Interkultureller Dialog
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Hans Göttel - Überlegung
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Überlegung - Hans Göttel

Aus der Asche des Zweiten Weltkrieges stieg die Entwicklungspolitik. Eine Doktrin, die unterschiedlichste Akteure, von den internationalen Strategen in Politik und Wirtschaft bis zu den alternativen NGO´s und spirituellen Gruppen, zu mobilisieren vermag. Neben die Utopie tritt in der entwicklungspolitischen Rhetorik als wirkmächtigste Denkfigur die Prophezeiung, deren Protagonisten je nach Einstellung das Ende durch Wachstum oder das Wachstum ohne Ende verkünden. Apokalypse und Heilserwartung liegen eng nebeneinander, Katastrophenangst und Zukunftsoptimismus scheinen wie zwei Seiten desselben Phänomens. Bei der Prophezeiung (der Apokalypse) wird auch gleich die Botschaft zum notwendigen Verhalten mitgeliefert: die notwendige Umkehr, der notwendige Einschnitt. "Wenn wir nicht, dann…", denn es geht - angesichts des Ernstes der globalen Lage - um ein kohärentes und universelles System menschlicher Handlungen.

Es geht ums Ganze!?

Der Satz des Archilochos: "Der Fuchs kennt viele Dinge, der Igel eine große Sache" hat den Philosophen Isaiah Berlin angeregt, die großen philosophischen Denker und Denksysteme zu unterscheiden. Demnach wären Hegel, Dostojewski und Nietzsche typische "Igel", also eher "Ganzheitsdenker" während Shakespeare, Erasmus von Rotterdam oder Goethe zu den "Füchsen" gehören und somit eher als "Vielfältigkeitsdenker" gesehen werden können. Geht es um die Welt als Ganzes deklamieren die "Igel" rasch das Feld für sich, so auch im Globalen Lernen.

Wir sollten es ihnen nicht einfach überlassen, vor allem aber wollen wir fragen, welche Art von Menschenbildung in den Utopien und Prophezeiungen der Neuzeit angedacht worden ist - eine kleine Kartographie anfertigen, um unsere Pfad(un)abhängigkeit bei der Glücksuche in der globalisierten Welt besser bestimmen zu können.