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1. In seiner Staatsutopie
‚Politeia' erzählt Platon [2] zu Beginn des siebenten
Buches ein Gleichnis. In einer geräumigen Höhle sitzen Menschen,
gefesselt an Nacken und Schenkeln, unfähig sich zu bewegen, mit
dem Rücken zum steilen Höhlenausgang, und blicken auf die
Höhlenwand vor ihnen. Hinter ihnen brennt ein Feuer, zwischen ihnen
und dem Feuer verläuft eine niedrige Mauer und dahinter eine Straße,
auf der Menschen, die sich im Vorbeigehen unterhalten, verschiedene
Gegenstände und Gerätschaften vorbeitragen. Ihre Schatten
erscheinen auf der Höhlenwand, vor der die Gefangenen sitzen. Einer
von ihnen wird von den Fesseln befreit, er sieht sich in der Höhle
um und gelangt ins Freie. Er kehrt aber wieder ins Dunkel der Höhle
zurück und wird von den Gefangenen mit dem Tode bedroht.
Platon deutet dieses Gleichnis selbst: Die Höhle ist das Bild für
den alltäglichen Aufenthaltsbereich des Menschen; das Höhlengewölbe
stellt das Himmelsgewölbe dar. Die Schatten und das Echo der Stimmen
der Vorüberziehenden sind die ‚Welt' der Höhlenmenschen. Die
Dinge außerhalb der Höhle, die im Licht der Sonne liegen,
stehen für das eigentliche Seiende, das sich in seinem Aussehen,
eidos, seiner Idee, zeigt und für die Erkenntnis zugänglich
wird. Die Sonne schließlich bedeutet die Instanz, die alles Aussehen,
alle Ideen, sichtbar macht. Sie ist die Idee der Ideen.
Das Gleichnis schildert aber nicht nur die Topographie der Höhle
und die Wirklichkeit außerhalb, sondern beschreibt die Stufen
eines Weges, auf dem der von den Fesseln Befreite immer mehr an die
wahre Wirklichkeit herankommt. Die "Umwendung des ganzen Menschen"
und seine Neuausrichtung auf die Ideen nennt Platon paideia, Bildung.
Die einzelnen Stufen sind Erkenntnisstufen. Um den Weg aus der Höhle
ins Licht zu gehen, muss er zunächst von jemandem aus Finsternis
und Passivität befreit und sogar den steilen Höhleneingang
hinaufgezogen werden. Diese Befreiung ist aber nur möglich, weil
in der Seele ein ursprüngliches Vermögen des intellektuellen
Erkennens liegt, das seine eigentliche Transzendierungskraft niemals
verliert und nur eines initialen Anschubs bedarf. Gebildetwerden heißt
befreit werden, dann aber von selbst sich der wahren Wirklichkeit zuwenden.
Bildung, paideia, wird zwar von außen initiiert, ist aber letztlich
ein Prozess der Selbstbildung.
2. Die Eigenart dieses "von selbst" wird
an Platons Seelenlehre und den daraus sich ergebenden Folgerungen erkennbar.
Die menschliche Seele ist keine homogene Einheit, sondern besteht aus
einer Vielheit von Vermögen. Diesen Sachverhalt leitet Platon,
rekurrierend auf das Prinzip des Nichtwiderspruchs, von Phänomenen
der inneren Selbstentzweiung ab. "Offenbar ist doch, dass dasselbe
nie zu gleicher Zeit Entgegengesetztes tun und leiden wird, wenigstens
nicht in demselben Sinne genommen und in Beziehung auf ein und dasselbe"
(436 b). Wer z.B. dürstet, der will mit einem Trank seinen Durst
löschen; er will nichts anderes als trinken (437 e). Wenn er aber
aus gesundheitlichen Gründen trotz seines Durstes nicht trinkt,
muss es in der Seele des Dürstenden ein "Zurückhaltendes"
geben und dies muss vom "Antreibenden" verschieden sein. Wir
müssen also annehmen, dass zwei verschiedene Vermögen in der
Seele gegeneinander wirken. Platon nennt es das Begehrungsvermögen,
das epithymetikon, und das Vernunftvermögen, das logistikon. Ein
drittes Vermögen, das thymoeides, unterscheidet er auf analoge
Weise am Beispiel des Leontios; dieser wird von der Begierde überwunden,
die Leichen, die beim Scharfrichter liegen, sich anzuschauen, und er
beschimpft sich dafür selbst. "Diese Erzählung [...]
deutet darauf, dass der Eifer bisweilen gegen die Begierde streitet
als ein anderes gegen ein anderes" (440 a). Das thymoeides ist
auch vom logistikon unterschieden, wie Platon mit einem Beispiel aus
Homer belegt: "Aber er schlug an die Brust und strafte das Herz
mit den Worten" (441 b). Das "Nachdenkende" und der "gedankenlose
Eifer" sind zwei unterschiedliche Vermögen in der Seele.
