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Eurotopia Eurotopia ist eine der ersten echten transnationalen BürgerInnen-Initiativen, die sich anfangs der 199oer Jahre bildete und sich seither für eine echte europäische Verfassung mit direktdemokratischen Rechten engagierte. Eurotopia begann, als sowohl gesamteuropäische Referenden als auch eine europäische Verfassung vielen so unvorstellbar schienen wie ein Vegetarier im Metzgermeisterverband. Bis heute haben sich nun in ganz Europa 47 Referenden mit europäischen Fragen befasst (Vor 1991 waren es erst zehn gewesen) und die europäische Verfassung ist zumindest nach den beiden vehementen Neins in Frankreich und den Niederlanden vom Frühjahr 2005 zum damaligen "Verfassungsvertrag" ein Projekt, das Hunderttausende von EuropäerInnen beschäftigt. Gegründet wurde
eurotopia 1990 in Rostock von Menschen aus drei Bewegungszusammenhängen:
Vertreterinnen und Vertreter
dieser drei Gründergruppen von eurotopia fanden weitere Gesinnungsfreunde
aus radikaldemokratischen, pazifistischen und christlich motivierten
Bewegten aus den nordischen und den Benelux-Staaten, sowie Frankreich,
Italien und Österreich. Bis in die zweite Hälfte der 90er
Jahre trafen sich die EurotopistInnen zweimal jährlich irgendwo
zwischen der Ostsee und dem Mittelmeer oder zwischen den Alpen und
der europäischen Westküste Irlands. Die gemeinsame Basis
wurde konzeptionell gefestigt und verfeinert, von der "BürgerInnen-Initiative
für ein Europa ohne Gewalt: Dies empfanden sie aber weniger als Originalitätsverlust sondern als Ermutigung. Ebenso wie die zunehmend kritischere Öffentlichkeiten zum Ausdruck bringenden Referenden in Dänemark und Irland der Jahrhundertwende, die keineswegs mehrheitlich europafeindlich waren, sondern massgebend von Perspektiven bestimmt waren, die für ein föderalistisches, demokratischeres und vor allem von den BürgerInnen beeinflussbareres Europa plädierten. Immer mehr arbeiteten eurotopisten auch mit neueren Bürgerinitiativen wie die "ICC"-Bewegung oder "Democracy International" oder dem europäischen Initiativ- und Referendums-Institut (IRI) zusammen. Allen zusammen gelang im überstürzten ersten europäischen Verfassungsgebungsprozess die Verankerung des Artikels 47, der erstmals in der Geschichte der Demokratie ein transnationales Bürger-Initiativrecht von einer Million EuropäerInnen vorsah. Damit war der Konvent wie auch das EP bereit, die Macht der Mehrheit des EP mit jener von einer Million EuropäerInnen zu teilen und beiden das Recht zuzusprechen, die Europäische Kommission mit einem Gesetzgebungsprojekt zu befassen. Allerdings hat das Ergebnis dieser überstürzten Verfassungsarbeit, bezeichnenderweise unter dem Zwitterbegriff des "Europäischen Verfassungsvertrages" - , viele EuropäerInnen verständlicherweise nicht überzeugt. Wann und wie es zu einem zweiten Anlauf zur europäischen Verfassungsgebung kommen wird, ist noch offen. Umso wichtiger ist der Aufbau der Voraussetzung für eine wirklich bürgerfreundliche europäische Verfassung, eine breite europäische Demokratiebewegung - einem Ziel, das sich die bis heute lose verbundenen und immer wieder zum gemeinsamen Denken und Handeln treffenden EurotopistInnen nach wie vor verpflichtet fühlen. Andreas Gross ist National- und Europarat und Leiter des Wissenschaftlichen Instuts für Direkte Demokratie (WIDD) in St. Ursanne. Zum Weiterlesen: Roland Erne/Andreas
