FRAUEN UND MÄDCHEN IN
ARBEITSWELT UND SCHULE -
VON TRADIERTEN SELBST- UND FREMDWAHRNEHMUNGSMUSTERN ZUR
"GENDER MAINSTREAMING"-BEWEGUNG ALS CHANCENOPTIMIERUNG
Renate Seebauer, Pädagogische
Akademie Wien/Bund
mit einem Beitrag von Zdenek Helus, Karlsuniversität Prag
Im vorliegenden Studientext wird gezeigt, dass Frauen und Männer in der Gesellschaft unterschiedliche Lebensbedingungen und Chancen vorfinden; dass Mädchen/Frauen und Knaben/ Männer auf Grund geschlechtsspezifischer Sozialisation unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse entwickeln und dass Mädchen/Frauen und Knaben/Männer von gesellschaftlichen Prozessen und deren Auswirkungen in verschiedener Form betroffen sind - weitestgehend unabhängig von politischen Entwicklungen in den letzten 50 Jahren - wie am Beispiel Österreichs und der Tschechischen Republik veranschaulicht wird. Tradierte Selbst- und Fremdwahrnehmungsschemata werden darüber hinaus durch geschlechtsspezifische Verhaltensweisen von LehrerInnen gegenüber Mädchen und Knaben sowie durch Darstellungen und Aussagen in Schulbüchern in tradierte Bahnen gelenkt, gleichwie Frauenförderpolitik die tradierten Rollen weitgehend zementierte. Besondere Hoffnungen richten sich auf den "Gender Mainstreaming-Ansatz", in dessen Gefolge zu Beginn des 3. Jahrtausends Veränderungen in allen Politikbereichen Platz greifen müssen.
Der Studientext gliedert sich in folgende Abschnitte:
1. Frauen und
Arbeitswelt
1.1. Frauen und Beschäftigung in Europa - einige Fakten
plakativ aufgelistet
1.2. Frauen und Politik am Beispiel der Salzburger "Bürgermeisterinnen-Studie"
1.3. Frauen und Armutsfaktoren in Österreich
1.4. Zur aktuellen Situation in der Tschechischen Republik
2. Gleichbereichtigung von Mann und Frau als demokratisches Grundprinzip
und Teil der Menschenrechte
2.1. Zum aktuellen Stand europäischer Initiativen
2.2. Die strategischesn Ziele des Rahmenprogramms Gemeinschaftsprogramm
für die
Gleichstellung der Geschlechter (2001-2005)
3. Mädchen und Frauen im Schul- und Bildungswesen
3.1. Historischer Exkurs mit Österreich-Bezug
3.2. Koedukation - pro und kontra
3.3. Selbst- und Fremdwahrnehmung bei Knaben und Mädchen
3.4. Geschlechtsspezifisches Verhalten von LehrerInnen
gegenüber den Kindern
3.5. Neue Wege innerhalb der Koedukation am Beispiel
der allgemein bildenden höheren
Schule Rahlgasse in Wien
4. "Gender Mainstreaming" als Strategie zur
Chancenoptimierung für Mädchen und
Frauen
Anregungen zur individuellen
Weiterbearbeitung der Thematik
Literaturangaben
1.
Frauen und Arbeitswelt
1.1. Frauen und Beschäftigung in Europa - einige Fakten plakativ aufgelistet
Im Durchschnitt besteht für Frauen in Europa eine größere
Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden, als für Männer. 1997 war
die Arbeitslosigkeit bei Frauen um ca. 3% höher als bei Männern
(12,5% gegenüber 9,3%).
Das
geschlechtsspezifische Lohngefälle ist jedoch je nach Land unterschiedlich:
In Dänemark, dem Land mit dem niedrigsten Gefälle, bezogen Anfang
der 90er Jahre weibliche Arbeiter und Angestellte ca. 84% des Gehalts ihrer
männlichen Kollegen; die größte Differenz bei der Bezahlung
von männlichen und weiblichen Arbeitern bestand in Großbritannien,
wo die Frauen nur 67% des entsprechenden Lohns der Männer erhielten.
Unter
den Niedriglohnbeziehern - sie beziehen weniger als 66% des Durchschnittseinkommens
aller Lohn- und Gehaltsempfänger eines Landes - sind Frauen überrepräsentiert.
Die
Niedriglohnrate bei Frauen am Anfang der 90er Jahre betrug in Deutschland
82%, in Frankreich 51% und in Großbritannien 63%.
Teilzeitarbeit
ist noch immer ein Reservat für Frauen. Anteil der Teilzeitarbeit ist
in den einzelnen Staaten höchst unterschiedlich. In Dänemark, Großbritannien
und in den Niederlanden ist der Anteil besonders hoch.
Anfang
der 90er Jahre leisteten in den Niederlanden ca. 55% der insgesamt erwerbstätigen
Frauen Teilzeitarbeit, während in Ländern wie Portugal, das einen
höheren Anteil weiblicher Erwerbstätiger aufweist, 90% der erwerbstätigen
Frauen einer Ganztagstätigkeit nachgehen. In den skandinavischen Ländern
ist ein hoher Anteil an Teilzeitarbeit zu beobachten, so zum Beispiel in Dänemark
und Schweden, nicht aber in Finnland.
