Interkultureller Dialog
Texte und Vorträge
Prof. Peter H. Mettler, Ph.D., M.A.
- Zur Dialektik der geopolitischen "Heilsbringer"
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Prof. Peter H. Mettler, Ph.D., M.A.
Zur Dialektik der geopolitischen "Heilsbringer" Wissenschafts- und technologische Entwicklung

Eisenstädter Akademie - Internationales Symposion (9.-11. Dez. 2008), "Zum höchsten Glück der Erdenkinder - Menschenbildung im Lichte von Utopien und Prophezeiungen"


Für den eiligen Leser
I. Einleitung [1]
II. Skizzen vom Heute
a. Wahrnehm- und Erleb- bares (mit Coda)
b. Wer lieber eher "Wissenschaftliches" lesen möchte …
c. Fragen an die Ökonomie
d. Ökonomische Forschungsprogramme
III. Wissenschafts- und Technologie- Entwicklung [2]
IV. Prolegomena zu einer Theorie des 21. Jahrhunderts
V. Schlußfolgerungen
Literatur

Für den eiligen Leser
Weder Chiliasmus noch Eschatologie werden hier diskutiert, auch keine tausendjährigen Weltreiche (Geo …) oder Anfänge ewigen Friedens … und auch nicht die Frage, ob die Leben derjenigen, die heute angeben, "das höchste Glück der Erdenbürger" gefunden zu haben und erleben zu dürfen, verallgemeinerungsfähig wären.
Vielmehr soll, auf der Basis eines Versuchs der Skizzierung heutiger Verhältnisse, aufzuzeigen versucht werden, wie sehr alle Länder und Kontinente derzeit sowohl von den Entwicklungen in der Wissenschaft und im technologischen Fortschritt als auch von den sozio-ökonomischen, sozio-ökologischen und kulturellen Entwicklungen in den USA (dem Okzident/Westen), China, Indien und Rußland, etc. abhängig sind.
Auf solcher Basis wagen wir
a. Prolegomena einer "Theorie des 21sten Jahrhunderts" zu formulieren,
b. Schlußfolgerungen (Bedingungen "sine qua non") für "das höchste Glück aller Erdenbürger" zu ziehen.
Den Schluß bilden geopolitische Beobachtungen [3] und Reflexionen zum Verhältnis Freiheit und Gleichheit sowie zur Relativität des Begriffs "Glück".
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I. Einleitung
Auf unserem Globus gibt er keine gesellschaftliche "Kraft" mehr, die nicht in internationale bis globale Strukturen eingebunden wäre, auch nicht das Glück. Beispiele sind etwa friedliche Koexistenz, die Menschenrechte oder die 1992er Rio-Deklaration der Vereinten Nationen, bis hin zu den pädagogischen Bemühungen der meisten Lehrer dieser Welt ...
Die Liste der Gegenstände, Themen oder Problemlagen wird fast täglich länger, schwieriger und komplexer und reicht von Weltklima und Nachhaltigkeit sowie der Möglichkeit eines neuen Homo Sapiens bis zu neuen Formen der Ökonomie unter geopolitischen Regimen. Oder: Wie kann ein durch ungezügelten wirtschaftlichen Wettbewerb mit nicht-angepaßten (Groß-) Technologien bedingter Selbstmord der Menschheit (etwa durch einen großen Krieg bis hin zu WK III) ebenso ausgeschlossen werden wie größere Hungerepidemien auf Grund falscher ökonomischer Weichenstellungen? Und schließlich, und, neben der Klimakatastrophe, das derzeit aktuellste Problem: Wie kann eine angewandte Nachhaltigkeitsforschung zum weltweit-geopolitischen friedlichen Miteinander, zur Konfliktvermeidung und zur Risikominimierung in den Bereichen Ressourcen, Energie und Umwelt beitragen?
Zur weiteren Einleitung eine Glosse zur Dialektik des Glücks: Es gibt Städte, in denen Hunde ihre Exkremente noch frei plazieren dürfen, Brüssel als Beispiel. Die Kultur mancher dieser Städte interpretiert nun das Pech, in dieselben mangels Aufmerksamkeit zu treten, dahingehend um, daß solches "Pech" Glück brächte.
Auf der Grundlage solcher Um-Interpretationen hat sich dortselbst die Häme herausgebildet, Passanten, die solche "Häufchen" nicht wahrzunehmen scheinen, erst so spät davor zu warnen, daß sie sicher zu ihrem "Glück" kommen und dann zu sagen: "'Ha', schon hineingetreten". Nach oben

II. Skizzen vom Heute (in vier Teilen)

a. Wahrnehm- und Erleb- bares
Eine der erstaunlichsten Phänomene ist es, daß wir erst heute, d.h. mitten in einer (auch geopolitischen) Krisenphase, merken, welche ungeheuren Defizite die Wissenschaft (von der Wirtschaft und den Finanzen) der Ökonomie hat. Ihr größtes ist vielleicht, daß sie sich bislang so gut wie überhaupt nicht für ihre eigenen Grenzen interessierte sowie, ungeachtet aller Gegenargumente, an monokausalen oder linearen Ableitungsmodi bzw. an entsprechenden Handlungsanleitungen hängt (Beispiel: Banker und Produkte ihrer Häuser, wie z.B: Hedgefonds).

Peter Sloterdijk fragte, wie lange die Gesellschaft den "schreienden Gegensatz zwischen den künstlichen Paradiesen der Wohlstandszone und dem Elendcamping der Ausgeschlossenen" noch ertragen könne (oder: in den USA, einem der reichsten Länder der Welt, kann sich jeder sechste Bürger keine Krankenversicherung leisten)?

All überall wird davon gesprochen (so z.B. die Financial Time, November 11, 2008, p. 11), o daß das Weltbanksystem überholungsbedürftig ist; o daß jeder Versuch, das ganze Bretton Woods System zu erneuern, ein Reinfall werden würde; [4] o welche Mittel nationalen Regierungen zur Verfügung stehen könnten, die weltweit-geopolitische Finanzkrise zu bekämpfen? (NY Times, November 18, 2008) o oder und last, but not least: wie westlich-okzidentale Industriestaaten ihre strategischen Interessen gegen die Kauftourneen neureicher Staaten wie China, Indien, die Russische Föderation oder die VAE immunisieren könnten? etc.

Da man vor jeder Conclusio versuchen sollte, die Logik der Gegenseite zu verstehen (meist: ohne sie zu teilen), werfen wir hier einen Blick auf die Sonderbeilage "Bahrain" der Financial Times vom 11. 11. 2008: o "Little state knows it must dream large" (S. 2); o "Diversification is urgent as oil prices slide"; o "Our small size makes us nimble" and "Island faces stiff local competition"; o Training drive aims to avert skills shortage"; o More jobs for locals will soon be required; and finally: o hidden majority wants to be drawn into the mainstream.

Und, quasi als Gegensatz, zugleich aber auch voll "system-immanent" (i.e. Kapital ist vollkommen ungebunden in lokaler/inter- bzw. transnationaler Hinsicht sowie in kultureller oder technologischer Hinsicht): die Artikelserie der Wirtschafts-Zeitschrift "Cicero" (11/2008): Fegefeuer des Kapitals (Tom Wolfe), Cowboy-Kapitalismus (Francis Fukuyama); Welchen Kapitalismus wollen wir? (11/2008, S. 45), von Frank A. Meyer.

Die amerikanischen Präsidentschaftswahlen haben dieses Mal große Aufmerksamkeit weltweit erregt. Warum? Dazu schreibt Lewis Baston im "Social Europe Journal" (Vol. 4, Issue 1, Autumn 2008):
" es wurden enorm viele kleine Spenden registriert … Wieder hat sich ein frischer, optimistischer, Vergnügen und doch auch wieder Ernsthaftigkeit enthaltender Geist ausgebreitet, der bei Europäischen Wahlen meist vermißt wird. Und dies ist um so bemerkenswerter, als es ja kaum Parteiorganisationen gibt, bzw. wie schnell sich ein entsprechender "Blog" über das Internet einrichten und sich damit sowohl fundraising als auch Wahlkampf machen läßt" … Howard Dean entwickelte für sie "ein 50 Staaten System" … viele europäische Parteien könnten an diesem Beispiel lernen, daß "bundesweit auftretende Parteien nicht nur Ideologien und Rethorik bedürfen, sondern, und vor allem, Organisations- und Wahl-Strategien. … viele Kommentatoren haben geschrieben, daß das eigentlich Spannendste dieser Wahlen gar nicht der Zweikampf McCain/Obama war, sondern die Entscheidung, ob, nach der Kennedy-Revolution (erster katholischer Präsident) jetzt eine Frau Präsidentin werden soll oder ein aus Afrika Stammender … auch Clinton war 1992 ein Träger amerikanischer Erneuerung. Obama ist es 2008 noch viel mehr. Ihm wird international ein ungeheurer Bonus eingeräumt. Und die Tatsache, daß die USA einen schwarzen Führer gewählt haben, wird die Beziehung zwischen den USA und dem Rest der Welt fundamental ändern … daran kann auch kein Europäer vorbei bzw. keiner konnte die amerikanischen Wahlen im eigentlichen Sinne vernachlässigen".