Insgesamt sind also zu unterscheiden: das Begehrungsvermögen, epithymetikon,
es ist auf die Befriedigung der vitalen Bedürfnisse der Nahrung
und Fortpflanzung gerichtet; zweitens das affektive Vermögen, thymoeides,
das nach Anerkennung und Ehre strebt; drittens das Vernunftvermögen,
logistikon, das auf Wissen und Wahrheit ausgerichtet ist.
Soll nun die Seele in sich befriedet und sich Freund sein, so müssen
diese verschiedenen Vermögen zu einer Einheit verbunden werden.
Dies kann, nach Platon, nur dadurch geschehen, dass die Vernunft die
Führung übernimmt und die anderen Vermögen nach ihrer
Ordnung formt und steuert. Erst durch die Herrschaft der Vernunft über
Begehrungsvermögen und Affekte, in der Führung des Lebens
durch Wissen, erhält die Seele eine wohlgeordnete Statur und hört
auf, ein "vielköpfiges Ungeheuer" zu sein. Die Bildung
zielt also auf die Ordnung der Seele, sie ist die Selbstorganisation
durch die Vernunft, die Eintracht und Freundschaft der Seele mit sich
selbst bewirkt. Je nachhaltiger die Vernunft die Einheit der Seele in
der Vielheit ihrer Teile herstellt, desto mehr bewirkt sie ein gutes
Leben. "Herstellen seiner selbst als einer inneren Wohlverfassung
der Seele ist der wahre Maßstab des Sich-Verstehens des Daseins"
[3] . Dieses Konzept von Bildung unterscheidet sich
nachdrücklich von zeitgenössischen Vorstellungen, die musische
Fähigkeiten und körperliche Fitness zu obersten Bildungszielen
erklärten. Für Platon dagegen geht es primär um die Bildung
des Menschen zu einem selbstorganisierten Wesen, das die Vielheit seiner
Kräfte in einer Einheit bündelt. Bildung macht den Menschen
frei für die Erkenntnis der wahren Wirklichkeit, sie ist die Bedingung
der Ideenschau, in der, nach Platon, das menschliche Glück besteht.
3. Diese beglückende theoria der Ideen schildert Platon im ‚Phaidros'
im Mythos von der Auffahrt des Seelenwagens, eines Gespanns mit zwei
ungleichen Pferden und einem Lenker - es ist ein Bild für die ungleichen
Seelenteile und ihre Lenkung durch die Vernunft.
Die Seele gleicht, wie Sokrates ausführt, der "zusammengewachsenen"
Kraft eines geflügelten Zweigespanns, von dessen Pferden nur das
eine von guter Abstammung und leicht lenkbar ist, und seines geflügelten
Lenkers. Als symphytos dynamis hat sie die Energie, sich emporzuschwingen,
freilich im Unterschied zu den Göttern nur bedingt wegen der Ungleichheit
der Rosse. Die noch körperlose Seele erhebt sich durch die Kraft
der Schwingen - sie sind die Metapher für die Fähigkeit, die
sinnliche Welt zu überschreiten - und folgt den elf Rotten der
Götter, die mühelos zum äußersten Rand der Welt
auf steilem Weg aufsteigen und dort die wunderbare Welt der Ideen schauen.
Diese theoria ist die Nahrung der Götter. Die künftigen Menschenseelen
erlangen im Gefolge der Götter wegen des Gedränges und des
sträubenden Pferdes nur für kurze Zeit die Möglichkeit,
am überhimmlischen Ort die beglückende Schau zu genießen.
Danach fallen sie in das Reich des Werdens zurück und suchen sich
einen Körper. In ihrem Erdenleben erinnert sich nicht jede Seele
an die jenseitige theoria, weil nicht jede lange genug das wahrhaft
Seiende zu sehen imstande war. Wer aber seine Seele am Anblick des wahren
Seins genährt hat, erinnert sich daran, wenn er in der Welt etwas
Schönes sieht. Das Schöne ist "uns das Hervorleuchtendste
[...] (ekphanestaton) und das Liebreizendste (erasmiotaton)" (Phaidr.
250 e). Es ist Licht und zieht uns fort in die eigentliche Wirklichkeit
der Ideen, es berückt und entrückt. Die Gerechtigkeit und
Besonnenheit dagegen "haben keinen Glanz" (ebd. 250 b). Das
Schöne aber weckt den Eros.
Platon geht also von der Annahme eines beglückenden Erkenntnisbezugs
des Menschen zum wahrhaft Seienden aus. Die Schau der Ideen ist die
höchste Seinsmöglichkeit der Seele. Sie gehört zu ihrer
Natur. Voraussetzung dieser theoria ist die Bildung, verstanden als
Geordnetheit der Seele durch die Vernunft. Zwischen Bildung, theoria
und Glück besteht ein Bedingungszusammenhang.