Für
Arbeitgeber sind die vergleichsweise niedrigen Kosten der Beschäftigung
von Teilzeitkräften und der eingeschränkte Beschäftigungsschutz
bei dieser Art von Arbeit in Ländern wie etwa Großbritannien besonders
attraktiv. In Ländern wie Frankreich dagegen, wo der Einsatz der Teilzeitarbeit
einer stärkeren Regelung unterliegt, ist dies unter den Arbeitgebern
weniger populär.
Die
Nachfrage nach Teilzeitarbeit steht in einem engen Zusammenhang mit dem Bildungsgrad
- weniger gut qualifizierte Frauen unter den Arbeitnehmerinnen zeigen eine
größere Präferenz für Teilzeitarbeit und Unterbrechungen
ihrer Berufslaufbahn - nicht nur mit dem Umfang der Kinderbetreuung.
Somit
steht der Umfang der Teilzeitarbeit in den einzelnen europäischen Ländern
in enger Verbindung mit einer Reihe institutionell vermittelter Einflüsse,
denen die Nachfrage nach dieser Art von Arbeit sowohl auf seiten der Arbeitgeber
wie auf der der Arbeitnehmer ausgesetzt ist.
Frauen
sind überproportional erwerbslos: Die Frauenerwerbslosigkeit hat EU-weit
nicht nur absolut, sondern auch im Vergleich zu den Männern massiv zugenommen.
1997 war die Arbeitslosigkeit bei Frauen um ca. 3% höher als bei Männern
(12,5% gegenüber 9,3%). Problematisch stellt sich dar, dass arbeitslose
Männer arbeitslos bleiben, arbeitslose Frauen aber schnell zu "Nichterwerbspersonen"
werden, wenn sie in der Familie "untertauchen".
Sie
haben schlechteren Zugang zu Ausbildungsplätzen: EU-weit sind die schulischen
Leistungen der jungen Frauen oftmals besser als die der Männer. Auch
der "Durchbruch" zur Universität ist den Frauen geglückt;
beim Zugang zu qualifizierten Ausbildungsplätzen haben sie noch immer
die schlechteren Karten.
Frauen
haben in allen Staaten der Europäischen Union geringeren Verdienst als
ihre männlichen Kollegen: Obwohl Art.119 der Gründungsverträge
der EWG die Lohngleichheit von Frauen und Männern festgelegt und 1976
EG-Richtlinien verabschiedet wurden, die gleichen Lohn für gleiche Arbeit
verlangen, ist dies bisher in keinem Staat der Europäischen Union erreicht.
Anfang
der 90er Jahre verdienten Frauen durchschnittlich 70-85% der Männerlöhne,
wenn sie Industriearbeiterinnen waren. Im Dienstleistungssektor verdienten
Frauen im Handel durchschnittlich 65-70%, bei Versicherungen 70-75% und bei
Banken 75-80% des Entgelts ihrer männlichen Kollegen. Eine Umkehr dieser
Entwicklung und damit ein Schließen der Einkommenschere zwischen den
Geschlechtern ist nicht in Sicht.
Sie
arbeiten in "ungeschützten Beschäftigungsverhältnissen":
EU-weit finden wir viele Frauenarbeitsplätze in Klein- und Mittelbetrieben.
Dort gewinnen Flexibilisierungsstrategien aufgrund der stärkeren Konkurrenzbedingungen
zunehmend an Attraktivität. "Ungeschützte Beschäftigungsverhältnisse"
existieren aber auch im Dienstleistungssektor, im Gaststättengewerbe,
in der Landwirtschaft und in anderen Wirtschaftszweigen. Erwerbslosigkeit,
Teilzeitarbeit, niedrigere Entlohnung und ungeschützte Arbeit führen
dazu, dass zwischen 75 und 92% aller Frauen, die in der Europäischen
Union leben, ihren Lebensunterhalt nicht unabhängig von anderen Personen
(zumeist des Ehemannes) oder vom Staat bestreiten können.
(Vgl. http://erikamann.com/europe/frauen_grundlagenge.html)
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1.2.Frauen
und Politik am Beispiel der Salzburger "Bürgermeisterinnen-Studie"
"Bei den Salzburger Gemeindevertretungswahlen 1999 kandidierten in 119
Gemeinden insgesamt dreizehn Frauen für das Bürgermeisteramt, davon
eine Frau in der Landeshauptstadt Salzburg. 1994 waren es noch insgesamt achtzehn
Frauen gewesen, die sich um das Bürgermeisteramt beworben hatten. Weder
1994 noch 1999 war es einer Frau gelungen, sich gegen die männlichen
Mitbewerber durchzusetzen. Das Bundesland Salzburg hat also als einziges Bundesland
- Wien ausgenommen - nach wie vor keine Bürgermeisterin, und auch sonst
ist die politische Repräsentanz von Frauen auf kommunaler Ebene sehr
gering ..." - für das Büro für Frauenfragen und Gleichbehandlung
des Landes Salzburg Anlass genug, eine Studie "Zur Situation von Politikerinnen
im Land Salzburg" in Auftrag zu geben. (Rotschopf, [Hg.] 1999, S. 5;
Büro für Frauenfragen und Gleichbehandlung des Landes Salzburg)
Der Bericht stützt sich auf eine qualitative Befragung der SpitzenkandidatInnen
zur Gemeinderatswahl 1999 (jeweils halb- bis zweistündige Interviews)
sowie auf eine Telefonumfrage (Zufallsstichprobe; n= 401), die die Wahrnehmung
von Frauen als Kommunalpolitikerinnen erhob. Dabei wurde thematisiert, ob
die Gemeindebürger und -bürgerinnen bereit sind, einer Frau, die
für eine politische Spitzenfunktion auf lokaler Ebene kandidiert, ihre
Stimme zu geben.