Ja, der Wahlkampf wurde von der Rezession bestimmt. Sie kommentierte David Brooks in der New York Times vom 18. Nov. 2008:
Kurz vor ihr gelang es noch vielen "Noch-Nicht-Mittelständlern", endlich aufzusteigen (die sogenannte "vertikale Mobilität") Doch der Aufstieg war nur von kurzer Dauer und symbolisiert sich z.B. darin, daß das lang ersehnte und endlich erreichte eigene Haus wieder verlassen werden muß, man wieder in Appartements (in Wohnghettos) zurück mußte, weil man die Kreditraten nicht mehr bezahlen konnte. Oder allgemeiner: Luxusgüter, die man sich plötzlich leisten konnte, die Zeichen des Aufstiegs waren, sind nicht mehr erschwinglich … die Tür nach oben schloß sich plötzlich wieder mit einem Knall. Die gerade gewonnene neue soziale Identität, die neuen Freunde und Sozialbeziehungen … die einen neuen Platz im Sozialgefüge anzeigten, ver-flog über Nacht und hinterließ Entfremdung und Wut … und wird zu neuen politischen Konstellationen, möglicherweise zu radikaleren, führen … . Das Interessante an den Vereinigten Staaten derzeit ist, daß sie sich trotz ökonomisch äußerst schwierigen Zeiten nicht dem Konservatismus in die Arme geworfen haben sondern unter Obama ganz neue Wege zu gehen bereit sind. Wohin sie führen werden … darauf darf man gespannt sein.

Einer ist z.B. im Artikel "Sometimes it's smarter to barter" (LA Times, 16. Nov., 2008) indiziert: Tausch statt Kauf!

So jemand die ökonomische Situation illustrieren wolle, sollte er/sie zumindest auch den Aspekt der gegenwärtigen US Wirklichkeit beleuchten: die Kriege in Afghanistan und Irak. Sie führen z.B. wieder (wie zu Zeiten des Vietnam Kriegs) dazu, daß Zeitungen (z.B. die Los Angeles Times vom 16. November 2008 bzw. die Webseite "latimes.com/wardead) darauf hinweisen, daß es z.B. eine Datenbank mit Kriegstoten gibt, die etwa nach Alter, Herkunftsstadt, Schulabschluß, Dienststelle, etc. abgefragt werden kann, bzw. darauf, daß man in ihr, kostenlos, auch gefallenen Freunden bzw. Soldatenkollegen gedenken kann, etc.

In der genannten Ausgabe der LA Times wurde weiter von zwei interessanten Verhältnissen berichtet:
- Betrüger versuchen, Jobsuchenden bei der US Post ihre betrügerischen Dienste anzudienen …
- Alle drei großen US Autohersteller sind eigentlich schon bankrott. Soll der Staat ihnen helfen, und wie am besten? Dazu wird dann, in einem weiteren Artikel, dem historischen Vorbild der seinerzeit vom britischen Staat unterstützten britischen Autoindustrie gedacht … das auch nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt hatte ("bail-out" der Banken und Autoindustrien aber kein "bail-out" einzelner Hausbesitzer, die auf Grund falscher Beratung durch Banken in ihre jeweilige Misere gerieten …).

Ja, bankrott, ebenso wie das Welt-Finanzsystem, das ehemals Bretton Woods (BW) genannt wurde. Dem erhofft-notwendigen Neuen gab man schon BW II als Namen, selbst wenn z.Z. niemand sagen kann, ob eine für den 30. April 2009 geplante Konferenz dazu tatsächlich wird tagen können.

Würde man zu einer Coda des Wahrnehm- und Erleb- baren zu kommen versuchen, müßte man zunächst bestätigen, daß man von "Glück" keine Spur hat finden können … da, u.a., die klimaschädlichen Treibhausgas-immissionen dieses Jahr auf Rekordniveau anstiegen; … oder sich der mexikanische Drogenkrieg in die USA hinaus ausdehnt …

Es gab lediglich kleinere Glückschancen-Indikatoren wie z.B. Hazel Hendersons "Ethical Markets", die Chancen Europas und Lateinamerikas, dem US downtrend zu entkommen oder Versuche, das US Sozialsystem an Hand einer Reform des 401 (k) Systems zu reformieren … und schließlich sollte man ehrlicherweise feststellen, daß, auch wenn geschrieben wurde: "Obama could change dynamic in Arab world", die Chance für Obama angesichts des von Bush überlassenen Erbes, viel Gutes tun zukönnen, leider nur äußerst gering sind. Nach oben

b. Wer lieber eher "Wissenschaftliches" lesen möchte
Angus Maddison (britischer Wirtschaftssoziologe) berechnete, daß das Pro-Kopf-Inlandsprodukt der im Jahre 1870 zehn reichsten Länder sechs Mal größer war als das der zehn ärmsten Länder. Inzwischen beträgt der Faktor 42. … Oder, wenn man den Gini Ungleichheits-Koeffizient (0,0 = absolute Gleichheit, 1,0 = absolute Ungleichheit) zu Grunde legt: Dänemark und Japan = 0,25, USA 0,41, Brasilien und Südafrika 0,60). Und in Rußland verfügen die 500 reichsten Russen über ein Vermögen, das 40% des BSP entspricht.
In Staaten mit schwachen Regierungen (mit Mangel an "good governance") herrscht Korruption und Vetternwirtschaft, bzw. sichern z.B. die Einkünfte aus den Bodenschätzen den Regierungen das Überleben (manchmal sogar die Entwicklungshilfezahlungen, die zur Bettlermentalität führten … so argumentierten etwa der New Yorker Ökonom William Easterly oder der Kenianer James Shikwati).
Der Klimawandel wird die Ärmeren (den "Süden") weit brutaler schlagen als alles andere bisher: Fluten, Trockenheiten, Landerosion, etc. …

In anderen Staaten, vornehmlich in China, ist in wenigen Jahrzehnten fast eine halbe Milliarde Menschen in die Mittelschicht eingerückt - so viele so schnell wie nie zuvor. Länder wir China oder Mexiko und die Türkei werden bald einen Lebensstandard erreichen wie ihn Spanien heute hat.

Die Armen sind arm wie immer, während die Reichen (z.B. die, nach FORBES, derzeit 946 Milliardäre mit einem Vermögen vom $ 3,5 Billionen) reicher als je wurden. 2,7 Milliarden Menschen, also rund 40% der Erdbevölkerung, lebt von weniger als zwei Dollar pro Tag. Viele leben nicht unähnlich den früheren Sklaven und werden im wahrsten Sinne "ausgebeutet". Oder mit anderen Worten: Die obersten 5% verdienen in zwei Tagen, wofür die untersten 5% ein ganzes Jahr arbeiten müssen. Oder mit anderen Zahlen: Die 65 Millionen Reichsten verdienen 564-mal mehr als die 65 Millionsten Armen (1980 waren es erst 216-mal mehr). Nach oben

Ist, seit dem Ende des Kalten Kriegs, anstelle von
"Ost gegen West" "Arm gegen Reich" getreten"?

c. Fragen an die Ökonomie
Anstelle von Phänomenen, die "wahrnehm-, erleb- und beschreib-bar" sind oder anstelle von Theorien nach Popper's Fallibilismus (sie gelten so lange, so lange sie nicht falsifiziert wurden), legen wir der Ökonomie Fragen (teilweise sogar "klassische") vor, um dieses Kapitel dann mit "d. Ökonomische Forschungsprogramme" abzuschließen:

1

EU und Club of Rome organisierten im November eine Tagung "Beyond GDP" in Brüssel und das dt. Statistische Bundesamt hat schon lange Arbeitsgruppen zur sozialen und ökologischen Bilanzierung, etc.. Dahinter stecken Fragen wie z.B.: Wie steuert ‚man' den allgemeinen Wohlstand und die Lebensqualität (bzw.: ‚wie sind diese definiert'?), wie kann man "policies" ex ante ‚prüfen', wie prüft man Ergebnisse und wie wendet man Prüfergebnisse wieder zur Verbesserung der polit-ökonomischen Steuerungskapazität an? Ein gutes Beispiel ist der "Ökologische Fußabdruck".