Platons Begriff von Bildung impliziert also drei Aspekte, erstens einen
emanzipatorischen - der Mensch wird umgewendet, aus seiner Fesselung
und Passivität befreit - , zweitens einen partizipatorischen -
in der Bildung erschließt sich dem Menschen die Welt -, und drittens
einen kommunikativ-sozialen - der gebildete Mensch wendet sich seinen
in der Dunkelheit des Nichtwissens gefesselten Mitmenschen zu, um ihnen
den Weg in die wahre Wirklichkeit zu weisen. Das Schicksal des Sokrates
zeigt die Gefährlichkeit dieser Rückkehr in die Höhle.
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1. Vorbemerkung zum neuplatonischen
und paulinischen Bildbegriff
Eckhart besetzt den Begriff der Bildung christlich um [8].
Von Bildung im Sinne von paideia, verstanden als autopoietischer Vernunftprozess,
ist nicht die Rede. Wenn Eckhart den Terminus ‚bildunge' verwendet,
meint er damit ‚Bild' oder ‚Bildwerdung', aber nicht durch Eigentätigkeit,
sondern von oben, durch einen von Gott initiierten Vorgang. Bei dieser
Uminterpretation verbindet er die neuplatonische Ontologie des Bildes
und ihre zentrale These der Identität und Differenz von Urbild
und Abbild mit der christlichen Lehre von der Gottebenbildlichkeit des
Menschen.
In den ‚Enneaden' Plotins [9] ist ‚Bild' die universale
Kategorie eines kosmischen Emanationsprozesses, der über mehrere
Stufen verläuft: Vom Einen als Urbild zu seinem Bild, dem Geist,
von diesem zur Seele als Bild des Geistes, bis zur sinnlichen Welt als
Bild des intelligiblen Kosmos. Immer bleibt dabei das Urbild in seinem
Bild, unmittelbar und mittelbar, ohne mit ihm identisch zu sein. So
ist das Eine als Urbild unmittelbar im Geist als Bild und durch den
Geist mittelbar in der Seele als dem Bild des Geistes und durch die
Seele mittelbar in der sinnlichen Welt präsent [10].
Das Eine als Ursache des Vielen konstituiert eine Relation, in dem Urbild
und Abbild sich einerseits voneinander unterscheiden, das Bild ist weniger
als das Abgebildete; es repräsentiert das Urbild in einem anderen,
niedrigeren Bereich. Zugleich ist es nie von seinem Urbild getrennt
und bleibt stets von der Konstitution durch das Urbild abhängig
(vgl. V, 3,8,11ff.), es bewahrt Züge des Urbildes, das in ihm real
präsent ist [11].
Unter der Perspektive dieses Emanationsprozesses heißt die Wirklichkeit
verstehen sie als Bild verstehen und sie auf ihr Urbild zurückführen;
ethisch appliziert: so handeln, daß die Rückkehr ins Urbild
sichergestellt wird (vgl. I, 3,1,12ff.). So soll die Seele als Bild
die Rückkehrbewegung aus der Vielheit und Zeitlichkeit in ihr Urbild
den Geist und, diesen übersteigend, ins Eine beginnen. Es ist ein
ethisch-noetischer Transformationsprozeß [12],
in dem sie wird, was sie schon ist.
Der neutestamentliche Bildbegriff ist dagegen, wenn man der paulinischen
Version folgt, zentriert in der Lehre vom Menschen als Bild Christi
(vgl. 2 Kor. 3,18; 1 Kor. 15,49), der wiederum das Bild Gottes ist.
In der Epiphanie Christi ist Gott präsent, weil er der Sohn ist.
Daher wird der Mensch Bild Gottes, indem er Sohn wird. Diese Transfiguration
beginnt schon in der Gegenwart durch die Annahme des im Evangelium verkündeten
Christus.
Meister Eckhart verbindet in seiner Bildlehre neuplatonische und biblische
Elemente. Er nimmt die These von der Identität und Differenz von
Urbild und Abbild, die in beiden Bildlehren je auf ihre Weise vorliegt,
auf und fundiert seine Theorie - das ist die erste Veränderung
gegenüber Plotin - im trinitarischen Bildprozess. Der innergöttliche
Logos ist das authentische Bild der Trinität. An diesem göttlichen
Maß misst er zweitens jede Art von Bild und zeichnet dabei, den
neuplatonischen kosmisch-emanativen Aspekt zurückdrängend,
den Seelengrund als das göttliche Bild im Menschen vor allen anderen
Bildern aus. Aus dieser Bildtheologie leitet Eckhart drittens praktisch-moralische
Sätze ab. Der Mensch soll sich bilden, aber nicht indem er sich,
wie bei Platon, aus der Passivität seines Höhlendaseins befreit
und selbstbestimmt auf die Ideen ausrichtet, aber auch nicht, indem
er sich in einem ethisch-noetischen Transformationsprozess in Richtung
auf das Urbild, das nicht-personale, bestimmungslose Eine bewegt wie
bei Plotin, sondern indem er in einem Prozess der Selbstentäußerung
seine Gottesbildlichkeit im Seelengrund im Blick auf das personale Vorbild
Christi, des göttlichen Bildes, aktuiert und dessen Kenosis und
Armut als Richtpunkte des Bildwerdens nachahmt..
