu helfen (und dabei z.B. auch durchaus auf die Notwendigkeit stößt, Stoff zu vermitteln, Wissen zu fördern, Kulturtechniken zu üben), und/oder indem sie auf der anderen Seite gezielt Lebenssituationen auswählt und zu Lernsituationen werden läßt." (Michael Brater, 1997, in: Beck, S. 173)
Dieser offene Ansatz ist aber keineswegs unumstritten, weil eine damit mitgedachte Veränderung schulischer Praxis nicht selten auf Schwierigkeiten stößt. "Der Problemfall in multikulturellen Einwanderungsgesellschaften besteht darin, dass ethnische Gruppen, mit kollektiven Ansprüchen und Rechten ausgestattet, in demokratischen Gesellschaften eine Präferenzordnung im öffentlichen Leben anstreben, die partiell die Mehrheitsregel außer Kraft setzt. Die Frage ist dann, wie in einer Gesellschaft von Minderheiten widerstreitende Präferenzansprüche ausgeglichen und gebändigt werden können oder, um mit Daniel Moynihan zu paraphrasieren, wie demokratische Gesellschaften Ethnizität sichern und zugleich vor ihr sicher sein können." (Leggewie, 1997, in: Heitmeyer, S. 240 f.)
Sollte vermutlich vorhandenes Wissen über und Toleranz gegenüber fremde(n) Kulturen/ Religionen durch vorgeordnete Überzeugungen kanalisiert und ausgefiltert werden, weil die Schulpädagogik überfordert ist?

3.3 Der Aspekt der Nicht - Differenz
Damit ist der Gedanke gemeint, dass Kinder ja nicht die Probleme hätten wie die Erwachsenen und dass deshalb viel mehr gleiches bestehe als man denken würde. Ramadan, Zuckerfest, Weihnachten, Halloween, Reformationsfest, Geburtstag und Ostern werden konturlos, weil gleich gesehen. Elterninitiativen zugunsten des einen - wir feiern alle das Zuckerfest - oder gegen das andere - meine Kinder feiern keinen Geburtstag - bestätigen als Ausnahme die Regel. Nicht- Differenz als Wahrnehmungsprinzip schafft dann in der Folge genau jene Probleme, die im Augenblick negiert werden.

3.4 Der "peinliche" Rassismus
Wenn in der Straßenbahn eine Frau als Türkin beschimpft wird, die sich dann als Französin zu erkennen gibt, dann ist das "peinlich", ändert aber wohl nichts an der grundsätzlichen Denkhaltung.

3.5 Das Problem der Kompetenz
LehrerInnen haben im Bezug auf Multikulturalität kaum Kompetenzen, weil dieses in den pädagogischen Ausbildungsgängen nicht verpflichtend vorgeschrieben ist. Auch an dieser Stelle hat die Frage nach der Schulqualität anzusetzen.
FISCHER u.a. (1996) haben fünf verschiedene Handlungsmuster bezüglich interkulturellem Lernen identifiziert, "die innerhalb eines Kollegiums, aber auch innerhalb der beruflichen Alltagspraxis eines einzelnen Kollegen neben- oder nacheinander vorkommen, so uneindeutig und widersprüchlich, wie sich die jeweilige Situation als Herausforderung darstellt." (Fischer, 1996, S.110)
1. Überhöhung und Vereinnahmung: Das Fremde wird als Projektionsfläche eigener Wünsche und Bedürfnisse benutzt.
2. Verschieben und Delegieren: Spezialisten und/oder isolierten Fächern wird die Aufgabe zugewiesen.
3. Ausklammern: Kulturelle Differenz wird nicht wahrgenommen.
4. Akzeptierender Umgang: Unterschiede werden thematisiert, Bewertungen vermieden, Konflikte nicht ausgeblendet.
5. Inhaltliche und interaktive Auseinandersetzung: In vielfältigen dialogischen Formen kenntnis- und erfahrungsreich im Bewußtsein der eigenen Barrieren und Vorurteile.


weiter zu: 4 Die andere Frage nach der Identität


 

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[1] Vgl. diesbezüglich: Jugend 2000, 13. Shell Jugenstudie, Band 2, S. 394 f.: "Ein Argument, das manche zum Verständnis der heutigen Jugendsituation einsetzen, ist das von der rapiden Modernisierung der Lebensverhältnisse und von der wirtschaftlichen und kulturellen Globalisierung.... Das qualitative Material zeigt, dass die Jugendlichen von solchen strukturellen Bedingungen zwar wissen, wenn sie danach gefragt werden, aber im Entwurf ihrer persönlichen Zukünfte kommen diese gesellschaftlichen Irritationen nicht oder nicht besonders auffallend vor. ... Liegt das daran, dass sie ja in die neue gesellschaftliche Gesamtsituation hineinwachsen und - anders als Erwachsene - zunächst wenig Anlaß zu zeitgeschichtlichen Vergleichen haben?"

[2] So sieht es das Modell der zweisprachigen Alphabetisierung in Wien vor.