2

Haben ökonomische Schulen etwas dazu gesagt oder ist es nur allgemeine historische Erfahrung, daß leicht ausbeutbare Ressourcen wie Öl oder Gas (oder Gold, Diamanten, etc.) die Entwicklung der diese besitzenden Länder negativ beeinflussen (etwa das Bürgerkriegsrisiko steigern, weil es Aufständischen den bewaffneten Kampf finanziert), so z.B. die Bildungs- und Qualifizierungsanstrengungen unterminieren (gute derzeitige Beispiele wären Rußland, Nigeria oder der Kongo), etc.? Bzw: Gibt es Zusammenhänge zwischen wirtschaftlicher Interdependenz und Konflikt-Minimierung?

3

Wie kann der Zusammenhang wirtschaftlicher Interessen und politisch-staatlicher Macht beschrieben, gesteuert und kontrolliert werden?

4

Wie können Versuche des Erhalts von Besitzständen wie etwa von (älteren) Industrien gegen neue Wettbewerber (etwa mit effizienterer Technik und/oder niedrigeren Preisen von außerhalb der eigenen Wirtschaftszone) beschrieben, gesteuert und kontrolliert werden?

5

Moderne Fragestellung: Unter welchen Bedingungen ist ein Gleichgewicht der Wischaftspläne von unabhängig Handelnden denkbar? Ist ein solches überhaupt wünschenswert?
Klassische Fragestellung: Ist eine nicht-autoritäre Sozialordnung faktisch möglich, eine Ordnung, die Freiheit und Wohlstand für alle Glieder bereithält?

6

Warum kann/will/darf sich die Ökonomie nicht vom Wachstumsparadigma lösen, bzw. nur qualitativ denken?

7

Wie müßten erste Schritte auf ein europäisches Alternativmodell zur Globalisierung aussehen? Dazu kann man einige eher zufällige Charakteristika nennen: Zwar sehr sensibel aber trotzdem zentral gesteuerte regionale Produktion für regionale sowie kulturelle, wissenschaftliche und soziale Bedürfnisse mit regionalem Recycling … damit Rohstoff-Ökonomie (u.a. Verkehrsreduktion) … zu der auch andere Ansätze wie z.B. regenerative Energien, Positivhäuser, etc., kurz Nachhaltigkeit, gehören …
(dahinter steckt auch die Frage nach dem Sinn von Wirtschaftsunionen, bzw. die, ob solche nur rein wirtschaftlich überhaupt nachhaltig sein können und nicht vielmehr polit-ökonomisch sein müssen? - die Frage der "Einbettung").

8

In wie weit sind Ideen wie die sozio-ökologischen und Balance-Ansätze … gekoppelt mit Welt-Marshall-Plänen … schon praxistauglich aufbereitet worden? Aber auch Ansätze wie die Tobin-Steuer, etc. …

9

Hat Stieglitz Kritik an der Durchführung der Globalisierung, nicht aber an deren Theorie, recht oder gibt es auch (und wenn ja, welche) theoretische Kritik an deren Theorie?

10

Warum wurde "Klima" unter Ökonomen bislang kaum diskutiert? Gehört Klima (Luft, Wärme, Regen und Wasser, Energie, etc.) nur zum Thema "knappe Güter" oder auch zu "global commons" sowie zur "Überlebensökonomie"?

11

Können ökonomische Mechanismen zu nachhaltiger Klimastabilität beitragen, und wenn ja, wie? Bzw. umgekehrt: Welche ökonomischen Mechanismen tragen zu nicht-nachhaltigem Klimawandel bei?

12

In wie weit läßt sich die Ökonomisierung (Profitalisierung, Handel- und Tausch-bar- Machung) aller menschlichen und natürlichen Lebensbereiche durchhalten/ begrenzen? Also beispielsweise Kunst und Kultur oder geistiges Eigentum, etc.

13

Ist Rüstungs-Ökonomik für unsere Arbeit ein sinnvoller Begriff? Bzw.: Warum wundern sich die USA als die größten Rüstungsgüter-Exporteure über Angriffe gegen sich? Und oft genug sogar militärisch mit von ihnen gelieferten Waffen …

14

Hat die Ökonomie ethische Argumente … kann sie (bzw., und sehr spezifisch; die Chicago-Schule) überhaupt welche haben? Dazu sei an die Adam Smith'sche "Theorie ethischer Gefühle" erinnert … (s. dazu insb. W. Meyer, "Grundlagen …", Abschnitt IV, Ökonomie und Moral). Was sagt sie zur Bewegung "Ethical Markets" (initiiert durch Hazel Henderson)?

15

Klassisch schließen sich Wettbewerb und "information disclosure" aus. Annalee Saxenian zeigt in ihrem Buch "Regional Advantage - Culture and Competition in Silicon Valley and Route 128" das Gegenteil.

16

Nimmt die Ökonomie (zumindest die, die sich mit Welt- oder Global-Wirtschaft beschäftigt) Kenntnis von der Begrenztheit der Ressourcen unserer Erde (unseres Planeten)? Und wenn nicht, warum nicht? Bzw.: Was meint sie zum immer schnelleren Anwachsen des Rohstoffverbrauchs, das schon seit langem, und ebenfalls ansteigend, die natürliche Neubildung von Rohstoffen übersteigt? - Lebten wir in den 70er Jahren in manchen Sektoren noch innerhalb der Naturgrenzen, so haben wir heute ein fast allgemeines "Overshooting".

17

Weil Wirtschaftsvertreter (und das sind nicht wirklich "Ökonomen" ! ) die Vorteile der "Economy of scale" sowie der Standardisierung (vor allem in Ländern mit geringen Umweltstandards) so sehr wirksam über PR anpreisen, bzw. sie als die einzige wirklich zeitgemäße (Überlebens-) Methode hinstellen, wird so wenig über deren negative Folgen wie Transport/Verkehr und deren Klimafolgen, schlechte bis gefährliche Qualität, Arbeitsplätze- und Kaufkraft- Verluste zu Hause, etc. berichtet … jetzt werden ja sogar schon die Labors verlegt … sägen sich die know-how- und kapital-exportierenden Länder nicht langfristig den Ast ab, auf dem sie sitzen?

18

In der Wissenschafts- und Technologie- Forschung ist unumstritten, daß langfristig auf "Grundlagenforschung" nicht verzichtet werden kann, privatwirtschaftliche F&E - Finanzierung diese aber kaum je gefördert hat. Was ist - ökonomisch-theoretisch - dazu zu sagen? Marktversagen, wie beim Klima? Aufgabe des Staates, etc. …
Und: Werden der technologische Fortschritt und die Innovationen "ewig" fortschreiten?

19

Wie weit tragen ökonomische Rechtfertigungen ökonomischer Ziele wie z.B. Marktdominanz, Technologieführerschaft, Produktivitäts-Champion, Ertragsmaximierung, etc. gegenüber Zielen aus politischen (strategischen), karitativen oder kulturellen Bereichen oder aus Sicherheitsgründen?

20

Ökonomen wie Milton Friedmann haben nicht nur empfohlen, den Wehrdienst und staatliche Schulen abzuschaffen sondern wollten auch Drogen legalisieren … und Zentralbanken führten Friedmanns Empfehlung auf Geldmengensteuerung erfolgreich aus. Haben seine Schüler oder andere Ökonomen Grenzen seiner Lehre angeführt? Und was sagen sie zur Idee einer Weltwährung?