Neben diesen christologischen Weg der Bildung stellt Eckhart den "ikonoklastischen"
Weg der Entbildung und Entbildlichung, der höchste Seligkeit vermittelt.
In beiden Bildungsprozessen wird die Gottebenbildlichkeit des Seelengrundes,
der vernünfticheit, als Prozess, der innen beginnt, sichtbar.
2. Bildwerden als Prozess
der Selbstentäußerung und des Lassens
Schon in den ‚Reden der Unterweisung' stellt Eckhart das Lassen an den
Anfang eines richtigen Lebens. Er kritisiert die gängigen Formen
der Weltabwendung und benennt als Ursache eines misslingenden Verhältnisses
zur Welt und des daraus resultierenden Unfriedens das verkehrte praktische
Selbstverhältnis. Nicht die äußerliche Weltabkehr, nicht
reale Armut, sondern ein innerer Akt der Entsagung, die Preisgabe des
Eigenwillens ist die eigentliche Aufgabe. Die Dinge der Welt sind weder
gut noch schlecht, sondern werden erst durch ihre Einbeziehung in den
Interessenzusammenhang des Eigenwillens für den Menschen schlecht.
Das christliche Bildwerden, die Bildung, beginnt nicht mit der äußerlichen
Loslösung von der Welt, sondern mit einem inneren Akt, der Brechung
des Eigenwillens. Dem Lassen seiner selbst kommt gegenüber dem
Lassen der Dinge ein Vorrang zu; denn asketische Hochleistungen können
nicht zum Ziel führen, wenn eine latente Eigenliebe den Wert der
Entsagung annulliert. Ein Königreich aufgeben bedeutet nichts,
wenn nicht die Selbstaufgabe diesen Akt begründet. Sich gelassen
haben heißt dagegen alles gelassen haben, ohne dass eine reale
Enteignung stattgefunden haben müsste.
Diesen Fundierungszusammenhang von Selbstverhältnis und Verhalten
zu den Dingen präzisiert Eckhart, indem er das Sichlassen als "williclîche
lân" (vgl. DW V, 195,2f.), d.h. als Verzicht auf den Besitzwillen,
versteht. Schon wer Kleines willig läßt, hat potentiell alles
aufgegeben. Nicht Quantität und Wert dessen, was preisgegeben wird,
entscheidet über das Lassen, sondern die Qualität der Gesinnung,
in der dieser Akt geschieht. Das Lassen seiner selbst ordnet nicht nur
das praktische Selbstverhältnis, sondern auch das Verhältnis
zu den Dingen neu, über die der Mensch nicht mehr selbstbezogen
verfügt. Die Negation der eigenminne hat eine doppelte befreiende
Wirkung und führt den Menschen auf seine Gottebenbildlichkeit zu.
Die Preisgabe aller individuellen Interessen, die Selbstentäußerung
im Lassen zwingt Gott geradezu zum Menschen. "Swâ der mensche
[...] des sînen ûzgât und sich des sînen erwiget,
dâ an dem selben muoz got von nôt wider îngân"
(DW V, 187,1f.). Die Negation seiner selbst, das ûzgân,
bedingt die Einheit mit Gott, das îngân, die Armut der Seele
die Präsenz der Fülle Gottes. Dieser Konnex besteht "von
nôt".
Das Sich-Lassen und Sich-selbst-gelassen-haben führt zur Gelassenheit:
"Der mensche, der gelâzen hât und gelâzen ist
und der niemermê gesihet einen ougenblik ûf daz, daz er
gelâzen hât [...], der mensche ist aleine gelâzen"
(DW I, 203,2ff.). Dieses gelâzen sîn ist jedoch keine ihm
natürlich zukommende, statische Eigenschaft, sondern es besteht
nur im Prozess des fortwährenden Lassens, das sich in der Gelassenheit
vollendet. Aber dieses höchste Werk kann er nicht aus eigener Kraft,
sondern nur mit Hilfe der Gnade vollbringen. Die Gelassenheit ist keine
Tugend des Menschen mehr, sondern eine gnadenhafte neue Seinsweise.
Ihre Hypostasierung in Gott veranschaulicht Eckhart am Bild im Spiegel:
Die Gelassenheit ist im Gelassenen wie das Bild im Spiegel. Sie gehört
dem Gelassenen nicht als feste Qualität seiner Substanz, sondern
ist in ihm als unverfügbare Konfiguration, die nur solange besteht,
als die Gelassenheit in ihm ist, so wie das Bild für sich nichts
ist und ganz von dem abhängt, der sich im Spiegel abbildet, ohne
in ihm Halt und Bestand zu gewinnen. Die Gelassenheit schlägt keine
Wurzeln im Gelassenen, sie ist ein Akt Gottes.