Insgesamt ließen sich
folgende Problemfelder heraus filtern (vgl. Rotschopf, [Hg.] 1999, S. 98ff.):
Frauen-Familie-Berufstätigkeit:
dieses betrifft die Vereinbarkeit des politischen Engagements der Frauen mit
ihrer Familie, die fast zur Gänze für die Familie zuständig
bleiben. Dieses Strukturproblem wird durch eine nach wie vor dominierende
Einstellung eines Großteils der Bevölkerung verdoppelt, in der
traditionelle Rollenbilder und die damit verknüpfte geschlechtsspezifische
Arbeitsteilung tief verankert sind. Politikerinnen stoßen nicht nur
in ihrem eigenen Leben auf das Problem der Vereinbarkeit von Beruf bzw. politischem
Engagement und Familie, sondern werden von Seiten der WählerInnen zusätzlich
damit konfrontiert. Die Umfrage in der Bevölkerung zeigte, dass ein zentraler
Grund, Frauen in der Politik nicht zu akzeptieren, in der ihnen zugeschriebenen
Verantwortung für die Familien- und Hausarbeit liegt.
Frauen-Politische
Parteien: Frauen beurteilen die traditionellen Politikformen und daher
auch die etablierten Parteien kritischer als Männer und bevorzugen eher
unkonventionelle politische Beteiligungsformen. Trotzdem werden ein Großteil
der kommunalpolitischen Funktionen und Ämter von klassischen Parteien
und nicht von kleinen Listen wahrgenommen. Handlungsbedarf ist also bei den
etablierten Parteien gegeben. Sowohl die Umfragedaten als auch die Interviews
mit den Spitzenkandidatinnen zeigen, dass die Parteien sehr kritisch beurteilt
werden: Die Politikerinnen nehmen die Frauenförderungspolitik innerhalb
der Parteien als "halbherzig" wahr, und die WählerInnen zeigen
sich bezüglich der Frauenfreundlichkeit der Parteien ebenfalls sehr skeptisch.
Die
"gesellschaftliche Verankerung": PolitikerInnen bewerten
die Verankerung im örtlichen Vereinsleben als zentral. Gleichzeitig stellt
gerade diese Form der "gesellschaftlichen Verankerung" für
Frauen eine größere Hürde als für Männer dar, da
viele Vereine männlich geprägt sind und intensives Engagement in
Vereinen mit den Zeitstrukturen von Frauen kaum vereinbar ist. Die Ergebnisse
der Befragung zeigen, dass große Teile der Bevölkerung der Vereinstätigkeit
von PolitikerInnen gar keine oder nur mäßige Bedeutung zumessen.
Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass Vereine vor allem in den traditionell
geprägten Gruppen wichtig sind, außerhalb aber keine alles überragende
Rolle mehr spielen.
Die
Kompetenzzuschreibung: Die Politikerinnen betonten alle, dass sie die
fachliche Anerkennung als harten Kampf wahrnahmen. Die Umfrage ergab, dass
Fachkompetenz undifferenziert als männlich besetzte Eigenschaft gesehen
und sehr häufig Politikerinnen abgesprochen wird. Die Rangliste wünschenswerter
Eigenschaften von PolitikerInnen ergab, dass vier der sechs wichtigsten Eigenschaften
als "weiblich besetzt" wahrgenommen werden: Verantwortungsbewusstsein,
Gerechtigkeitsempfinden, Einsatzbereitschaft, Kontaktfreudigkeit - Eigenschaften,
die Frauen zugesprochen werden. In der Sichtweise der Bevölkerung existieren
also weibliche Stärken; sobald jedoch von Politikerinnen gesprochen wird,
ist die Diskussion auf sogenannte weibliche Defizite fixiert. Dies ist nur
möglich, wenn männliche Politikpraxis zur Norm erhoben bleibt.
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1.3.Frauen
und Armutsfaktoren in Österreich
Das Österreichische Statistische Zentralamt bezeichnet all jene als arm,
die mit ihrem Einkommen weniger als 50% des nationalen Durchschnittseinkommens
erzielen. Die Verbrauchsausgabengrenze beträgt für Unselbständige
pro Kopf ATS 6.440,--. Dies bedeutet: 700.000 Personen (berechnet nach Einkommen)
oder. 1,5 Millionen Personen (berechnet nach Ausgaben) können für
die Bereiche Wohnen, Einrichtung, Bildung und Fortbewegung nur ein Viertel
oder nur ein Fünftel jenes Betrages auf wenden, der im österreichischen
Durchschnitt dafür ausgegeben.
wird. (E. Talos, Wien, 1997)
Armut ist keineswegs nur mehr auf "Randschichten" beschränkt.