21

Warum ist es um Modelle und Weltmodelle in letzte Zeit still geworden? Läßt sich das wirtschaftliche Geschehen doch nicht in nur "einem" Modell abbilden? Die zentrale Problematik scheint darin zu liegen, sich nicht in der Vielzahl von Einflußfaktoren zu verstricken sondern sich auf die maßgeblichen Faktoren zu beschränken. Der Streit scheint wohl darum zu gehen, welche dies sind (Clive W.J. Granger erhielt 2004 für sein diesbezügliches Lebenswerk den Ökonomie-Nobelpreis)

22

Geht es bei "Größen" wie dem geplanten Zusammenschluß des Merc (Chicago Mercantile Exchange) mit dem CBOT (Chicago Board of Trade) zur CME Group mit einem geschätzten täglichen Handelsnominalwert von rund $ 4 200 Milliarden tatsächlich noch um Ökonomie oder nur noch um Macht und Einfluß? Und der 74jährige eigentliche Drahtzieher der Merc, Leo Melamed, hat mit China noch größeres im Sinn (so soll er bei einem Interview gesagt haben <DieZEIT 51/06>)

23

Nach Axel Ockenfels, einem der Jungstars der deutschen Ökonomieszene, sollte die Ökonomie den homo oeconomicus begraben. Hieße dies das Ende der Ökonomie als eigenständiger Wissenschaft und das Einverständnis zu einer multidisziplinären Systemwissenschaft? Auch das erneute Versagen ökonomischer (hier besser: finanzwissenschaftlicher) Modelle in der jüngsten Krise legt dies nahe. … gibt es aber weltweit nur gleichartige System, für die eine Systemwissenschaft Instrumente liefern würde (siehe z.B. die Theorien von Amartya Sen im Hinblick auf Entwicklungsländer)?

24

Wie lange werden sich die Wirtschaftspartnerstaaten der USA noch mit der Finanzierung des US-Überkonsums durch sie abfinden (der von einigen Ökonomen als Motor der Globalisierung interpretiert wird), bzw. wann platzt die längst von reale Produktion abgekoppelte Weltfinanzblase (www.sandersresearch.com: Carlton Meyer, The Yellow Man's Burden, August 30, 2007)?

25

Welche Antworten hat die Ökonomie auf Phänomene wie: Menschen setzen sich selbstlos für Frieden, die Wahrheit (Sacharow, Vanunu) oder für die Pugwash - Bewegung (Verhinderung des kollektiven Selbstmords der Menschheit, etwa durch den durch Atombomben erzeugten "Nuklearen Winter") ein? Oder Ärzte für "Ärzte ohne Grenzen", IPPNW, etc.?

26

Kriege können viele Ursachen haben und hatten historisch viele verschiedene. Ökonomische waren auch darunter. Kann die Ökonomie mit "Krieg um Anerkennung" etwas anfangen (dieser Ansatz wird etwa von Thomas Lindemann und Michel-Louis Martin, Bordeaux, vertreten)

27

In wie weit ist der Neoliberalismus eine reine Wirtschaftstheorie? Oder ist er auch eine Gesellschaftstheorie oder sogar eine (Ersatz-) Religion?
(s. Butterwegge et al. als auch Boettke et al.)

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d. Ökonomische Forschungsprogramme
d.1. Plurale Ökonomie
d.2. Gemeinwohl in Gesellschaften des Privateigentums als "Qualitative Wertschöpfung"
d.3. Ökologisch-Ökonomische Gründe von Kriegen
d.4. Ökonomie und Sinnenbewußtsein
d.5. Ideengeschichte, von den heutigen Problemen her

d.1. Plurale Ökonomie
Die Hauptthese bringt die Tatsache zu Bewußtsein, daß die industriell-kapitalistische Wirtschaft auch heute noch selbst in den hochentwickelten Gesellschaften nur einen Sektor darstellt. Sie nimmt zwar in Praxis und Theorie eine hegemoniale Stellung ein; Leben und Überleben wären ab er ohne die anderen Schichten nicht möglich. Subsistenzwirtschaftliche Formen bilden im Westen weiterhin entscheidende, wenn auch wesentlich unbeachtete oder nur ausgebeutete Sektoren, die allerdings mit dem Ruf nach mehr Regionalbindung von Produktion und Verbrauch, nach mehr bürgerschaftlichem En-gagement, mit neuen Tauschformen usw. an Bedeutung gewinnen. Im Weltmaßstab schätzte die UNO noch in den letzten Jahren, daß über die Hälfte aller wirtschaftlichen Leistungen außerhalb der monetären Erfassung erbracht werden.
Diesen Zusammenhängen gilt es, historisch wie aktuell und perspektivisch unter verschiedenen Gesichtspunkten nachzugehen. Besonders interessant sind die Kreisläufe auf lokalem, regionalem bis globalem Niveau und die Chancen und Probleme ihrer Beziehungen zueinander. Dabei muß grundlegend erkannt und kritisiert werden, daß die Trumansche Entwicklungsdoktrin in Wirklichkeit den weltweiten Kreuzzug für den industriell-kapitalistischen Sektor propagiert. Auch die unterschiedlichen Schichten des Wissens und des Bewußtseins sind angemessen zu würdigen. Es gibt eben nicht nur die ökonomische Motivation egoistischer Durchsetzung, sondern auch die Beweggründe der Zuversicht, des Vertrauens und der Achtung, die Robert Jung immer ermutigt sehen wollte. (vgl. die Väter der klassischen Markttheorie)

d.2. Gemeinwohl in Gesellschaften des Privateigentums als "Qualitative Wertschöpfung"
An praktischen Modellen wie der Regionalwert A.G. Eichstetten oder der Energieautonomie von Jünde sind Bedingungen und Formen eines Lebens von und für Nachhaltigkeit auf allen Ebenen zu bestimmen: ökologisch, sozial, menschlich, betriebswirtschaftlich …
Solche Nachhaltigkeit muß in ihrer Spannung gegenüber globalen Abhängigkeiten analysiert und gestärkt werden. Dabei ist ein besonders wichtiges Thema, wie durch Dezentralisierung ermöglicht werden kann, daß Menschen (wieder) sinnvoll eigene Verantwortung übernehmen und wie solche "Binnengesellschaften" in die weitere Gesellschaft hin-einwirken können. Die Organisationsformen in den Betrieben und, entsprechend, in der Gesellschaft sind zu untersuchen und zu gestalten.
Bewertungsfragen spielen eine große Rolle. Rein monetäre und quantitative Messungen sollen nicht absolut und isoliert gelten, wie es eigentlich jede wissenschaftliche Betrachtungsweise erfordert. Wie können aber qualitative Maßstäbe aufgestellt und benannt werden? Begrifflichkeiten, Kriterien, Parameter müssen komplexen Sachzusammenhängen, z.B. langfristigen Aufbaus von Bodenqualität, Ausdruck geben. Ausbildung und Bildung der beteiligten Menschen durch ihre Arbeit, bzw. Zusammenarbeit wird weitgehend überhaupt nur in Erzählungen dargestellt werden können, nicht in den ersatzweise üblichen Tabellen.
Besonders schwierig stellt sich die zugleich unerläßliche Aufgabe dar, Schwellen zu konzipieren, die die neuen qualitativ arbeitenden Enklaven gegen Ausbeutung und Übernahme durch das ausschließlich auf Profitmaximierung ausgerichtete Umfeld schützen, aber gedeihlichen Austausch, sinnvolle Ergänzung, notwendige Durchlässigkeit gewährleisten. Ein Beispiel ist die Möglichkeit der Aktiengesellschaft vinkulierte Namensaktien auszugeben. Da dies aber nicht ausreichen kann, muß eine zusätzliche Bindung an den Boden eingebaut werden (siehe Eichstetten). Die Möglichkeit, alternative Stromeinheiten ins allgemeine, privatwirtschaftliche Netz abzugeben oder aus ihm in bestimmten Situationen Energie zu entnehmen, muß genau geregelt und garantiert werden (siehe Jünde u.ä.).
Neue Terminologien, juristische Barrieren usw. müssen auf die Erfordernisse dieser Verhältnisse ausgearbeitet werden, in denen unterschiedliche Wirtschafsformen gesellschaftlich verbunden sind.