3. Selbstentäußerung
und Gottesgeburt
Das Bildwerden des Gelassenen differenziert Eckhart im Zusammenhang
seiner Interpretation der Gottesgeburt. Dass der gelassene Mensch "ein
einiger sun sî des vaters" (DW II, 379,5), d.h. Bild Gottes
sei, weil der eingeborene Sohn Bild Gottvaters ist, präzisiert
Eckhart mit seiner Lehre von der Gottesgeburt. Wahrhaft gebildet werden
heißt Sohn Gottes werden. Die Grundlage dieser für seine
Predigten zentralen Lehre von der Gottesgeburt bildet das kirchliche
Dogma von der hypostatischen Union, daß nämlich Christus
in einer Person und einer Hypostase die göttliche und menschliche
Natur vereinige. Die in diesem Lehrsatz enthaltene Unterscheidung zwischen
Natur und Person und die Trennbarkeit von Natur und Person nutzt Eckhart
zu einer "ethisierende(n) Umdeutung" [13]
des Dogmas und der Lehre vom Bild. "Daz merket! Daz êwige
wort ennam niht an sich disen menschen noch den menschen, sunder ez
nam an sich eine vrîe, ungeteilte menschlîche natûre"
(DW II, 379,5ff). Entsprechend formuliert er im Johanneskommentar: "verbum
assumpsit naturam, non personam hominis" (LW III, 241,5f.). Eckhart
unterscheidet also mensche und menschlîche nâture oder menscheit
bzw. persona und natura. Christus nahm also bei seiner Inkarnation die
menschliche Natur, die menscheit, nicht aber eine menschliche Person
an. Daraus zieht er den Schluss. "Und dar umbe, <wan> in
der annemunge diu menschlîche natûre von dem êwigen
worte einvalticlîche sunder bilde angenomen wart, sô wart
daz bilde des vaters, daz der êwige sun ist, bilde der menschlîchen
natûre. Wan als daz wâr ist, daz got mensche worden ist,
als wâr ist daz, daz der mensche got worden ist" (DW II,
380,2ff.). Dadurch also daß die zweite innertrinitarische Person,
das göttliche Bild, die menschliche Natur annahm, wurde das göttliche
Bild zugleich das Bild der menschlichen Natur. Wenn nun die von Christus
angenommene menschliche Natur und die Natur im Menschen unterschiedslos
ein und dieselbe sind, kann jeder Mensch als Teilhaber an der menschlichen
Natur aufgrund der hypostatischen Union mit Gott eins sein wie Christus.
"Die groesten einunge, die Kristus besezzen hât mit dem vater,
die ist mir mügelich ze gewinnenne" (DW II, 13,13f.). Denn
was Gott der menschlichen Natur in Christus gab, das gab er der menschlichen
Natur aller Menschen, sie ist daher von unendlicher Würde. Der
Mensch kann Gott werden, weil Gott Mensch geworden ist und dadurch die
menschliche Natur vergöttlichte. Wegen Eckharts Gleichsetzung von
Natur und Bild heißt das: Der Mensch kann Bild Gottes, d.h. Gott,
werden, weil das göttliche Bild Mensch geworden ist.
