Entwicklungspotentiale für das Europahaus Burgenland

Vorstudie

gefördert durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen des Programms "Innovationsscheck".

Vereinbarungsgemäß sind die Projektergebnisse nicht öffentlich, d. h. sie sind nur für AuftraggeberIn (Europahaus Burgenland) und AuftragnehmerIn (Fh-Studiengänge Burgenland GesmbH) zugänglich.

Prof. (FH) Dr. Fritz Betz

Fachhochschulstudiengänge Burgenland Ges.m.b.H.
Studiengang Informationsberufe/
Angewandtes Wissensmanagement

Eisenstadt, Jänner 2009

 
Inhalt

Einleitung: Ziel der Studie
Methoden
Die Organistation des Europahauses Burgenland
Prekäre finanzielle Basis
Diskursive Offenheit
Inhalte und Auseinandersetzungen
Selbstkritische Aufklärung, Gesamtkunstwerk
Habitus und Ästhetik
Das wenig Belichtete
Publikum und Didaktik
Schmale Bildungsschicht, heterogenes Publikum
Stabilität und Ausschließungsmechanismen in der Interaktion
Soziales Alter
Externe Kommunikation: Zwischen realer Präsenz und Rethorik des Verschwindens
Selbstbestimmte Medienstrategie?
Zusammenfassung und Anregungen für die gemeinsame Diskussion
Literatur
Interviewpartner/innen

     
Einleitung: Ziel der Studie

Das 1966 gegründete Europahaus Burgenland in Eisenstadt ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig und stellt für das gesamte Bundesland sowie den grenzübergreifenden pannonischen Raum eine der wichtigsten Institutionen der politischen Bildung und zur Herstellung einer kritischen Öffentlichkeit dar.

Im Verlauf dieser Studie wurde deutlich, dass sich das Europahaus bereits seit seiner Gründung immer wieder selbstreflexiv mit Identitätsfragen beschäftigt. Diese Auseinandersetzungen betreffen den gesellschaftlichen Auftrag, den die beteiligten AkteurInnen mit der Organisation verbinden, sie betreffen das Selbstverständnis, aus dem heraus agiert wird und damit auch Fragen, welche Veranstaltungsformen und Kommunikationsweisen als geeignet angesehen werden, um diesem Selbstverständnis zu entsprechen.

Dafür, dass sich solche Fragen derzeit mit erhöhter Brisanz stellen, können zumindest drei Gründe genannt werden:

1.

In Gesprächen mit Personen, die zum "inneren Zirkel" des Europahauses gehören, wurde die finanzielle Situation der Organisation übereinstimmend als schwierig dargestellt.

2.

Das programmatische Selbstverständnis, so wie es in den offiziellen Dokumenten der Organisation artikuliert wird, zeichnet sich durch große Vielfalt und bisweilen auch durch Mehrdeutigkeit aus. Beispielsweise kann man auf der Website des Hauses lesen:

Wir bieten Begegnung, Information und Reflexion, wir stellen Fragen. Wir leisten kritische Informationsarbeit. Wir laden zu Diskussionen, Studienzirkeln, öffentliche Debatten und internationale Konferenzen ein. Wir kooperieren mit öffentlichen Einrichtungen ebenso wie mit privaten Organisationen und konfessionellen Einrichtungen. Wir arbeiten mit Fachleuten im In- und Ausland, mit Schulen und Studierenden, mit Kulturschaffenden, mit an Gesellschaft, Bildung und Wissenschaft Interessierten zusammen. Wir bieten frei zugängliche Serviceleistungen, Beratung und Unterstützung an (Europahaus Burgenland online 2008a).