Von Armut bedroht sind bereits:
- 46% der Arbeitslosen
- 25% der HilfsarbeiterInnen
- 14% der ArbeiterInnen
- 8% der Angestellten (E. Talos, Wien).
Als Hauptfaktoren gelten:
Mangelnde
Ausbildung: Mehr als vier Fünftel der sozial Schwächsten in
Österreich absolvieren maximal die Pflichtschule (H. Steiner, BMAS, 1995).
Für viele Jugendliche, vor allem für Mädchen, ist schon mit
15 Jahren klar, dass sie bis zu ihrem Lebensende zu den sozial Schwächsten
gehören werden und im Erwerbsleben höchstens Zugang zu den schlecht
bezahlten, unsicheren Arbeitsplätzen erhalten.
Ungleiche
Lebenschancen: Lebenschancen werden - analog zur Beschaffenheit des österreichischen
Sozialsystems - vorwiegend über Erwerbsarbeit verteilt. Verstärkt
wird das Phänomen dadurch, dass das österreichische Sozialversicherungssystem
auf das klassische Normalarbeitsverhältnis zugeschnitten ist; Arbeitslosigkeit
und geringes Einkommen sind die Folgen und werden zu wesentlichen Armutsfaktoren.
Vor allem Frauen sind hier betroffen:
Sie
werden in der Berufshierarchie schlechter eingestuft und arbeiten im Bereich
der "Armutslöhne".
Sie
haben de facto noch immer für die Kinderobsorge die Alleinzuständigkeit.
Sie sind zunehmend Alleinerzieherinnen.
Mütter
werden mangels ausreichender Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit
von Beruf und Familie in nicht existenzsichernde Teilzeitarbeit bzw. geringfügige
und ungeschützte Arbeit abgedrängt.
Armut
trotz Erwerbsarbeit: Der Anteil der Personen in Österreich, die "in
Armut arbeiten" ("the working poor"), ist groß.
Diese Menschen haben zwar Arbeit, oft sogar eine Vollzeit-beschäftigung,
aber zu geringe Löhne bzw. Gehälter, um davon außerhalb von
Armut leben zu können. Einkommensarmut ist überwiegend Frauenarmut.
In
Österreich verdienen 20% der unselbständig Erwerbstätigen weniger
als ATS 12.000,-- ( 872,--) monatlich (laut Lohnsteuerstatistik 1996
[nicht arbeitszeitstandardisiert]).
10%
der Beschäftigten verdienen weniger als ATS 12.000,--( 872,--)
brutto, die Mehrzahl sind Frauen (laut Mikrozensus 1995 [arbeitszeitstandardisiert]).
Für
einen Vollzeitjob erhalten noch immer 226.000 Personen (das sind zu zwei Drittel
Frauen) weniger als ATS 12.000,-- ( 872,--) brutto für ihre Arbeit,
auch hier überwiegen die Frauen.
Während
nur jeder vierte Mann als Hilfsarbeiter in der Land- und Forstwirtschaft unter
ATS 10.000,-- ( 726,--) netto verdient, verdient diesen Betrag unter
den Frauen:
jede
dritte Arbeiterin,
zwei
Fünftel der Hilfsarbeiterinnen,
jede
vierte Angestellte mit Hilfstätigkeit
jede
fünfte Angestellte mit gelernter Tätigkeit.
Ungeschützte
Arbeitsverhältnisse: "Familienpflichten" und der Mangel
an Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zwingen den Großteil
der Frauen, in jenem Teil des Arbeitsmarktes zu bleiben, in dem unsichere,
schlecht bezahlte, arbeits- und sozialrechtlich nicht oder nur mangelhaft
geschützte Arbeitsplätze angeboten werden.
Geringfügige
Beschäftigungsverhältnisse: 70% der geringfügig Beschäftigten
in Österreich sind Frauen.
Teilzeitarbeit
ist Frauenarbeit: Auf Männer entfallen nur schmale 1,5 % (1.600 männliche
Beschäftigte) aller Teilzeit-![]()
![]()
Arbeitsplätze
in Österreich. Das verfügbare Einkommen der Teilzeitbeschäftigten
beträgt durchschnittlich ATS 6.000,-- ( ![]()
436,--)
(inklusive Familienbeihilfe), das einer Arbeiterin sogar nur ATS 4.500,--
( 327,--). Mit diesem "Taschengeld" wird ![]()
eine
unabhängige Lebensführung unmöglich.
Alleinerzieherinnen:
Alleinerzieherinnen- Haushalte sind überproportional unter den Armutsgefährdeten
zu finden. Jedes 5. österreichische Kind ist arm (Institut für Familienforschung
des Bundes, Wien 1997). Von den Alleinerzieherinnen (14.642 Mütter im
Jahr 1998) leben 23,4% der Angestellten und 37,5% der Arbeiterinnen in Armut.
Und das bereits bei Vorhandensein von nur einem Kind (Mikrozensus 1993 und
Landesstatistik Salzburg 1996).