Gross/Bruno Kaufmann/Heinz Kleger (ed), Transnationale Demokratie,
Impulse für ein demokratisch verfasstes Europa, Zürich,
Realotopia-Verlag, 1996. Sie können diesen Text auch als *.doc-File downloaden... |
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Frieden Europa braucht achtsame
AkteurInnen der Zivilgesellschaft, die Frieden definieren und leben
können. Wie wird Frieden in Europa unterschiedlich wahrgenommen
und gedeutet? Wie gehen wir mit Minderheiten um? Ist interkulturelle
Begegnung gestaltet als ein oberflächlicher Kulturaustausch oder
gemeinsame Lebensweltgestaltung? Globales Lernen und Friedens-Orte
gehören zusammen. Dem Konzept des Globalen Lernens liegt zugrunde,
dass es eine intensive Beschäftigung mit der eigenen Identität
mit einschließt. Dabei geht es vor allem um unsere sozialen und
räumlichen Identitäten. Die Bewertung unserer wichtigen Friedens-Orte
ist beispielsweise eine Frage von räumlicher Identität. Wir
füllen Räume mit Handlungen und Bewertungen - und prägen
so unsere Identität - in einem laufend sich entwickelnden und gestaltbaren
Lern-Prozess. Ingrid Schwarz ist Geografin und leitet die Entwicklungspolitische Initiative Südwind in Wiener Neustadt. Sie können diesen Text auch als *.doc-File downloaden... |
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Gesprächskultur Was wir heute als "politisch" verstehen, das diskutieren wir seit eh und je im Rückblick auf die Polis der Griechen, denen wir auch die entscheidenden Begriffe des Politischen verdanken, von den Staatsformen angefangen über das gemeinschaftlich anerkannte Gute und die Tugenden des zoon politicon bis zum Nobel- und Hauptbegriff ideal ausgedachter Stadtstaatlichkeit: der Gerechtigkeit. Seit Jacob Burckhardt und Nietzsche allerdings haben wir gute Gründe, uns vor der bildungsselig-schöngeistigen Überschätzung des griechischen Vorbilds zu hüten und nicht zu vergessen, daß der frühe Meister des Gesprächs, der gute Sokrates, seine Unterredungen keineswegs in einem politischen Arkadien führte, sondern in den Kulissen durchaus schwankender und wechselhafter politischer Verhältnisse, die von jeglicher Vorbildlichkeit sehr weit entfernt waren. Entsprechend wurden seine gesprächsweise vorgenommenen Untersuchungen auch nicht als politisch stabilisierend und staatstragend wahrgenommen - als die er sie sich gedacht haben mag -, sondern als höchst gefährlich, subversiv, zersetzend und irritierend. Und das waren sie auch. Womit ich bei unserem Thema angelangt wäre: denn die Kultur des Gesprächs in Europa, wie sie stilbildend in Griechenland ausgebildet wurde, ist keine Zustimmung und Einstimmigkeit produzierende Einrichtung, also gerade keine Konsens-Fabrikation, sondern eine höchst riskante Überprüfung gängiger Meinungen, eingeschliffener Ansichten, überlieferter Urteile, traditionsehrwürdiger Geltungen, heiliger Normen und Gepflogenheiten und aller sonst üblichen Maximen - kurz: Das sokratische Gespräch betritt die Welt als eine Erschütterung und Verunsicherung, die den Meinungsinhabern listig ihr Wahrheitsbesitzertum streitig macht. Mit der ironischen Versicherung, er, Sokrates, wolle seine Mitunterredner auf solidem Grund und Boden in Sicherheit bringen, damit sie Halt unter den Füßen hätten, hat er sie tatsächlich aufs glatte Eis geführt mit seinen "Was-ist-Fragen" und seinem Insistieren darauf, was eine Sache denn nun eigentlich und wesentlich und in Wahrheit sei.