d.3. Ökologisch-Ökonomische Gründe von Kriegen
("Krieg und Ökonomie" - " Krieg gegen die Natur")
Dies sind zunächst drei Themenbereiche.
Zerstörung der Natur in einer bestimmten Weltgegend führt sowohl zu Not und Flucht wie auch zur Gefahr von Krieg, bzw. unmittelbaren kriegerischen Handlungen. Streit zwischen Ländern um Ressourcen, Wasser ist nicht die einzige, aber vielleicht heute die wichtigste, führt zu kriegsähnlichen, potentiell offen kriegerischen Zuständen. Jeder hat die Varianten von Palästina bis Südamerika vor Augen.
Der zweite Bereich sind Feindschaften zwischen Ländern und innerhalb von Ländern, die ökonomisch begründet und verursacht sind. Sie sind oft fokussiert um Staudammprojekte, Pipelines und dergleichen mehr.
Drittens ist ökonomisch motiviertes Handeln als Verursacher sowohl ökologischer wie sozialer, territorialer und anderer Probleme zu analysieren. Dabei fallen als erste die Expansionsdynamik von Kapital, ungehemmt durch Berücksichtigung anderer Interessen, und der Primat von Profit vor allen Belastungen der Lebensformen in Natur und Gesellschaft auf. So sind die ökologischen wie die ökonomisch-politischen Probleme zu untersuchen auf falsche Konzeptionen von Ökonomie, die den Bedürfnissen und Zielen von Nachhaltigkeit und Pfleglichkeit widersprechen. Ökonomie muß nicht nur betriebswirtschaftlich nach Erfolgen fragen, sondern Überlegungen und Entscheidungen als ihre ureigenste Sache erkennen, wofür und für wen Erfolge erarbeitet werden sollen.

d.4. Ökonomie und Sinnenbewußtsein
Wir sammeln Beispiele für die Bedeutung der Sinnesvermögen in ökonomischen Zusammenhängen. Die Menschen sind in den Reproduktionsbereichen Städter ohne wesentliche Abhängigkeit und Wirkungsmöglichkeiten gegenüber der Natur, aber auch weitgehend ohne handwerkliche Bildung. In der Produktion sind die Sinnesorgane gar nicht gefragt oder werden nur mittelbar gefordert. (Vgl. z.B. Richard Sennet, Crafts versus Do it yourself) Die Ökonomie braucht aber das Bewußtsein der Sinnesorgane sowohl in der Produktion wie im Konsum; ohne dies sind Entscheidungsfähigkeit und Verantwortung nicht möglich, u.zw. gegenüber der sozialen und der naturbedingten Mitwelt wie gegenüber sich selbst. Ökonomie kann demokratisch nur von Menschen und für Menschen sein, die ihre Arbeits- und Kommunikationsbeziehungen, ihre Leistungen und ihre Genußfähigkeit im Vollbesitz aller ihrer Vermögen ausbilden.
Entsprechend muß das Sinnenbewußtsein - das heißt, der bewußte Umgang mit den Sinnen ebenso wie die Ausbildung des Bewußtseins durch die Tätigkeiten der Sinne - ökonomisch hoffähig gemacht werden. Dies ist eine wesentliche Dimension von Nachhaltigkeit durch Vielfalt, eben auch in der Geschichte und der Reichweite der Menschen als einzelnen und in ihren Gruppierungen: Wahrnehmung - Empfinden - Gefühl als eigene Dimension von Urteilskraft und Mündigkeit (vgl. Joseph Oppenheimers sinnliche Pädagogik für eine demokratische Gesellschaftsbildung)

d.5. Ideengeschichte, von den heutigen Problemen her
Die Ablösung vom sinnlich Wahrnehmbaren und ihre problematischen Konsequenzen werden deutlich z.B. an Biswangers Kritik der "Maschine" als Wirtschaftsmodell, der Finanzwelt, die Geld von der Welt der Produktion, der Waren (Marx' Formel G-W-G) und der Dinge "emanzipiert". Diese Tendenzen werden in dem Begriff einer "Naturvergessenheit der Ökonomie" zusammengefaßt (eigentlich seit dem "Tableau" der Physiokraten).
Die Veränderungen unserer Anthropologie durch die moderner Ökonomie sind bislang systematisch nur unzureihend untersucht worden (vgl. z.B. Behaviourismus).
An Hand "verdrängter" Autoren wie Ota Sik, der jugoslawischen "Praxis"-Gruppe, Oskar Lange, Julius Nierere u.a. afrikanischen Politikern läßt sich eine "Gemeinschaftsvergessenheit der Ökonomie" darstellen (vgl. David Corton, The Postcorporate World).
Die weitgehend kritisierte Beschleunigung hat ihre spezifischen Ursachen und Erscheinungsweisen in der Ökonomie. Nur selten wird auf deren Aporien verwiesen (vgl. Binswanger).
Neue Technologien werden als "Stellschrauben" begrüßt und implementiert.
Wo wird thematisiert und berücksichtigt, daß die verschiedenen Schichten der Wirklichkeit sich nur im Vollzug von Kreisläufen erneuern können? Dies ist ein besonders qualitatives Beispiel dafür, daß die herrschenden Theorievorstellungen fatal unterkomplex sind und dies nicht radikal genug reflektiert wird (auch das "systemische Denken" verzichtet nicht auf kybernetische Vorgaben, die den Prozessen fremd bleiben.)

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III. Wissenschafts- und technologische- Entwicklung

Menge, Art und Komplexität sowie Ortsansässigkeit des Wissens hat sich extrem verändert und die Änderungsgeschwindigkeit steigt stetig. Versuche, den Kosmos unseres Wissens und Könnens durch Klassifikationsmerkmale, die die aus früheren Jahrhunderten stammenden Disziplinen oder Fakultäten entwickelten, zu beschreiben, führen nicht mehr weiter; Globale Problemlösungs-Not-Wendigkeiten erzwingen oft bislang noch unbekannte Kooperationen zwischen "Ansätzen", die über das jeweils zu bearbeitende Problem Hinausgehendes wecken und zu neuen und langfristigen Kooperationen führen.

Ein spezielles und neuartiges Wissen und Können ist das sich ebenfalls extrem rasch vermehrende und (aus-) differenzierende "Zukunfts-Wissen". Das ist ein Wissen und Können, von dem wir heute ziemlich sicher wissen, daß es in Zukunft nicht ohne es wird gehen können, beispielsweise Mikrogenetik, Nanotechnologie, Raumfahrt oder Ernährungs- und Gesundheitswissenschaften, etc.
Dieses Wissen ist zugleich (oder enthält) eine Vision: Friedliche Kooperation unter den Zukunftsforschern und wissenschaftlichen Institutionen der verschiedensten regionalen, nationalen und kulturellen Ursprünge zur Lösung von Problemen der unterschiedlichsten Art, mit unterschiedlichsten Mitteln und Dauern, mit erheblichen Kosten und in den unterschiedlichsten Formen inter- und trans- nationaler Übereinkommen.
Die Vision reklamiert, zentral zur gesellschaftlichen Selbstreflexion über Wissenschaft und Technologieentwicklung beizutragen. Könnte diese denn nicht von den Akademien oder die Leitungsgremien der Wissenschaftsorganisationen übernommen werden? Nein, denn sie vertreten eher nur (Standes-) Interessen. Oder von Institutionen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft? Auch nicht, denn sie ist viel zu hochschullastig … und Hochschulen sind oft schlichtweg langweilig. Es ist gerade dieser Mix aus (freiwilliger Übernahme von) Verantwortung, "Bekenntnislosigkeit", "Frühwarnung", Aufarbeitung unterdrückter Historie, Modernität (aber nicht Heilsversprechung) und Internationalität, Suche nach Notwendigkeiten, etc., der begleitet wird von (vollkommener) Unabhängigkeit (zur Suche und Bekundung von "Wahrheit"), der die Einmaligkeit und die immer dringlicher werdende Notwendigkeit unsere Ansatzes ausmacht.
Unsere "Vision" bedeutet zugleich ein permanentes Revisionsverfahren bzw. Konkretisierungen von Handlungen, die sich durch stetiges Abwägen von Erfordernissen der Kontinuität und der Veränderung (Progressivität), des Miteinander, Pluralismus und Gegeneinander (z.B. von "Gegenforschung" und entsprechenden Strukturen und Finanzierungen), von Friede und Konflikt oder (erzwungener) Konkurrenz, von Grundrechten und Demokratie auch innerhalb des F&E Systems (dem sich, in Maßen, auch die nicht-staatlich finanzierte F&E zu unterwerfen hat) auszeichnen.