Arbeitslosigkeit:
Wenn für mindestens 6 Monate oder ein Jahr keine Möglichkeit besteht,
einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden, besteht größte Armutsgefährdung.
Gerade ältere Arbeitnehmerinnen sind davon besonders betroffen. Mehr
als die Hälfte aller langzeitarbeitslosen Haushalte hat ein gewichtetes
Pro-Kopf-Einkommen unter der Armutsgrenze.
Frauen
im Alter: Österreich hat eine Million Frauen, die über 60 Jahre
alt sind; ein Drittel davon sind Mindestrentnerinnen; sie haben lediglich
eine Pension in der Höhe des Einzel-Ausgleichszulagen-Richtsatzes; für
das Jahr 2000 sind das ATS 8.312,-- ( 604,--) monatlich. 4 von 10 Frauen
haben eine Pension, die unter ATS 8.000,-- ( 581,--) liegt; sie leben
damit unter dem Existenzminimum.
(Angaben nach: Liane Pluntz, Frauenreferentin AK-Salzburg; Salzburger Netzwerk
Frauenarmut Frauenarmut in Salzburg - Zahlen, Daten, Erfahrungen als Arbeitsgrundlagen;
Frauenarmut in Salzburg Zahlen, Daten, Erfahrungen - 2000).
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1.4. Zur
aktuellen Situation der Frauen in der Tschechischen Republik
Aus historisch-politischen, kulturellen und ökonomischen Gründen
hätte sich die Situation der tschechischen Frauen während der letzten
50 Jahre ähnlich entwickelt wie in Österreich - allerdings hat der
Eingriff des kommunistischen Regimes (1848-1989) die zu erwartende kontinuierliche
Entwicklung radikal geprägt - mit Konsequenzen, die bis heute spürbar
sind.
Ähnliche Trends lassen sich auch in anderen postkommunistischen Ländern
der mittel- und osteuropäischen Länder verfolgen: in der Slowakischen
Republik, in Slowenien, Polen und in Ungarn. Verständnis für diese
Situation aufzubringen ist aus dem Grund von Bedeutung, da sich die genannten
Länder in bedeutsamer Kandidatenposition zur EU-Mitgliedschaft befinden
und die "Frauenproblematik" eine von den dringendsten Aufgaben darstellt.
Kurz nach der kommunistischen Machtübernahme (1948) wurde eine harte
politische Linie deklariert, deren zufolge in möglichst kurzer Zeit die
Mehrheit der Frauen in der Tschechoslowakei einer Berufstätigkeit zuzuführen.
Diese Maßnahme hatte nicht nur ökonomische, sondern auch ideologisch-politische
Gründe. Als Ergebnis einer konsequenten Durchführung dieser Linie
wurden 97% der Frauen einer Berufstätigkeit zugeführt.
Dieser radikale Positionswandel der tschechoslowakischen Frauen erzeugte in
vielen von ihnen Enthusiamus und Engagement, besonders im Zusammenhang mit
Qualifikation, Studium, Karriere und umfangreicheren Sozialkontakten; er hatte
Auswirkungen auf ihr Selbstbewusstsein und Unabhängigkeitsgefühl
sowie auf ihr Gefühl der Befreiung; zugleich aber brachte er auch viele
Probleme mit sich. Nur wenige Ehemänner waren bereit, einen proportionalen
Anteil der Aufgaben im Haushalt zu übernehmen und die traditionell patriarchalischen
Gewohnheiten zu überwinden. In der Folge fühlten sich manche Frauen
und Mütter als Opfer des Betruges: überbelastet durch Verpflichtungen
in Beruf und Haushalt was nicht zu vereinbaren war. Überbelastung und
Überdruß von ideologischer Schönfärberei führen
bei vielen Frauen zu einer romantisierenden Träumerei von einem ruhigen,
stressfreien Leben als Hausfrau vergangener Zeiten wie Untersuchungen zu Einstellungen
der Frauen kurz vor der demokratischen Revolution 1989 zeigen - allerdings
ohne Konsequenzen hinsichtlich einer Veränderung. Der hohe Wert des Berufs
hat sich hingegen weiter bestätigt und ist zu Ende der neunziger Jahre
sogar noch gestiegen.
Vor dem Hintergrund der historischen Gegebenheiten stellt sich die aktuelle
Situation der tschechischen Frauen in der Arbeitswelt folgendermaßen
dar (vgl. Cermáková, 1999; Kucharová, 1999):
Ein,
auch im internationalen Vergleich dominierendes Merkmal ist die hohe Beschäftigungsquote
der Frauen: 44% aller Berufstätigen in der Tschechischen Republik sind
Frauen - kontinuierlich bereits über vier Generationen, bei steigender
Tendenz. Sie ist als Selbstverständlichkeit generell akzeptiert und hat
auch die Lebensstilkultur geprägt. Diese Tatsache wird dadurch verstärkt,
dass mehr als 80% der beschäftigten Frauen die volle Arbeitszeit annehmen
(42,5 Stunden pro Woche); weitere 3% üben nebenbei noch einen zweiten
Beruf aus. Die Möglichkeit zur Teilzeitbeschäftigung ist in der
Tschechischen Republik (im Gegensatz zu den EU-Staaten) eher gering. Zum Vergleich:
Nur 60% der amerikanischen (USA) Frauen, 20% der deutschen und 10% der holländischen
Frauen widmen wöchentlich mehr als 40 Stunden dem Beruf.