Doch etwas anderes, was
sich als Eigenart und Neuerung der sokratischen Gespräche ausmachen
läßt, scheint mir noch entschiedener die europäische
Kultur des Gesprächs begründet zu haben. Und das ist dies:
Sokrates hat wohl als erster einen Gedanken, wie auch immer er ins Gespräch
geraten sein mag, konsequent festgehalten, und zwar so lange, bis er
begann, sich von der Stelle zu bewegen, indem er sich in Widersprüche
verwickelte und so entwickelte, was man auch denken nennen darf. Hegel
hat diese Neuerung auf eine gemeinverständlich-volkstümliche
Formel gebracht: Und dann hat er unterscheidend
erläutert, was solche Kultur des Gesprächs von sonstigen und
alltagsüblichen "Unterhaltungen" unterscheidet: Um dasselbe mit einem eigenen Wort in die Mitte zu rücken: die Kultur des Gesprächs, wie sie für uns Europäer dort in Griechenland von Sokrates angefangen wurde, ist die Beharrlichkeit, bei der Sache zu bleiben oder: sich zu konzentrieren. Das aber, um nun meinerseits auch beharrlich zu sein, läßt sich ebenso als Einübung in Nachdenklichkeit verstehen. Womit ich mir selbst jenes Stichwort vorgelegt habe, auf das die gegenwärtigen Überlegungen hinauslaufen sollten. Denn wirklich ließe sich sagen, die europäische Kultur des Gesprächs sei eine Einübung in Nachdenklichkeit gewesen. Gerd Achenbach ist Begründer der Philosophischen Praxis. Der Text ist eine Zusammenstellung
von Zitaten aus einem Vortrag von Gerd Achenbach über die Gesprächskultur
der Europäer vom 15. Mai 2003 in Eisenstadt. Sie können diesen Text auch als *.doc-File downloaden... |
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Globalisierung Der Globalisierungsdiskurs
ist ein Versuch, die neuen Verhältnisse theoretisch besser zu verstehen,
aber auch ideologisch zu legitimieren. In der Regel wird die ökonomische
Expansion in Zusammenhang mit technologischen Entwicklungen diskutiert,
wobei vielfach angenommen wird, dass beides auch zu einer kulturellen
und sozialen Globalisierung ("Weltgesellschaft") Die Akteure der Europäischen Union haben die Prämissen der Globalisierungstheoretiker mehr oder weniger übernommen, indem sie zum Beispiel zwischen ihren Mitgliedern die freie Bewegung von Waren, Kapital, Arbeit und Personen mit wenigen Ausnahmen durchgesetzt haben. Dazu kommen Verpflichtungen gegenüber internationalen Organisationen (WTO, UNO etc.), die auch die Außengrenzen relativ durchlässig machen. Alles Maßnahmen, die Europa "einigen" und "wettbewerbsfähig" machen sollen, aber auch als vorauseilende Globalisierung identifiziert werden könnten. Auch wenn die Mitgliedsstaaten theoretisch nach wie vor die Herren der Verträge bleiben, die diese Verhältnisse herstellen, folgt ihr Zustandekommen nicht den politischen Prozessen, wie sie sich in demokratischen Gesellschaften herausgebildet haben. Damit wird an der EU ein Problem erkennbar, dass auch die Globalisierung betrifft: die demokratische Legitimation politischer Entscheidungen. Wie die EU dieses Problem zu lösen versucht, kann deshalb auch für die Einschätzung des politischen Potentials von Globalisierung allgemein von Interesse sein. Wie verhält sich nun die Europäische Union zur "Demokratie"? Der Konvent zur Erarbeitung eines Verfassungsvertrages lieferte dazu interessante Aufschlüsse:
