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Die Bibliothek am Campus
2.
Ein Ort für den interkulturellen Dialog.
Seit 2004 befinden sich
Bibliothek und Büro des Europahauses Burgenland im "ÖJAB
- Haus Eisenstadt", einem Wohnheim für Studentinnen und Studenten,
die an der benachbarten Fachhochschule studieren. Das Heim wird von
der Österreichischen Jungarbeiterbewegung betrieben und hat eine
zentrale Informations-, Bildungs- und Begegnungsfunktion am Campus.
Hier werden Ausstellungen gezeigt und finden Veranstaltungen statt.
Zum Europäischen
Jahr für den Interkulturellen Dialog organisierte das Europahaus
eine Reihe Bibliotheksgespräche. Es waren Abendveranstaltungen
mit Menschen, die den interkulturellen Dialog in bzw. über Südosteuropa
thematisierten. Die Schriftstellerin und Sängerin Irina Karamarkovic
las ihren Text "Der Absolute Vogel auf dem Weg durch Plastikwelten",
für den sie mit dem Literaturpreis "Schreiben zwischen den
Kulturen" ausgezeichnet wurde und präsentierte a capella wunderbare
Volkslieder aus dem Kosovo.
Die Romabeauftragte der Stadt Wien, Jovanca Gaspa, rumänische Romi,
erzählte von ihrem Bildungsweg und den Schwierigkeiten die jugendliche
Roma mit der Schulbildung haben. Neben ihrer Arbeit in Wien, wo 60000
Roma aus vielen Ländern leben, verfolgt sie ein besonders interessantes
Projekt: die Erstellung und Codifizierung einer Roma-Sprache aus den
vielen existierenden Dialekten. Wie in der Diskussion angemerkt wurde,
könnte eine solche Sprache eine besondere europäische Sprache
werden, haben doch die Roma keinen Nationalstaat in Europa.
Der Schriftsteller Martin Leidenfrost entführte die Zuhörer
mit kurzen Geschichten in die Welt hinter Wien, in die er sich durch
seinen Umzug in einen Vorort von Bratislava selber begeben hat. In eine
Gegend, von der die Wenigsten, wie er meint, sagen würden, dass
es eine Gegend ist. Seine Exkursionen führen an verschiedene Orte
und in sonderbare Milieus, in seiner Beschreibung des elendigen Lebensgefühls
in der Eisenstädter Fußgängerzone an einem Samstagnachmittag
hat sich das Publikum jedenfalls sofort gefunden.
In Zusammenarbeit mit dem Renner-Institut kam ein Diskussionsabend mit
der Menschenrechtsexpertin Marijana Grandits zustande. Sie berichtete
von ihrer Arbeit im Rahmen des EU-Stabilisierungsabkommens für
den Balkan, wo sie die Arbeitsgruppe Demokratie leitete, und sie vermochte
anschaulich zu schildern, wie schwierig und wie wichtig die konkrete
politische Arbeit in den neugebildeten Staaten auf dem Gebiet des früheren
Jugoslawiens ist.
Zum Welttag des Buches am 23. April 08 begeisterten der aus Belgrad
stammende und seit 1991 in Wien lebende exzentrische Dichter Goran Novakovic
sowie Robert Heger, Journalist aus Eisenstadt mit sarkastischen Texten
aus dem VERGLEICHENDEN WÖRTERBUCH DER AUSLÄNDER/INNENOLOGIE.
Das von Goran Novakovic verlegte Wörterbuch umfasst die über
Jahre gesammelten Vorurteile, die die "gesunden" (eher rechts
orientierten) und die "Nestbeschmutzer" (eher links orientierten)
Österreicher haben.
Die Kultur Kulturanthropologinnen
Jelena Tosic und Andrea Strasser berichteten über Menschenrechte
insbesondere Frauenrechte in Armenien und Serbien, der Leiter des Bosnischen
Büros des DVV international in Sarajevo, Herr Emir Avdagic, sprach
über Globales Lernen in Bosnien-Herzegowina.
Mit der Ausrufung des
Jahres 2008 zum Europäischen Jahr für den Interkulturellen
Dialog hat die Europäische Kommission der Tatsache Rechnung getragen,
dass viele Sprachen, Nationen, Kulturen und ihr neben-, mit- und gegeneinander
europäischer Alltag sind. "Europäische Sache" sind
sie deswegen noch nicht.
Die renommierte österreichische Schriftstellerin Barbara Frischmuth
verweist auf eine Eigenschaft der Schriftsteller:
"….das Eigene mit den Augen von Fremden zu sehen. Und gerade dieses
Blickwinkels bedarf es am vordringlichsten. Nur auf diese Weise entsteht
so etwas wie Klarsicht…"
und sie beschreibt eine
unauslöschliche Erinnerung.
"...Vor einigen
Jahren waren Dzevad Karahasan, der muslimisch-bosnische Dichter, und
ich zusammen in einer Art Bildungshaus…eingeladen. Wir lasen ein jeder
unseren Text, und dann, bei der anschließenden Diskussion, tauschten
wir die Rollen. Dzevad Karahasan argumentierte als Autor christlicher
Herkunft, ich als Muslima. Es war eine der interessantesten Diskussionen,
an denen ich je teilgenommen habe. Vielleicht sollte man dieses Verfahren
der UNO weiterempfehlen..."
(aus Barbara Frischmuths Rede zur Eröffnung
des Symposions "Wir und die anderen" im März 1998. Veröffentlicht
in: Barbara Frischmuth: Das Heimliche und das Unheimliche. Aufbau-Verlag,
Berlin 1999.)
Vielleicht interessiert sich die EU dafür?
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