Das
klassische Modell einer Hausfrau praktiziert permanent nur 1% der Frauen
in der Tschechischen Republik im arbeitsfähigen Alter. Alle Untersuchungen
nach 1995 bestätigen die Ablehnung des "Nur-Hausfrau-Seins",
dem das Bedürfnis nach Unabhängigkeit entgegensteht. Zugleich aber
deklarieren die berufstätigen Frauen die Sorge um das Wohlbefinden ihrer
Kinder als Priorität, die vor der Berufskarriere rangiert. Infolge dessen
akzeptieren die Frauen höhere berufliche Positionen der Männer und
eine bessere Entlohnung; aber immer weniger häufig opfern sie ihre Arbeit
zu Gunsten ihrer Ehemänner (1951: im Mittel 2,62; 1995: im Mittel 2,81
- gemessen an einer dreistufigen Skala, bei der "3 = nicht abgeben"
bedeutet).
Die
Frauenarbeitslosigkeit beträgt in der Tschechischen Republik 8%,
bei den Männern 5%; bei Frauen mit Hochschulausbildung jedoch nur 2,9%.
Die
Löhne der Frauen betragen im Mittel nur 73% der Löhne der
Männer. Die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern unterschiedlicher
Ausbildungsstufen (insgesamt zählt man 10 Kategorien) zeigen einige überraschende
Befunde: So zeigt sich der zweitgrößte Unterschied (68%) bei den
Universitätsabsolventen, bei den Universitätspostgraduierten hingegen
der niedrigste (81,8%).
Zu
den alarmierenden Unterschieden zwischen berufstätigen Männern und
Frauen gehört die Besetzung der höheren Positionen in der
Managementhierarchie: Hier ist das Verhältnis 9,1 : 3,7 zugunsten der
Männer. Dieses Verhältnis blieb während der letzten 10 Jahre
konstant.
Genauso
alarmierend ist die Präsenz der Frauen in der Politik (vgl. Havelková,
1999); besonders in parlamentarischen Funktionen und in der Regierung. Bis
1989 (in der kommunistischen Ära) funktionierte eine Regelung, nach der
die Frauenquote im Parlament 30% der Abgeordneten betragen musste. Wenngleich
es nur eine formale Errungenschaft war, sank nach der Revolution die Präsenz
der Frauen im Parlament auf 10%! Erfreulicherweise erreichte sie zu Ende der
neunziger Jahre 15%, was aber noch immer unter dem EU-Durchschnitt liegt.
Im
häuslichen Bereich fühlt sich die berufstätige tschechische
Frau stärker belastet als ihr Ehemann, aber gleichberechtigt im Bezug
auf Entscheidungen. Die Verpflichtungen im Haushalt (vgl. Krížková,
1999) werden nach Ansicht der Frauen im Mittel zu 37% vom Ehepaar gemeinsam
erledigt, 63% erledigen die Frauen alleine; tschechische Männer geben
hingegen an, dass die gemeinsam erledigten Aufgaben 33,5% betragen, die vom
Mann allein erledigten hingegen 0,5%. Im internationalen Vergleich zeigt sich,
dass die Verteilung der Verpflichtungen im Haushalt in der Tschechischen Republik
besser gelöst ist als in anderen postkommunistischen Ländern (konkret
Ungarn und Polen), aber etwas ungünstiger als in den EU-Ländern
(Deutschland, Großbritannien, Holland). In Deutschland und Großbritannien
zeigen sich jedoch größere Unterschiede hinsichtlich Einschätzung
der Anteile von Frau und Mann).
Der
Zusammenfassung einer Untersuchung durch Interviews folgend (vgl. Raabe, 1999)
fühlt sich die tschechische Frau im Vergleich zur "westlichen"
Frau als mehr belastet, aber auch von ihrem Mann unabhängig und fähig,
ihr Leben selbständig zu organisieren, im Bezug auf ihre Familie entscheidende
Verantwortung zu tragen, ohne zu jammern.
Die tschechische öffentliche Meinung - einschließlich der Frauen
- ist sich dessen bewusst, dass die Frauen in vieler Hinsicht eine schwierigere
Position einnehmen als die Männer und manchmal auch ungerecht behandelt
sind, entwickelt aber keine konkreten Maßnahmen, Mechanismen ...zu einer
effektiven Korrektur. Die "Gender-Problematik" bleibt in sich selbst
eingeschlossen, ohne in einem breiteren Spektrum von Problemen identifiziert
zu werden und ohne jemanden zu beunruhigen. Feministische Aufforderungen sprechen
die Mehrheit der Frauen nicht an - werden eher als extreme Gesten ohne Korrektheit
interpretiert und von den Männern mit abschätzender Ironie entwertet.
Diese Einstellungen können unter gewissen Umständen, zur Konservierung
einiger patriarchlischer Reste in der tschechischen Gesellschaft beitragen.