eder Globalisierungstheorie noch Globalisierungspraxis haben bisher befriedigende Antworten auf die Frage nach der politischen Legitimation dieses Prozesses gegeben. Ansätze dazu sind am ehesten noch am Beispiel der Entwicklung der Europäischen Union zu erkennen. Diese Ansätze sind allerdings aus der Perspektive des einzelnen Bürgers eher enttäuschend. Als politischem Subjekt bietet die Globalisierung dem Einzelnen wenig, als Marktteilnehmer hingegen unter Umständen sehr viel. Auf jeden Fall ist es bisher nicht gelungen, die Globalisierung demokratiepolitisch so zu fassen, dass die politischen Möglichkeiten für den Bürger auch nur annähernd an das herankämen, was entwickelte Nationalstaaten heute institutionell bieten. Josef Langer ist Professor für Soziologie an der Universität Klagenfurt. Sie können diesen Text auch als *.doc-File downloaden... Zum Weiterlesen: Albrow, Martin (1996),
The Global Age, Cambridge (Polity Press). |
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Grenze Nach der Erweiterung der Europäischen Union (EU) auf 25 Mitglieder rückt das Problem der "Außengrenze" näher ins Zentrum der Europapolitik. Für diese Behauptung stehen zahlreiche Dokumente und Diskussionen der vergangenen Jahre. Vor 2002 war "Grenze" für die EU kaum ein Thema, mit Ausnahme der Schengenkooperation zur Abschaffung der Kontrollen an den Binnengrenzen. Und noch früher, zum Beispiel vor 1989, war die damalige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) einfach noch nicht "politisch" genug, um sich dieser Frage stellen zu können, abgesehen von der Tatsache des Eisernen Vorhangs, der Europa auf "ewig" zu teilen schien - die ultimative Grenze. Es hat also Zeit gebraucht, bis sich die EU dieses Themas bewusst geworden ist. Mit der Entscheidung für die "big bang" Erweiterung nach Osten und Süden war es dann soweit. Wie sich dieses gesteigerte Bewusstsein ("Wider Europe - Neighbourhood" Agenda) in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren politisch umsetzen lassen wird, darauf kommt es nun an. Vieles wird davon abhängen, welches Verständnis von "Grenze" sich dabei durchsetzen kann. Nur eines ist sicher, ganz ohne Grenze wird es nicht gehen, denn nichts was in der Welt ist oder sein will, kann auf Grenze verzichten. Wie jede Sache eine Oberfläche und jedes Lebewesen eine Haut besitzt, so produzieren soziale oder politische System Grenzen. Umgekehrt kann anhand der Grenze immer auch auf die jeweilige Identität geschlossen werden. Der Eiserne Vorhang war ein gutes Beispiel dafür. Wie sein martialischer Bestand bestens das dahinter liegende rigide System erkennen ließ, war mit seinem Verschwinden auch dessen Ende gekommen beziehungsweise umgekehrt. Kurz gesagt: Zeig mir die Grenzen deines Landes und ich sage dir, in welchen Umständen du lebst.
Hier verhält es sich umgekehrt zum Prozess bei der Entstehung von Nationalstaaten, der in der Regel mit einer Vorstellung über den Verlauf der "natürlichen" Grenze beginnt. Was diese Umkehrung für die sich abzeichnende europäische Gesellschaft bedeutet, spielt in der Diskussion noch weniger eine Rolle als die Frage der Außengrenze selbst. Da könnte man nun ansetzen und einfach sagen: "Wir wissen es nicht. Lasst die Sache auf uns zukommen." Wenn aber "Grenze" das ist, als was sie hier verstanden wird, nämlich ein Definiens von Identität, dann wäre damit auch der Verzicht verbunden, die zukünftigen Konturen dieser Identität zu beeinflussen. Wie viel Grenze braucht die Europäische Union? Die Antwort darauf wird immer eine gründliche Analyse der jeweiligen Umstände und der angestrebten respektive gegebenen Identität voraussetzen. Die politische Identität war im Verfassungs-Konvent gerade in Verhandlung: Bundesstaat, Staatenbund oder vielleicht auch nur ein gemeinsamer Markt. Das ist aber lediglich der grobe Rahmen. Insgesamt ist die Frage der Identität komplex, weil sie neben den politischen auch ökonomische, kulturelle und