4. Die Bedingungen der
Bildwerdung
In der 'Rechtfertigungsschrift' und in mehreren deutschen Predigten
präzisiert Eckhart die Bedingungen für diese höchste
Möglichkeit des Bildwerdens, der Bildung. "Wilt dû der
selbe Krist sîn und got sîn, sô ganc alles des abe,
daz daz êwige wort an sich niht ennam. Daz êwige wort nam
keinen menschen an sich; dar umbe ganc abe, swaz menschen an dir sî
und swaz dû sîst, und nim dich nâch menschlîcher
natûre blôz, sô bist dû daz selbe an dem êwigen
worte, daz menschlich natûre an im ist. Wan dîn menschlîche
natûre und diu sîne enhât keinen underscheit: si ist
ein, wan, swaz si ist in Kristô, daz ist si in dir" (DW I,
420,5ff.). Aus dem dogmatischen Lehrsatz, dass Christus bei der Inkarnation
keine menschliche Person, sondern die menschliche Natur annahm und göttliche
und menschliche Natur hypostatisch, das heißt in der Einheit der
göttlichen Person verband, zieht Eckhart die Folgerung, dass der
Mensch, um mit Gott eins zu sein, das preisgeben muß, was Christus
bei seiner Menschwerdung nicht annahm, die menschliche Person. Wenn
der Mensch durch die Entäußerung des Persönlichen allgemeiner
Mensch, menscheit, wird, ist er aufgrund des Sachverhalts, dass Christus
diese menscheit annahm, mit Christus eins. "Und wan denne diu selbe
natûre, nâch der ir iuch nemende sît, sun des êwigen
vaters worden ist von der annemunge des êwigen wortes, alsô
werdet ir sun des êwigen vaters mit Kristô von dem, daz
ir iuch nâch der selben natûre nemende sît, diu dâ
got worden ist" (DW II, 381,6ff.). Nicht diese oder jene individuelle
Eigenheit muß gelassen werden, sondern der Mensch, um in der Bloßheit
der menschlichen Natur zu stehen wie der menschgewordene Gott. Dieses
Allgemeinwerden des Menschen durch das Lassen des Persönlichen
formuliert Eckhart theologisch als Sohn Gottes werden. Die Kenosis Gottes
und die Entäußerung des Menschen haben dasselbe Ziel: die
menscheit. Diese menschliche Natur ist nicht nur allen Menschen gemeinsam
und am Ärmsten und Verschmähtesten ebenso vollkommen wie an
Kaiser und Papst (DW II, 18,3f.), sondern auch in ihrem Sein höher
als die individuelle Person. "Wan der mensche ist ein zuoval der
natûre, und dar umbe gât abe alles des, daz zuoval an iu
ist, und nemet iuch nâch der vrîen, ungeteilten menschlîchen
natûre" (DW II, 381,4ff.). Das Individuelle ist ein bloßes
Akzidens, das abgelegt werden kann und abgelegt werden muß. Die
menscheit dagegen ist substantielles Sein, sie ist "ein und einvaltic"
wie Gott selbst, sie hat "sippeschaft mit der gotheit" (DW
II, 13,12f.) und dadurch unendliche Dignität. Wenn der Mensch nach
seiner menscheit lebt, ist er eins mit Gott als Sohn, er ist Bild Gottes,
ein wahrhaft Gebildeter.
5. Bildwerden und soziale Existenz
Mit Christus eins werden bedeutet allgemeiner Mensch werden und dies
wiederum heißt: "abnegare personale" (LW III, 242,6).
Die Frage, worin die zu erreichende Allgemeinheit besteht, läuft
also auf die Frge hinaus, was es heißt, das "personale"
aufzugeben. In der Predigt Q 12 'Qui audit me' nennt Eckhart als Bedingung
der Einheit mit Gott, der Bildwerdung, die Preisgabe von Körperlichkeit,
Vielheit und Zeitlichkeit (DW I, 193,2). Diese Aufzählung scheint
die Annahme einer Zweiweltenlehre vorauszusetzen und implizit die Aufforderung
zu enthalten, die räumlich-zeitliche Welt der vielen Seienden auf
das jenseitige Eine hin zu übersteigen. Die Parallele in der Predigt
'Impletum est', die von den drei Dingen als "in mir" (DW I,
178,6) spricht, interpretiert sie als Kategorien des Besitzwillens,
der "gîticheit der sêle" (DW I, 178,8), die durch
ihr mehr und mehr Habenwollen verliert, was sie besitzt. "Wan als
lange sô mêr und mêr in dir ist, sô enkan got
niemer gewonen noch gewürken in dir. Disiu dinc müezent iemer
ûz, sol got în" (DW I, 178,10ff.). Diese Sätze
bieten einen Anhalt, auch das "personale" oder proprium",
das die Einheit mit Gott in der menscheit, die Bildwerdung, verhindert,
zu verstehen als Ausdruck der gîticheit der Seele, ihrer eigenschaft
und verkehrten Selbstliebe. "Abnegare personale" heißt
nicht Depersonalisierung, sondern Freiwerden von der Habgier. "Ganc
abe, swaz menschen an dir sî und swaz dû sîst"
(DW I, 420,8) ist ein praktischer Satz, der nicht die Preisgabe eines
metaphysischen Bestandteils des Menschen verlangt, obwohl die Verwendung
metaphysischer Kategorien dies nahelegt, sondern einen Wandel der Einstellung
zum eigenen Leben, das nicht mehr nach selbstischen, sondern nach universalisierbaren
Prinzipien vollzogen werden soll. Die Unterscheidung mensche, menscheit
bzw. persona-natura bezeichnet also zwei alternative Möglichkeiten
des menschlichen Lebensvollzugs, deren jeweilige Aktuierung zu qualitativ
verschiedenen ontologischen Status führt. Sich als mensche verstehen
heißt sich selbst in seiner Nichtigkeit zum primären Liebesobjekt
machen und dadurch zunichte werden; "amor enim amantem transformat
in amatum" (LW II, 354,12f.). Sich nach seiner menscheit, als Bild
Gottes, nehmen bedeutet dagegen allgemein, sozial, werden, und dies
wiederum heißt, sich durch den negatorischen Akt des Lassens seiner
selbst in einer göttlichen Seinsweise zu stabilisieren und zu verewigen.