Klassische Wissenschaften hatten sich kaum mit Fragen des Gleichgewichts in Bereichen wie Luft, Böden, Wässern, Vegetation, Wälder und Klima beschäftigt, bis hin zum Verdacht, daß die klassischen Natur-Wissenschaften letztlich nur wenig zu Lösungen der globalen Öko-Krise bzw. zur Rettung unseres Planeten vor der Selbstvernichtung beitragen können oder werden. Ansätze wie diese, aber auch frühere wie die Kybernetik und die Systemwissenschaften oder die heutigen Versuche zur Komplexität oder zur Konvergenz, können als Versuche zur Schaffung neuer Meta-Wissenschaften bezeichnet werden.

Heutige Erkenntnis in fast allen Wissens- und Könnens- Gebieten spricht nur mehr von nichtlinearen offenen Prozessen, nicht mehr von linearen Kausalketten. Überall handelt es sich nicht mehr nur um objektiv untersuchbare "Objekte", sondern darum, daß Menschen mit ihren verschiedenen sozialen und kulturellen Herkünften, ihrem Subjektcharakter und ihrem Bewußtsein an diesen Objekten beteiligt sind. Sich ihrer selbst bewußt gewordene Menschen stellen in offenen Systemen Sinn- und Zufalls- Fragen und erweisen sich dadurch Deterministen gegenüber weit überlegen. "Um Leben zu untersuchen muß man sich am Leben beteiligen". Andreas Weber spricht in seiner "Revolution der Lebenswissenschaften" davon, daß die Organisationsformen und Vernetzungen der irdischen Lebenswelt Ausdruck eines immer neuen unermüdlichen Selbst-Sein-Wollens seien. … Und es sei hier auch auf die besondere Variante der westlich / abendländischen Wissenschaft, auf die außerordentlich erfolgreiche und für Forscher aus aller Welt durch die Wahl Obamas wieder attraktive (pragmatische und renditenorientierte) USA verwiesen, die sich zunehmend kritischen Fragen und Ansätzen aus all den vielen Kulturen gegenübersieht, in denen jetzt auch selbst geforscht und entwickelt wird. Nicht nur gehört sie immer noch zu den produktivsten, kreativsten und innovationsreichsten Staaten, sondern es kommen auch viele kritische Fragen an sie selbst aus ihrem eigenen Innersten heraus.
Nicht alles Unbekannte muß, klassisch gesprochen, "meßbar" sein, um erforscht werden zu können. Denn es gibt in der menschlichen Wahrnehmungsfähigkeit analytische Fähigkeiten (wie z.B. das Unbewußte), die sich wissenschaftlich als äußerst produktiv erwiesen haben und mitnichten vernachlässigt oder gar stigmatisiert werden sollten (siehe beispielsweise Max Wertheimers Analyse des Denkens von Albert Einstein.

(Die) Visionäre kooperieren und vernetzen sich über die Grenzen ihrer Fachdisziplinen hinweg insbesondere dadurch, daß sie transparente und herrschaftsfreie (inter-wissenschaftliche) Dialoge führen und ebensolchen Austausch von Methoden und Erkenntnissen pflegen, sowie diese der Öffentlichkeit vermitteln (die Umsetzungsfrage). Sie fühlen sich für die gesellschaftlichen Folgen sowohl ihrer Handlungen (als auch ihrer nicht durchgeführten Handlungen) verantwortlich und fragen sich konstant, was jeder Einzelne von ihnen zum Wohl des Ganzen beitragen kann bzw. ob es schon reicht, nur durch Verbreitung wissenschaftlichen Wissens und technologischen Könnens Veränderungen anzustreben. Deswegen schätzen sie Ansätze mit gleichermaßen ganzheitlicher und wahr-nehmender Me-thode.

Wissenschaftliche Forschung und ihre technologischen Umsetzungen greifen immer rücksichtsloser in alle heutigen und viele kommende Lebensformen von Mensch und Natur ein, oft ohne sich im geringsten um Folgewirkungen zu kümmern (dies ist, u.a., auch die Frage der Verantwortung gegenüber unseren Kindern). Es herrscht "Krieg gegen die Natur". Wenn die Natur jedoch mal zurückschlägt, herrscht allgemeine Ratlosigkeit! Deswegen hinterfragen furchtlose Visionäre Herrschaftswissen epistemologisch und ideologiekritisch und fordern und fördern, was, oft diffamierend, "weibliche Wissenschaft" genannt wird.

Wissenschaftler & Technologieentwickler bestimmen Glück und Zukunft der Menschheit ebenso wie den Frieden zwischen den Menschen entscheidend mit und sind deswegen auch mit verantwortlich. Zudem haben sie, wie wenige andere, Wissen und Macht über die Natur. Viele von ihnen waren oder sind am Zustandekommen der von der Selbstzerstörung bedrohten heutigen globalen Struktur ("der" Problématique) beteiligt. Aus dieser Verantwortung ergibt sich die Verpflichtung, an der Bewältigung der alle anderen Probleme überwölbenden Problématique im vollen Bewußtsein darüber mitzuarbeiten, daß dies immer Auswirkungen auf die Gesellschaften, Staaten und Kulturen unserer Erde hat und daß deren Reaktionen möglichst demokratisch mit einzubeziehen sind.

Wissenschaftlich fundierte Zukunftsstudien sind nötig, um zu analysieren, was - hoffentlich - noch abwendbar sein könnte, und, gegebenenfalls, wie. Dazu sollten möglichst viele Wissenschaftler und Entwicklungsingenieur aus Natur-, Geistes-, Sozial- und Technologie- Wissenschaften mit all ihren Kräften und Expertisefähigkeiten beitragen.

Um nur einige dieser Probleme zu benennen: Folgt die Menschheit dem gegenwärtigen Trend wachsender Gewalt gegen Menschen und die Natur, sind katastrophale Auswirkungen auf die heutigen Lebensgrundlagen sowie auf die Lebensgrundlage der nächsten Generationen unvermeidbar. Die globalen Umweltbedrohungen eskalieren ebenso exponentiell wie die Ungleichverteilung zwischen Armen und Reichen, zu der sich die gegenwärtig führende ökonomische Theorie ausdrücklich bekennt. Militärische Auseinandersetzungen und andere Formen der Gewalt nehmen ebenfalls wieder stark zu. Die Grenzen des ökonomischen Wachstums sind erreicht oder bereits überschritten. Die Bedrohung der Geobiosphäre kann evidenter kaum mehr werden.
In summa: Die Chancen zum Überleben der Menschheit und aller Organismen auf unserem Planeten nehmen stetig ab … die Wissenschafter und Technologieentwickler haben jedoch bislang nur vollkommen disproportional, wenn überhaupt, reagiert, obwohl in so gut wie jeder Satzung der entsprechenden Vereine steht, daß es Aufgabe kritischer Wissenschaft sei, geopolitisches Frühwarnsystem für Gesellschaft und Politik im Hinblick auf Fehlentwicklungen und Mißbrauch von Wis-senschaft und Technik zu sein.

Wahrer Fortschritt in Wissenschaft und Technologie ging bislang stets auf freie und eigenverantwortliche Forschung und Entwicklung zurück. Umgekehrt aber kann auch die Forderung nach Forschungsfreiheit nur dann überzeugend sein, wenn Wissenschaft und Technologie immer wieder neu Zeugnis für die übernommene Mitverantwortung für die Erhaltung des Friedens und der natürlichen Lebensgrundlagen für derzeitige und kommende Generationen von Menschen, Fauna und Flora ablegen. - Theorie und Praxis der Freiheit der öffentlichen wissenschaftlichen Debatte und der Freiheit der Meinungsäußerung in allen Bereichen der Gesellschaft gehörten zu den höchsten Gütern. - Auch frühe Warner und Whistleblower sind unabdinglich und sollten höchste gesellschaftliche Anerkennung erfahren.

In Forschung und Lehre ebenso wie in der Öffentlichkeitsarbeit der Forschungs- Technologieentwicklungs- und Bildungs- Stätten sind leider weder

a) der doppelt aufmerksam-kritische Blick sowohl auf das eigene Fachgebiet als auch über dessen Tellerrand hinaus, noch
b) die Anleitung zum interdisziplinären Diskurs in allen Teilbereichen des Wissenschafts- und Technologie- Systems

selbstverständlich. Und so gut wie ausgeschlossen sind Fragen nach Gefühlen bei Wissenschaftlern und Technologieentwicklern, von "Glück" erst gar nicht zu sprechen. Wesentlich sind die Ermutigung und moralische Unterstützung von Schülern, Studierenden und jungen Wissenschaftlern zur kritischen Hinterfragung der aktuellen und potentiellen Folgen ihrer Aktivitäten sowie die Umsetzung moralischer Forderungen in der Praxis. Einer der wichtigsten Katalysatoren ist dabei das Vorbild älterer Wissenschaftler, Forscher und Entwickler.