soziale Dimensionen einschließt. Solange die Identität unbestimmt ist, werden auch die Grenzen unbestimmt bleiben. Sie werden einmal hier und einmal dort sein, diese oder jene Gestalt annehmen. Sollte sich die Identität indes klären, werden auch die Grenzen berechenbarer. Dann wird sich die Frage vermehrt auf das Regime konzentrieren, mit dem die Grenze das Verhältnis der Union zu ihrem Umfeld regulieren soll. Ein krisenhaftes Umfeld wird "mehr" Grenze bewirken, ein geordnetes entsprechend "weniger". "Wo aber wird die Grenze dann sein?" Die Grenze zum Angreifen wird weiter nach Osten wandern. Nach Zachony, nach Arad und später, wenn auch Rumänien Mitglied der EU sein sollte, noch weiter, zum Schwarzen Meer und Orten mit so fernen Namen wie Odessa oder Tiraspol. Ob die Grenze dort stehen bleiben wird, ist, wie zu argumentieren versucht wurde, höchst unbestimmt. Erst wenn die EU wissen wird, wer sie selbst wirklich ist, wird auch diese Frage beantwortet werden können.
Zum Weiterlesen: Eger, György/Josef
Langer (eds.) (1996), Border, Region and Ethnicity in Central Europe,
Klagenfurt (Norea). Sie können diesen Text auch als *.doc-File downloaden... |
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Grüner Traum Februar 2004, ein Saal mit mehr als 1000 Menschen wiegt sich in einer Melodie von Ennio Morricone, auf der Bühne stehen VertreterInnen aus über 30 Ländern (mehr als die EU Mitglieder hat) und winken mit Blumen, der Ort ist Rom, der Ort der Römischen Verträge, der Ort an dem der Rat die Europäische Verfassung unterschrieben hat. Was ist der Anlass? Der
Song Contest? Nein, die Gründung der ersten europäischen Partei.
Es ist ein bewegender Moment. Alle im Saal, egal ob sie in einer Regierung sitzen, in Opposition sind oder eben sogar außerparlamentarische Opposition betreiben und eher wie Bürgerinitiativen agieren, fühlen, dass da etwas außergewöhnliches passiert, ein Stück Europa wird Wirklichkeit, ein Stück Grenze wird abgebaut, ein Stück Vision wird geboren.
Die Grünen wissen vielleicht von allen Parteien am besten, wie notwendig Europa ist. Ökologische Probleme machen an keiner Grenze halt, egal ob das die Atomkraft, die Luftverschmutzung, der Verkehr, die Gentechnik, die Klimapolitik oder die Wasserversorgung ist, es gibt eben nur "eine Welt für alle" und Umwelt und Natur kennen keine Grenzen. Trotzdem sind die Unterschiede natürlich groß und inhaltliche Einigungen oft schwierig. Eine Partei, die den deutschen Außenminister stellt, agiert wesentlich pragmatischer als eine Partei, die eher einer Bürgerinitiative gleicht. Trotzdem gibt es politische Entscheidungen in dieser jungen Partei, die gemeinsam getragen werden und in der Haltung der Grünen Abgeordneten im Europäischen Parlament ihren Niederschlag finden. Die EU als "Grüner Traum"? Die EU, die uns verwehrt, die Verkehrslawine durch Österreich zu bremsen? Die EU, die uns unsere gentechnikfreien Zonen wahrscheinlich demnächst verbieten wird? Die EU, in der die vier Freiheiten mehr zählen, als ökologische und soziale Probleme? Die EU, die gravierende demokratische Defizite hat? Aber die EU ist eben nicht nur "diese" EU. Die EU ist auch die EU, die mit Argusaugen über den Natura 2000- Gebieten wacht, die seltene Vogelarten tatsächlich wichtiger nimmt als Straßenprojekte und Golfplätze, die ökologisch und sozial sinnvolle Politik in den benachteiligten Regionen fördert, die mit der Ziel - 1 Förderung dem Burgenland geholfen hat, aus der tiefsten Provinz herauszukommen, die internationalen Wissensaustausch und internationale Vernetzung fördert. Das berühmte Wort "Global denken und lokal handeln" ist angesichts der heutigen Probleme nicht mehr genug, wir müssen auch "Lokal denken und global handeln". Und da das nicht so einfach ist, sollten wir wenigstens "Lokal denken und Europäisch handeln" und umgekehrt. Europa steckt mit der