Generell aber, auch unter dem stärkenden Einfluss der Europäischen
Union auf die tschechische Politik und öffentliche Meinung, sind Trends
zu einer positiven Entwicklung der "Gender-Problematik" erkennbar.
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2
Gleichberechtigung von Mann und Frau als demokratisches Grundprinzip und Teil
der
Menschenrechte
2.1 Zum aktuellen Stand europäischer Initiativen
Schon im EWG-Vertrag des Jahres 1957 ist der Grundsatz "gleicher Lohn
für gleiche Arbeit" festgelegt. In den Folgejahren wurden Richtlinien
zur Stärkung der Position der Frauen verabschiedet: Recht auf gleiches
Entgelt, Chancengleichheit beim Zugang zur Beschäftigung und zur beruflichen
Bildung sowie zur Gleichbehandlung im Bereich der sozialen Sicherheit; Teilzeitarbeit
und Schutz von Schwangeren und jungen Müttern am Arbeitsplatz gibt es
EU-Richtlinien.
In Artikel 119 des Amsterdamer Vertrages sowie in Artikel 6 des Abkommens
über die Sozialpolitik finden sich die aktuellsten Rechtsvorschriften
über die berufliche Gleichstellung von Männern und Frauen: zum gleichen
Entgelt bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit und zur Erleichterung der
Berufstätigkeit des unterrepräsentierten Geschlechts, wobei die
Maßnahmen der Mitgliedstaaten in erster Linie der Verbesserung der Lage
der Frauen im Arbeitsleben dienen sollen.
(vgl. http://erika
mann.com/europe/frauen_grundlagenge.html)
Rechte der Frauen sind selbstverständlich "integraler Bestandteil
der allgemeinen Menschenrechte ... Es sind Grundrechte, die das Recht auf
volle Teilhabe - als gleichberechtigte Partnerinnen - in allen Lebensbereichen
einschließen. Die Achtung dieser Rechte ist das Fundament für die
Gleichstellung von Frauen und Männern und eine wesentliche Voraussetzung
für die Stärkung der Rolle der Frau in der Gesellschaft." (http://europa.eu.int/comm/employment_social/equ_opp/news/gender_equ_
de.htm)
Aktuelle Trends Europäischer Sozialpolitik finden sich im "Weißbuch:
Europäische Sozialpolitik: Ein zukunftsweisender Weg für die Union"
(vgl.:http://europa.eu.int/scadplus/leg/de/cha/
c10112.htm).
Die folgende Tabelle fasst die wesentlichen Maßnahmen der Kommission
zusammen:
| Die Kommission wird: | |
| Aufhebung der geschlechtsspezifischen Aufspaltung des Arbeitsmarktes und Aufwertung der Arbeit der Frauen |
praktische Verhaltensregeln zu gleicher Bezahlung
für gleichwertige Arbeit (im Anschluss an das im Juni 1994 angenommene
Memorandum), zu Ausbildung und vertikaler Geschlechtertrennung annehmen; Maßnahmen ausarbeiten, um die fachliche Bildung und die Entwicklung beruflicher Qualifikationen von Frauen zu fördern, wozu auch Maßnahmen gehören, die es Frauen ermöglichen sollen, ein eigenes Unternehmen zu gründen; Vorschläge zum Abbau diskriminierender Praktiken auf dem Gebiet der Steuerpolitik und des Sozialschutzes sowie zur Individualisierung der Rechte unterbreiten. |
| Vereinbarkeit von Beruf und Haushalt/ Familie | die
Verwirklichung der Empfehlung zur Kinderbetreuung verfolgen, indem sie
die Umsetzung der Empfehlung auswertet, Eckwerte für Kinderbetreuungsinfrastruktur
und -dienste festlegt und nach Wegen sucht, wie die Rollenstereotypen
der Geschlechter in der Gesellschaft angegangen werden können; eine wirtschaftliche Auswertung des Potentials von Infrastrukturen und Leistungen zur Betreuung von Kindern und Pflegebedürftigen vornehmen, was eine Bewertung der Vorgabe quantitativer und qualitativer Ziele für die Verbesserung der Kinderbetreuung sowie des potentiellen Einsatzes von Steuer- und Finanzinstrumenten zur Verbesserung dieser Infrastrukturen und Leistungen beinhaltet. Auf der Grundlage dieser Bewertung wird die Kommission entsprechende Vorschläge unterbreiten. |
| Beschleunigte Einbeziehung von Frauen in die Entscheidungsfindung | auch
weiterhin den Ausbau der Forschungs-, Informations- und Berufsbildungstätigkeit
sowie Vorschläge für konkrete Maßnahmen im Zusammenhang
mit der verstärkten Einbeziehung von Frauen in die Entscheidungsfindung
sowohl im öffentlichen als auch im privatwirtschaftlichen Sektor
fördern; ... |
Darüber hinaus wird die
Kommission u.a. "die Möglichkeiten zur Schaffung eines Verfahrens
zur Überwachung der Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern
in allen betroffenen Bereichen der Unionspolitik untersuchen und die Chancengleichheit
als Bewertungskriterium durchsetzen." (vgl.:http://europa.eu.int/scadplus/leg/de/cha/
c10112.htm).