Vor welcher Instanz haben wir alle uns / haben sich alle Funktionsträger / Bürger dieser Erde zu verantworten? Vor den von Ungerechtigkeit und Gewalt betroffenen Mitmenschen sowie vor dem Leben in unserer Geobiosphäre insgesamt, insbesondere jedoch vor unseren Kindern und späteren Generationen.
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IV. Prolegomena zu einer Theorie des 21. Jahrhunderts

Wer zu Beginn eines Jahrhunderts eine Theorie über dessen "in naher Zukunft" liegenden Hundert Jahre zu schreiben wagt (es gab und gibt auch Theorien zum dritten Jahrtausend), muß einerseits damit rechnen, von der Geschichte deklassiert zu werden, könnte aber, andererseits, dieses auch, ggf. vielleicht sogar entscheidend, beeinflussen. Die Deklassierungsgefahr ist um so realer, je mehr stimmt, daß sich die Zeiten immer schneller wandeln (es gibt viele "technische" Neuerungen, die vor wenigen Jahren niemand zu denken gewagt hätte, wie Verkehrsnavigatoren, Medikamente (etwa gegen Aids) oder längere Lebenserwartungen, etc.).
Dennoch scheinen die sich exponentiell entwickelnden Grundlagen [5] von so langfristiger Art zu sein, daß man ohne Weiteres von ihrer jahrhundertelangen Bedeutung ausgehen kann [6]. - Ich erwähne weiter, insb. um nicht dem Vorwurf der Techniklastigkeit ausgesetzt zu sein, die sich immer stärker herausbildenden neuen Machtzentren unserer Welt, wie z.B. Brasilien, China, Indien oder Rußland, also eine Welt-Mehr-Polarität, der man, mit Blick auf die Geschichte, zumindest keinen Jahrtausende langen Bestand zubilligen sollte; oder die äußert vielfältigen und hochkomplexen des Weltklimas, die uns, nun umgekehrt, bestimmt viele Jahrhunderte … wenn nicht viel länger … begleiten werden.

Wir leben, denken, fühlen und schreiben aus dem europäisch-okzidentalen Kulturkreis heraus und sind uns bewußt, daß wir unsere Abstammungsprägung nur in Grenzen, also z.B. durch Reisen, längere Aufenthalten in anderen Kulturregionen und Sprachkenntnisse, etc. abschwächen können. - Wir nehmen die Prägung unseres Denkens außerordentlich ernst!

Dennoch, bzw., obwohl z. Z. mal wieder Kulturpessimismus dominiert: die okzidentale geopolitische Kultureuphorie wird die Theorie des 21. Jahrhunderts bestimmen: Wahrhaft massenweise Freisetzung menschlicher Kreativität / Innovation auf Basis verschiedenster sozio-kultureller Hintergründe und anerkannter Gleichwertigkeit führt zu neuen und neuartigen Chancen für Frieden und gemeinsame Entwicklung … und es wird zu keinem "Weltuntergang / Doomsday" kommen.

Ein Ergebnis des "Converging Technologies Ansatzes" (oder der Kombination von Gen-, Nano- und Cogno- Wissenschaften … und anderen) werden immer neue Varianten des Homo Sapiens sein: jeder neue Intelligenz-Zuwachs bis Sprung wird dazu genutzt werden, die (nano-) biologische Hardware-Grundlage der jeweilig führenden Homo Sapiens Art weiter zu entwickeln … möglicherweise ein progressus ad infinitum, es sei denn, die Sinnfrage wird gestellt und mit "es ist gut und genug" bzw. mit Selbstzufriedenheit oder gar Stolz beantwortet … "wie haben wir es doch so weit gebracht"! Was aber nicht bedeutet, daß der progressus ad infinitum nicht später (in späteren Jahrhunderten) doch wieder aufgenommen werden könnte (wenn sich wieder genügend Fragen stellen, Probleme zu Lösungen anstehen, Unzufriedenheit und Unruhe erneut um sich greifen werden) … wenn solche "menschlichen Aspekte" (von heute aus gesehen) dann überhaupt noch wirkungsmächtig sein können?

Jede mögliche "Theorie des 20. Jahrhunderts" oder jede "Verwissenschaftlichung von Komplexität" hat eine Größenordnung, die geradezu dazu herausfordert, jeder Sorte von Verschleierung Vorschub zu leisten (was die

Gründe für sie auch immer gewesen sein mögen), z.B. den Machtverhältnissen (insbesondere auf Grund von Kapitalien). - Andere Theorieteile könnten z.B. die weibliche Gesellschaftshälfte betreffen, denn diese wird am meisten von den längeren Kondratieff-Zyklen profitieren … bzw. die Bevölkerungsentwicklung auf eine Reduktion der Erd-Gesamt-Bevölkerung ebenso hintrimmen wie auf bessere Gesundheit von jeder- mann / frau, etc.. - Oder werden sich neue Intelligenzen ein Stell-Dich-Ein in der Welt-Gesellschaftgeschichte geben, oder längere Lebenszeiten … und Nachwuchs-Zeugungen werden einer Erlaubnis bedürfen, die nach strengen Zielkriterien verfährt.

Bleiben die Analysen dagegen klassisch, drängen sich Überlegungen der folgenden Art beinahe von alleine auf: Neue Welt-Macht-Systeme werden, nach über 500 Jahren des okzidentalen Welt-Macht-Systems, entstehen. Als fast schon wahrscheinlich muß angenommen werden, daß der Okzident in diesen Systemen vom führenden Teil zu einem Teil unter anderen degradieren wird (China, Indien, S-O-Asien unter japanischer Hegemonie, Muslimischer Block, Okzident und Russische Föderation) bzw. sogar noch weiter in mehrere Teile (z.B. Europa versus Nordamerika/NAFTA, sowie Brasilien, etc.) zerfällt.


Interessen und/oder Intentionen unterschiedlicher Sorten von Geopolitik
Politikfeld "Wissenschafts- und Technologie- Entwicklung"
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V. Schlußfolgerungen
Eine erste Schlußfolgerung wäre es, die Auswirkungen des neu aufgenommenen Politikfeldes "Wissenschaft und technologische Entwicklung für Jedermann" auf die "drei Szenarios zu zukünftigen Geopolitiken" (a.a.O.) zu untersuchen, sowie, an zumindest einem von ihnen, darzustellen, wie sein Weg in diesem von 2008 bis zum Jahr 2040, und von dort, über einen 30-jährigen Transitions-Zeitraum, bis 2070, sein könnte:

Schaubild - "Geo-Demokratie" sowie "Wissenschaft und Technologische
Entwicklungen für Jedermann/ -frau" in Szenario I

bzw. mit weniger Zeitbindung:
Die Menschheit wandelt sich epochal zu einem neuen Homo Sapiens unter völlig neuen Lebensbedingungen. Daß solche Änderungen nur mit Problemen und Reibungen vonstatten gehen können dürfte selbstverständlich sein. Auf keinen Fall jedoch haben die großtönenden Trend-Publizisten ("Forscher genannt zu werden verdienen sie nicht) in irgend einer Weise zu irgendeinem Fortschritt, und schon gar nicht zu irgendeinem "Glück der Erdenkinder" beigetragen, ja selbst zur gegenwärtigen Situation der Welt haben sie, außer über Moden und/oder Hipes, nichts zu berichten.
Aussagen, die wir im wahrsten Sinn als zukunftsforscherisch bezeichnen, sind immer mehr als die Summe von Aussagen zu Teilbereichen. Sie sind in ihrer jeweiligen Bedeutung kaum zu übertreffen. Von den zentral-einflußreichsten seien beispielhaft (und vollkommen unvollständig) hier nur erwähnt :
[7]


a. Die Theorie des 21. Jahrhunderts [8] weiß, daß
- alle Rohstoffe, egal welcher Art, die wir Menschen bislang gelernt haben, uns nutzbar zu machen, begrenzt sind, bzw. (nach einer gewissen Nutzungsdauer) bereits jetzt erschöpft sind oder es in Bälde sein werden;