Verfassungskrise in einer sehr tiefen Krise. Europa braucht eine Verfassung
und der erste Anlauf scheint wirklich gescheitert zu sein. Es wird viele
gemeinsame übernationale Anstrengungen brauchen um Europa noch
eine zweite Chance auf eine Verfassung zu geben. Ich wünsche mir, dass die anderen großen und kleinen Europäischen Parteienfamilien auf den Europäischen Zug aufspringen und unseren Traum mitträumen. Nationale Politik wirkt angesichts der großen Probleme der Zeit in meinen Augen nahezu lächerlich. Ohne große Lösungen auf Europäischer Ebene sind weder Umweltprobleme noch soziale Probleme in den Griff zu kriegen. Egal ob wir die EU lieben oder nicht, wir brauchen sie! Daniela Graf leitet die Grüne Bildungswerkstatt in Österreich. Zum Weiterlesen: Vision Europa, erschienen im Czerninverlag 2004, HerausgeberInnen: Daniela Graf und Karl Kaser, enthält die Ergebnisse der Sommerakademie der Grünen Bildungswerkstatt zum Thema und sämtliche Reden von Johannes Voggenhuber im EU-Verfassungskonvent. www.gbw.at,
die Homepage der Grünen Bildungswerkstatt
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Heimat Wenn im Supermarkt "Tomaten"
statt "Paradeiser" ausgepreist werden; wenn realitätsferne
Schreibtischtäter in Brüssel meinen, dass ich nicht mehr "Marmelade"
sagen soll; wenn das vermeintlich flotte "Tschüss" das
wohlig-warme "Baba" ersetzt: dann gehen Symbole für Heimat
verloren. Wenn österreichische Schi-Reporter von Schweizern, Deutschen
und Slowenen zu berichten wissen, aber penibel penetrant zwischen Italienern
und Südtirolern unterscheiden; wenn der blonde Bergbarde Hinterseer
ein norddeutsches Fernsehpublikum mit einfältigen Kitzbühler
Dorfklängen ergötzt; wenn der Quotenkönig Moik eine Veranstaltungshalle
in Peking in einen Heustadel verwandelt; dann wird im Gegenzug Heimat
nicht aufgebaut. Es gibt eine Entartung, wie sie die genannten Beispiele
charakterisieren möchten. Heimat verliert ihre Verortung, wenn
sie als Kategorie per Dekret verordnet oder als Ware im- und exportiert
wird. Helmuth Hartmeyer ist langjähriges Beiratsmitglied des Europahaus Burgenland. Zum Weiterlesen: Liebhart, Karin: Ein Haus für die
Heimat. IG Kultur: Kulturrisse, Wien 2003. Sie können diesen Text auch als *.doc-File downloaden... |
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Inter Citizens Conferences (ICC) Das Netzwerk Inter Citizens Conferences (ICC) wurde in den Jahren 1992-95 von verschiedenen Organisationen und Gruppierungen in Westeuropa entwickelt. Der Name, eine unbestimmte Mehrzahl von Konferenzen für und von BürgerInnen, sollte (als Wortspiel) ein Gegengewicht zu den Konferenzen der Regierungen (Inter Governemental Conferences - IGC) markieren. Innerhalb der zivilgesellschaftlichen Sphäre unterschieden sich die ICC-Mitgliedsorganisationen in ihrem Selbstverständnis von Beginn weg von anderen europapolitischen Strömungen durch ihren kritisch-konstruktiven Ansatz, nämlich die umfassende Demokratisierung der Europäischen Union. Seit dem Jahr 2000 ist
das Europahaus Burgenland eine zentrale Informationsstelle für
das Netzwerk, in dem sich die Partnerorganisationen für eine ganz
informelle Zusammenarbeit entschieden haben. Weder können oder
wollen die Partner eine geregelte Struktur und Finanzierung organisieren,
noch hat es bisher Aussicht auf eine EU-Strukturfinanzierung gegeben.