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2.2 Die
strategischen Ziele des Rahmenprogramms Gemeinschaftsprogramm für die
Gleichstellung der Geschlechter (2001-2005)
Es ist geplant, dass dieses Programm auf "klar definierte Bewertungskriterien,
Monitoring, Benchmarking und Evaluierung" setzten wird. "Der neue
Ansatz bedeutet eine wesentliche Änderung gegenüber früheren
Gemeinschaftsprogrammen für die Chancengleichheit von Frauen und Männern:
diese sahen lediglich Einzelmaßnahmen vor, die im wesentlichen aus einer
einzigen spezifischen Haushaltslinie finanziert wurden. Im Rahmen des neuen
Konzepts werden alle Dienststellen der Kommission aufgefordert, ihre Maßnahmen
zur Förderung der Geschlechtergleichstellung zu nennen, einschließlich
"Mainstreaming"-Maßnahmen und/oder konkreten Frauenfördermaßnahmen
(spezifische Maßnahmen).
Das neue Konzept wird nicht nur die nötige Öffentlichkeitswirkung
der breiten Palette an Geschlechtergleichstellungsmaßnahmen der Gemeinschaft
gewährleisten, sondern auch die Ausgaben für die Förderung
der Geschlechtergleichstellung im Rahmen der verschiedenen Budgets der Gemeinschaftsprogramme
und -initiativen besser nachvollziehbar machen." (http://europa.eu.int/comm/employment_social/
equ_opp/news/gender_equ_de.htm)
Als spezielle Ziele werden genannt:
Gleichstellung
im Wirtschaftsleben: Hier geht es um eine gerechtere Verteilung der wirtschaftlichen
Ressourcen zwischen Frauen und Männern und um die Nutzung der Qualifikationen
und Beiträge von Frauen im Wirtschaftsleben, insbesondere in folgenden
Bereichen: Beschäftigung, Geschäftsleben, Industrie, Wissenschaft,
Unternehmensgründung, Management, Informations- und Kommunikationstechnik,
Forschung und Entwicklung usw.
Gleichberechtigte
Beteiligung und Vertretung: Hier geht es um eine ausgewogene Beteiligung
von Frauen und Männern in allen Entscheidungsgremien, sowohl in qualitativer
Hinsicht (Einflussmöglichkeiten) als auch in quantitativer Hinsicht (zahlenmäßiges
Verhältnis zwischen den Geschlechtern). Ziel ist es, die Geschlechtergleichstellung
auf allen Ebenen zu erreichen. Dies bedeutet, dass Frauen und Männer
in Ausschüssen, Regierungen, Parlamenten, Führungspositionen, Gewerkschaften,
öffentlichen und privaten Gremien und in allen Einrichtungen des öffentlichen
Lebens, in Universitäten, Justiz usw. gleichberechtigt vertreten sein
müssen. Nur wenn mehr Frauen verantwortliche Positionen innehaben, können
sie an der politischen Entscheidungsfindung mitwirken und einen echten und
wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft leisten. (Zum Vergleich:
im Wintersemester 1994/95 kamen an den Wiener Universitäten und Hochschulen
und 44% weibliche Studierende ca, 4% ordentliche Professorinnen. [Frauen in
Wien, Hg. Magistrat der Stadt Wien]).
Gleichstellung
im gesellschaftlichen Leben: Hier geht es um die ungleiche Verteilung
von Rechten und Pflichten zwischen Frauen und Männern in bezug auf Arbeitszeit,
Freizeit, familiäre Verpflichtungen, bezahlte und unbezahlte Arbeit einschließlich
Betreuungs- und Pflegeleistungen, Zugang zu Waren und Dienstleistungen, Wohnung,
Verkehr, Gesundheitsversorgung und Sozialschutz.
Veränderung
von Geschlechterrollen und Stereotypen: Hier geht es um die Notwendigkeit,
durch Bildung, Medien, Kunst, Kultur und Wissenschaft Verhalten, Einstellungen,
Normen und Wertvorstellungen zu ändern, die die Geschlechterrollen in
der Gesellschaft bestimmen und beeinflussen. Das Ausräumen hartnäckiger
Vorurteile und gesellschaftlicher Stereotype ist von wesentlicher Bedeutung
für die Schaffung einer echten Geschlechtergleichstellung.
Gleichstellung
als Bürgerinnen und Bürger: Hier geht es darum, dass alle Frauen
ihre Grund, Bürger- und Menschenrechte ausüben können. Hierzu
müssen die gesetzlichen Durchsetzungsmechanismen verstärkt und weiterentwickelt
werden. Außerdem sind Juristinnen und Juristen stärker für
Gleichstellungsfragen zu sensibilisieren und in diesem Bereich besser auszubilden.
Zwei
horizontale strategische Ziele: Zusätzlich wären zwei wichtige
Bereiche - Gleichstellung in den Außenbeziehungen der Gemeinschaft,
einschließlich Entwicklungspolitik, und Gleichstellung im Erweiterungsprozess
- sowohl als strategische Ziele als auch als horizontale Themen - integriert
in jedes der genannten fünf strategischen Ziele - zu berücksichtigen.
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Bildungswesen