Die Selbstentäußerung des Menschen und die Kenosis Gottes
haben als Ziel dieselbe Seinsweise, die Eckhart metaphysisch mit den
Begriffen menscheit, natura, bilde umschreibt. Die menscheit, die das
wahre innere Wesen des Menschen bildet und als das Innerste des Individuums
gerade nicht das ist, was exklusiv nur ihm zukommt, sondern das, was
ihm mit allen Menschen und durch die hypostatische Union mit Gott gemeinsam
ist, soll aber nicht betrachtend objektiviert, sondern in sichtbar tätiger
Liebe selbstlos vollzogen werden. Sich selbst als Bild Gottes verstehen
ist ein praktischer Akt, der sich in der Nächstenliebe manifestiert.
In jeder guten Tat wird Gott im Seelengrund geboren. Wenn der Mensch
nicht mehr sich selbst mit Vorzugsliebe, sondern seine menscheit, die
das Bild Gottes ist, liebt, kann er alle Menschen wie sich selbst lieben,
weil die menscheit allen gemeinsam ist. Selbstliebe und Nächstenliebe
fallen zusammen. "Hast dû dich selben liep, sô hâst
dû alle menschen liep als dich selben" (DW I, 195,1). Der
Mensch als Bild Gottes, der gebildete Mensch, ist der soziale Mensch.
6. Entbildung und die
Seligkeit des Nichts
Neben diesem Argumentationsstrang, der ganz auf der Ebene des Theologumenons
der Gottesbildlichkeit der Seele und der Gottesgeburt' bleibt, verläuft
ein zweiter, der nicht die Trinität und die hypostatische Union,
sondern die relationslose Gottheit, nicht den Seelengrund als Bild Gottes,
sondern die "Kraft" in der Seele, die in die Bildlosigkeit
der Gottheit durchbricht, zum Zentrum macht. Die höchste Bildung
besteht im Bildloswerden, in der Armut der Bildlosigkeit. Wo Gott "aufbricht
in seinen Sohn", da verweilt die Seele nicht, sondern strebt, angetrieben
von der Schwerkraft ihrer Armut, über jedes Bild hinaus; ihr "engenüeget
noch an vater noch an sune noch an heiligem geiste noch an den drin
persônen, als verre als ein ieglîchiu bestât in ir
eigenschaft" (DW II, 420,2f.); denn es ist eine "Kraft in
der Seele" und diese dringt in ihrem ersten Ausbruch "bis
auf den Grund" und sucht weiter und "nimet got in sîner
einunge und in sîner einoede; si nimet got in sîner wüestunge
und in sînem eigenen grunde" DW I, 171,14f.).
Wenn nämlich die Seele von jeder Art von Habenwollen gereinigt
ist, nichts mehr will, nichts mehr weiß und nichts mehr hat, bricht
sie durch die Schwerkraft ihrer Armut in den Grund Gottes durch. Mit
ihrem Verzicht auf das Wissen und Wollen und Haben beseitigt sie Gott
als Objekt und wird Gottes und aller Dinge ledig. Sie will, was sie
ist, und ist, was sie will. Mit ihrem Verzicht auf das Wissen gibt sie
den gedachten Gott, der ein Stück Eigentum ist, preis und lebt
im Seelengrund, der weder erkennt noch liebt, in differenzloser Einheit
mit der Gottheit. Und indem die Seele auf das Haben verzichtet, läßt
sie nicht nur die Dinge, sondern als ihr letztes Eigentum, nämlich
Stätte für Gottes Wirken sein zu wollen, auch Gott um Gottes
willen (vgl. DW II, 489 - 504). In dieser äußersten Armut
der Seele wird sie in ihrem Grunde beseligt. Sie will also Gott nicht,
wie er Gott ist. "War umbe? Dâ hât er namen, und waeren
tûsent göte, si brichet iemermê durch, si will in dâ,
dâ er niht namen enhât: si will etwaz edelers, etwaz bezzers
dan got, als er namen hât" (DW II, 31,5ff.), sie will Gott
"in sîner wüestunge" (DW I, 171,15), als Nicht-Gott,
Nicht-Geist, Nicht-Person, Nicht-Bild. "Mêr: als er ein luter
pur clar Ein ist, gesundert von aller zweiheite, und in dem einen súlen
wir ewiklich versinken von [n]ite zuo núte" (DW III, 448,8f.).
Indem die Seele den Gabenspender-Gott läßt - dies ist ihr
höchster ethischer Akt - , bricht sie in die Gottheit durch, überschreitet
auch sich selbst als Bild Gottes in die "ungebornheit" und
kehrt in die "stille vinsternisse der verborgenen vaterschaft"
(DW I, 388,10f.), ins ungeteilte Einssein zurück; sie wird, wie
sie war, als sie noch nicht war. In dieser absoluten Indifferenz jenseits
von Begriff, Bild und Bildung liegt nach Eckhart die höchste Seligkeit.