Der Austausch zwischen den Partnern erfolgt daher im Rahmen von geeigneten
Projekten. So ging es in einem ersten, gemeinsamen Projekt, das vom Europahaus koordiniert worden ist, darum,
Das Projekt ermöglichte einen ausführlichen Gedankenaustausch zur europäischen Demokratiefrage und diesbezüglichen Aufgaben von politischer Bildung (civic education). Es ist gelungen, auch Demokratie- und Bildungsinitiativen aus den Staaten des ehemaligen Ostblocks einzubeziehen. Dieses Projekt wurde aus dem EU-Programm "Partnerschaft mit der Zivilgesellschaft" gefördert. Die Ergebnisse der Gespräche sind zunächst in einem Dossier dokumentiert worden: "Die demokratische Stimmung von Europa. Transnationale Demokratie-Wahrnehmung in europäischen Bürgergesellschaften; Eisenstadt, 2004". Auf ihrer Grundlage wurden in einem weiteren Projekt Studienzirkel in mehreren Ländern Europas eingerichtet, um das europäische Bildungsvermögen durch Bürgerinitiativen und Erwachsenenbildung zu untersuchen und die Ergebnisse auszutauschen (dokumentiert in "A Fortune for Empowering Europe - Activating an Educational Fortune by Means of Citizens Initiatives and Adult Education", Eisenstadt 2005). Die Ergebnisse zeigen, dass den Maßnahmen zu Bildung und Information der Bürger/innen Vorrang vor der aktiven Beteiligung an Europäischer Politik eingeräumt wird. Sie können diesen Text auch als *.doc-File downloaden...
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Identität Was bedeutet eigentlich Identität für komplexe Gesellschaften? Wäre es nicht besser - mit Habermas - von Verfassungspatriotismus zu reden? Und von einem in Vielfalt geeintem Europa statt von einem mit sich selbst identem? Genügt nicht eine Charta von Werten (wie sie im Verfassungsentwurf schon angelegt ist) als Basis für politisches Engagement? Nach Hermann Lübbe ist Identität die Antwort auf die Frage, wer man ist! Zur Beantwortung dieser Frage kann man zwar selber viel beitragen - durch subjektive Identitätszugaben, wie Ideen, Visionen, Hoffnungen. Diese subjektiven Elemente sind aber "in die Geschichte gestellt", angewiesen und hingewiesen auf objektive Identitätsvorgaben. Wer heute auf die Frage "wer bin ich" antwortet: ein Europäer, gibt entweder einer subjektiven Hoffnung oder Vision Ausdruck - und wird so als Visionär eingestuft - oder er/sie versteht sich in einer Situation, wonach die Nationen bzw. die nationalen Identitäten das Europäischste an Europa seien.