- es bei knappen Rohstoffen häufig zu Verteilungskämpfen kommt. Wir bezeichnen Verteilungskämpfe aber heute als Verschmutzung bzw. als ökologisch nicht mehr verantwortbar;

- das 21. Jahrhundert nur mit friedlichen und partizipativen (entwicklungs-) politischen Verteilungssystemen "überleben" kann. … Es ist noch zu früh, Prinzipien für dieses aufzustellen. … Die Menschheit hat, um ihr (kollektives) Glück zu finden, noch lange Wege vor sich.

b. Seriöse wissenschaftsbasierte Forschungen über mögliche, denkbare und oder wahrscheinliche "Zukünfte"
- überlassen "schnelle und einfache" Antworten auf derartige "Problem- und System- Lagen" gerne den Kaffeesatzlesern und "Trendforschern" wie Matthias Horx;

- analysieren und bewerten langfristige (Krisen-)Potentiale, vergleichen sie mit Studien ähnlicher Art (z.B. aus früheren Zeiten) und bewerten ggf. deren Wahrscheinlichkeiten (wenn sie mutig ist und ihnen ausreichende Informationen vorliegen).

c. "Unsere" Zukunftsforschungs- Theorien und entsprechende praktische Umsetzungen antworten auf Fragen wie beispielsweise die, ob es zu einer Weltwirtschafts-Krise à la 1929 kommen wird, wie folgt: Neben Phänomenen, wie daß der Welt-Handel zu Teilen irrsinnig geworden ist und daß Klima-Realismus Anpassungserfordernisse an andere Klimate stellt, bergen Krisen generell sowie die Krise des Welt-Handel als auch der Klimawandel große und realisierbare Chancen zu(m)

O Haushalten mit der Natur O Sauberer zu leben

O Teil der Natur zu werden O Unnötiges zu lassen

O Besserer Verteilung von lebensnot- O Chancen für neue Arbeit
wendigen Gütern bzw. "global
commons"

Diese Chancen können nur genutzt werden, wenn sie von genügend Menschen vielerorts ergriffen werden … dann aber kann man hoffen, nicht nur ein neues "1929" vermeiden zu können, sondern in der Tat "ein neues Haus", neue Lebensbedingungen für einen neuen und sozial- und umwelt-verantwortlichen und hoffentlich auch "glücklichen" Homo Sapiens zu konstruieren.
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[1]

Das Europäische Parlament/der Europäische Rat beschlossen am 2006 das "Programm für lebenslanges Ler-nen" für die Jahre 2004-2013. Sein repräsentativster Teil ist das Grundtvig Programm. Dieses soll vor allem das europäische Bewußtsein und die Fähigkeit stärken, sich gesellschaftlichen Veränderungen anzupassen.zurück

[2]

Wissenschaft und technologische Entwicklung sind zwar oft nur indirekt im EU "Programm für lebenslanges Lernen" angesprochen, sind jedoch ohne deren Prinzipien und Intentionen undenkbar. Weswegen wir diesem, von uns hier zum ersten Mal skizzierten Bereich, die Überschrift "Grundtvig-H" gegeben haben zurück

[3]

Zum Begriff der Geopolitik: siehe meinen Aufsatz "Zukünftige Geopolitk mit Weltbürgerbeteiligung", in "Weltgewissen - Pannonisches Forum für Europäische Bildung in weltbürgerlicher Absicht", Forum Europahaus Burgenland, Nr. 14, August 2008 zurück

[4]

dazu Gideon Rachmann in obigem FT Artikel: … the US has neither the power nor the inclination to impose a new set of arrangements on the rest of the world. …Part of the European excitement going into Bretton Woods II is based on the idea that the age of American primacy is over - and a new multilateral era is dawning zurück

[5]

wie z.B. Gen- und Nano-Technologien, sowie die in Kürze zu erwartenden Entwicklungen wie das sich verselbständigende maschinelle Denken oder die maschinelle Intelligenz, die die menschliche in den Schatten stellen soll zurück

[6]

es sei denn, der Menschheit gelänge es nicht, ihre eigene Zivilisation zu überleben (survival), bzw. deren negative Folgen wie z.B. einen nuklearen Winter oder globale Klimakatastrophen etwa mit Temperaturanstiegen von mehr als 6 Grad zurück

[7] Zufallslistung, nicht von ihrer Bedeutung her gedacht zurück
[8] die Theorie des 21. Jahrhunderts ist eine Theorie sozio-ökologischer und sozio-ökonomischer Entwicklungen unserer Erde zurück

(Auswahl) Literatur

- Horst Afheldt, Wirtschaft, die arm macht, Verlag Antje Kunstmann, München, 2003, ISBN 3-88897-344-9
- Peter Bofinger, Wir sind besser als wir glauben, Pearson Studium, München, 2005, ISBN 3-8273-7138-4
- Peter Boettke, Christopher Coyne, Peter Leeson, High Priests and Lowly Philosophers: The Battle for the Soul of Economics, www.mises.org/journals/scholar/Boettke3.doc
- Christoph Butterwegge, Bettina Lösch, Ralf Ptak, Kritik des Neoliberalismus, VS Vlg., Wiesbaden, 2007, 298 Seiten, ISBN: 978-3-531-15185-4
- Jared Diamond, Collapse, How Societies Choose to Fall or Succeed, Penguin Books, New York, 2005
- Thomas Feif & Rudolf Speth (Hrsg.), Die stille Macht, Westdeutscher Verlag, Wiesbaden, 2003, ISBN 3-531-14132-5
- Armin Grunwald, Jürgen Kopfmüller, Nachhaltigkeit, Campus, Frankfurt/M., 2006, ISBN 3-593-37978-3
- Gunnar Heinsohn & Otto Steiger, Eigentum, Zins und Geld: Ungelöste Rätsel der Wirtschaftswissenschaften, Reinbek, 2004
- Franz Lehner & Friedrich Schmidt-Bleek, Die Wachstumsmaschine, Droemer Verlag, München, 1999, ISBN 3-426-27136-2
- Nicholas Gregory Mankiw, Principles of Economics, dt. Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Schäffer-Poeschel, 2004
- Donella Meadows, Jorgen Randers, Dennis Meadows, Grenzen des Wachstums, Das 30-Jahre-Update, Hirzel Verlag, Stuttgart, 2006, ISBN 3-7776-1384-3
- Peter H. Mettler, Future Geopolitics, in Timothy C. Mack, (Ed.), Hopes and Visions for the 21st Century, published by World Future Society, Bethesda, MD, USA, 2007, p. 43-53
- Wilhelm Meyer, Grundlagen des ökonomischen Denkens, Mohr Siebeck Vlg., Tübingen, 200
- Günter Ogger, Die Ego-AG, C. Bertelsmann Verlag, München, 2003, ISBN 3-570-00663-8
- Die Zeitschrift "Ökologisches Wirtschaften", oekom Verlag, München
- Wolfgang Sachs, Planet Dialectics, Zed Books, London, 1999
- Hans Weiss & Ernst Schiederer, Asoziale Marktwirtschaft, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2004, ISBN 3-462-03643-2
- Herman Simon, Unternehmenskultur und Strategie, FAZ-Buch, 2001, ISBN 3-89843-045-6
- Joseph Stiglitz, Die Schatten der Globalisierung, Siedler Vlg., Berlin, 2002
- Symposium "Governance of Markets for Sustainability, jdzb documentation, Iudicum Vlg., München 2004, ISBN 3-89129-946-X

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Prof. Peter H. Mettler, Ph.D., M.A.
Prof. (em.), Gesellschaftswissenschaften sowie Planungs- & Technologie-Analysen an der Univ. Frankfurt/M. und an der FH Wiesbaden; regelmäßiger Gastprofessor an maghrebinischen, mexikanischen und US-Universitäten; Beratender Langfristplaner und Zukunftsforscher; Auf-sichtsratsvorsitzender, Future Management Group, Eltville; voraussichtlich ab 7/2009: Senior Professor, Institut Technik und Gesellschaft, TU-Berlin

D-65189 Wiesbaden, Theodorenstr.3
Tel.: 0049.611.2607832, Fax.: 0049.611.3088935
Mobile: 0049.172.7003047 Tel.: 001.858-853-8280
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