Schlussbemerkung
In der Neuzeit ist der religiöse Bildungsbegriff Eckharts, der
einen inneren, theopoietischen Vorgang, die Formung des Menschen durch
Gott, bezeichnet, zurückgetreten gegenüber dem auf das antike
autopoietische Modell rekurrierenden neuzeitlichen Ansatz, in dem Bildung
- in verschiedener Akzentuierung - die Selbstformung des Menschen meint.
In paradigmatischer Weise verbindet Kant [14] den
in dem antiken Modell angelegten "technischen", ein Herstellungselement
einschließenden Aspekt, mit dem autopoietischen: Bildung ist,
ihm zufolge, im Wesentlichen Selbstbildung als die den Menschen charakterisierende
Weise, seine natürlichen Anlagen und Vermögen auszubilden.
Da er aber die eigene Vernunft nicht sogleich selbstständig gebrauchen
kann, müssen zunächst andere für ihn eintreten: Er ist
das "einzige Geschöpf, das erzogen werden muss" (XII,
697); denn er hat keinen Instinkt wie das Tier, das seine Bestimmung
erfüllt, ohne sie zu kennen. "Eine Generation erzieht die
andere" (ebd. 697). Der Erziehungs- und Bildungsprozess muss aber
auf eine Selbsterübrigung der Lehrer hinauslaufen. "Die Vorsehung
hat gewollt, daß der Mensch das Gute aus sich selbst herausbringen
soll, und spricht, [...] ‚ich habe dich ausgerüstet mit allen Anlagen
zum Guten. Dir kömmt es zu, sie zu entwickeln, und so hängt
dein eignes Glück und Unglück von dir selbst ab'" (XII,
702). Der Mensch soll sich disziplinieren, also seine tierischen Antriebe
seiner Bestimmung, der "Menschheit", unterordnen; seine Naturanlagen
kultivieren und sich in die menschliche Gemeinschaft einordnen; und
sich moralisieren, das bedeutet lernen, das Gute um seiner selbst willen
zu wollen. "Sich selbst besser machen, [...] das soll der Mensch"
(ebd. 702). In dieser Selbstorganisation ist der Mensch sich selbst
der letzte Zweck, freilich nicht in einem subjektivistischen Sinne,
sondern so, dass er den Begriff der Menschheit in der eigenen Person
realisiert.
Dieser Begriff kann trotz aller Unterschiede als eine
Verbindung zwischen dem neuzeitlichen autopoietischen und dem mystischen
Bildungsbegriff gesehen werden. In beiden geht es um die Befreiung des
Subjekts von seiner unmittelbaren Selbstbezogenheit. Eckhart formuliert
dies negativ als Ablegen der individuellen Zufälligkeiten, positv
als Verwirklichung der "menscheit", deren Gottebenbildlichkeit
unendliche Dignität zukommt. Für Hegel ist Bildung Befreiung.
"Diese Befreiung ist im Subjekt die harte Arbeit gegen die bloße
Subjektivität des Benehmens, gegen die Unmittelbarkeit der Begierde,
sowie gegen die subjektive Eitelkeit der Empfindung und die Willkür
des Beliebens [...]. Durch diese Arbeit der Bildung ist es aber, daß
der subjektive Wille selbst in sich die Objektivität gewinnt, in
der er seinerseits allein würdig und fähig ist, die Wirklichkeit
der Idee zu sein" [15]
Von dieser neuzeitlichen Bildungsdiskussion wirkt in der Gegenwart nicht
so sehr der Gedanke der Selbstobjektivierung durch Hineinbildung in
den allgemeinen Geist als vielmehr die Idee der Autopoiesis nach. Jüngst
hat die Studie von McKinsey Bildung als das "einzige vermehrungsfähige
Vermögen bezeichnet, über das wir verfügen", um
den Herausforderungen der Gegenwart gewachsen zu sein, und hinzugefügt:
"Bildung aber kann der Einzelne sich nur selbst aneignen"
[16] . Dies hatte schon Peter Bieri festgehalten:
"Ausbilden können uns andere, bilden kann sich jeder nur selbst"
[17]. Zentrale Aufgabe der Bildungsinstitutionen bleibt
es daher - das ist das pädagogische Paradox - , autopoietische
Bildungsprozesse in Gang zu setzen. Wenn dies nicht gelingt, wird auf
lange Sicht, wie die McKinsey-Studie warnt, die Lebensqualität
sinken. Bildung und Glück gehören auch heute zusammen, wenngleich
Glück, verstanden als tiefer Glückszustand, doch immer, wie
Max Scheler [18] betonte, ein Moment der Unverfügbarkeit
einschließt. Glück enthält wie jede tiefe Befindlichkeit
als wesentliches Element "gnädige Fügung".
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