Betrachtet man den europäischen Diskurs heute, so zeigt sich seitens der Institutionen der Europäischen Union zwar ein gewisses Legitimationsinteresse - man bemüht sich um Anerkennung als nützliche und effiziente Servicestelle - aber kaum Herrschaftsinteresse. Es ist nicht wirklich spürbar, wofür oder wogegen sich Europa bildet. Vielleicht kommt es von daher, dass die Europäische Union von heute keine Europäer braucht. Europa beruht auf einem Vertrag zwischen Staaten, allerdings auf einem Vertrag mit existentiellen Qualitäten, der (wie ein Ehevertrag und anders als ein beliebiger Leistungsvertrag) den Status der Beteiligten verändert. Der josephinisch anmutende Servicecharakter der Europäischen Politik führt aber zu einer Europäischen Kundschaft, die in ihrem Verhalten an den Nationalcharakter der Österreicher erinnert: "Ein stets von oben beglücktes Volk, murrend, weil immer wieder von fragwürdigen und unverstandenen Reformen aus der Ruhe des täglichen Treibens gebracht, von fortschrittlichen Erlässen und Gesetzen genervt …. träge und beharrend … siegte nicht, es blieb nur übrig, es agiert nicht, es verweigert sich höchstens. Es hat keine eigene Geschichte und kann folglich auch keine Verantwortung für sie spüren" (Mappes-Niediek 2002). Insofern scheint es plausibel,
dass auf Europa bezogene bildungs- und kulturpolitische Strategien belanglos
auf die Festigung von Pluralität abzielen, auf das Spiel mit der
Völkerfreundschaftsutopie und dem interkulturellen Austausch. Europäische
Identität bedeutet nicht viel mehr als die Zustimmung zu internationalen
Begegnungsübungen. Sie können diesen Text auch als *.doc-File downloaden... |
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Information Wir leben in einer Informationsgesellschaft in welcher alles von Informations- und Kommunikationstechnologien abhängig ist. Engagierte Bürger die sowohl auf globaler als auch EU- Ebene, teilnehmen und Einfluss haben wollen, benötigen neue Fähigkeiten im Bearbeiten, Empfangen und Versenden von Informationen. Informationstechnologien
haben für sowohl informelle als auch formelle Gesellschaftsgruppen,
aber auch Individuen, neuen Raum und neue Möglichkeiten des Handelns
eröffnet. Diese Foren werden oft als Cyberspace oder "virtual
Community" bezeichnet, in denen aktive Bürger ihre Meinungen
und Ideen vortragen können. Information als Konzept
hat einige verschiedene Bedeutungen im täglichen Gebrauch wie auch
in speziellen Zusammenhängen. Normalerweise ist das Konzept eng
verknüpft mit Worten wie Daten, Anweisung, Wissen, Bedeutung, Kommunikation. Information kann als Nachricht
beschrieben werden, die sowohl erhalten als auch verstanden worden ist.
Normalerweise sind die empfangenen Daten so organisiert, dass sie signifikant
und bedeutsam für den Empfänger sind. Hinterher können
Folgerungen aus den verarbeiteten Fakten gezogen werden, die als Basis
zur Entscheidungsfindung fungieren. Wie geht man um mit dem
konstanten Fluss an Information? Eine Antwort ist Bildung. Bürger
einer Informationsgesellschaft werden zusätzlich zu der traditionellen
Leseauffassungsgabe die Fähigkeit der Informationskompetenz benötigen. Die Medienkompetenz zu beherrschen ist genauso wertvoll wie die Informationskompetenz. Es ist ebenso eine vielgestaltige Fertigkeit. Eines ihrer Ausmaße ist die kognitive Fähigkeit, durch die der Bürger in der Lage ist, mit der neuen Medienumgebung verständliche Daten, Informationen und Wissen zu sammeln. Dazu benötigt man Medienkompetenz, die sich als Fähigkeit definiert, ein Problem zu erkennen. Dies erweist sich als immer schwieriger in einer Gesellschaft, die sich im ständigen Wandel befindet. Nachdem die wichtigen Informationen gefunden und kritisch gewertet wurden, müssen sie mit anderen Quellen verbunden werden. Neue Informationen werden basierend auf individuelle Werte und Erfahrungen erstellt. Schlussendlich sollte das Ergebnis in einer logischen und seriösen Form präsentiert werden. Anneli Bauters leitet die Grüne Bildungswerkstatt in Finnland. Zum Weiterlesen: Sie können diesen Text auch als *.doc-File downloaden... |
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