Die Vielfalt dieses Angebots und die Offenheit in seiner Formulierung (bspw. von Begriffen wie Serviceleistungen, Beratung, Unterstützung) signalisieren größtmögliche Anschlussfähigkeit nach außen. Implizit enthält diese Darstellung auch bereits einen Teil der eigenen Rollenzuschreibung, nämlich nicht nur Anbieter von Veranstaltungen, sondern auch Impulsgeber und Unterstützer für selbst organisierte Aktivitäten zu sein. Gleichzeitig aber ist es auch diese Vielfalt, die das periodische Auftauchen selbstreflexiver programmatischer Diskussionen innerhalb des Europahauses fördert.

3. Medialer Wandel und ein damit zusammenhängender "Strukturwandel der politischen Öffentlichkeit" (Habermas) zwingen Bildungszentren generell, ihre Angebote und Strategien zu überdenken. Inwieweit soll man sich auf Formen des zeitgenössischen Marketing einlassen? Wie geht man mit den Phänomenen einer "Event"-Kultur um? Welche Kommunikations- und Lernprozesse sind angesichts des hoch individualisierten Medienkonsums im World Wide Web samt seiner Aktivierungspotentiale (Web 2.0, Social Software) angemessen, möglich und wünschenswert? Ist eine kritische Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter, das ja auch als "postpolitisch" oder "postideologisch" beschrieben wird, vom Aussterben bedroht?

Ziel der vorliegenden Studie ist es, für diese Debatten ein Zwischenresümee zu ziehen, dabei die besonderen Stärken des Europahauses zu identifizieren und vorsichtig mögliche Entwicklungspfade vorzuschlagen.

Methoden

Diese Studie ist weitgehend vom Ansatz der sogenannten "Aktionsforschung" bestimmt. Dies bedeutet, dass in der Kommunikation zwischen Forschendem und Beforschten Handlungsmöglichkeiten für die Beforschten entwickelt werden sollen. Zwischenergebnisse wurden daher immer wieder mit Hans Göttel, dem Geschäftsführer des Europahauses diskutiert, und der Gehalt dieser Debatten floss wiederum in den Forschungsprozess ein.

Im Zeitraum August bis Ende November 2008 wurden drei Veranstaltungen des Hauses (eine Ausstellungseröffnung, ein Studienzirkel und ein dreitägiges Symposion) mit der Absicht "teilnehmender Beobachtung" besucht. Dabei wurden offene Gespräche mit externen ReferentInnen, mit Künstlerinnen, mit VeranstaltungsbesucherInnen, mit derzeitigen und ehemaligen Vorstandsmitgliedern, mit Fördergebern, KooperationspartnerInnen und aktiven Vereinsmitgliedern geführt. Zusätzlich wurden problemzentrierte Interviews mit vier AkteurInnen durchgeführt, die aus unterschiedlichen Perspektiven über das Europahaus Auskunft erteilen können. Neben dem Geschäftsführer handelte es sich dabei um ein Mitglied des Vorstands und um zwei langjährige ReferentInnen. Aussagen dieser InformantInnen wurden, wenn sie direkt in diesen Bericht einfließen, anonymisiert (z. B. "I1" für "InformantIn1"). Des Weiteren erfolgte eine hermeneutische Auseinandersetzung mit Publikationen des Europahauses (Website, Almanache bis zum Jahr 2004, Zeitschrift "Weltgewissen" der Jahre 2007 und 2008, Veranstaltungsprogramme 2006 - 2008). Schließlich wurde die Frage nach der Bekanntheit der Institution in 31 qualitativen Interviews gestellt, in denen Studierende des FH-Studiengangs Informationsberufe im Rahmen der Lehrveranstaltung "Methoden der empirischen Sozialforschung" ihre Kommilitonen von den FH-Studiengängen Burgenland nach deren Freizeitgewohnheiten befragten.

Im Fortlauf der Untersuchung wurde deutlich spürbar, was den Lehrbüchern über qualitative Sozialforschung geläufig ist: Der Forschende untersucht das Feld unter der Bedingung seiner eigenen Anwesenheit. Er verändert durch seine Interventionen die Kommunikation im untersuchten Feld. Im konkreten Fall bedeutete dies, nicht einfach nur Daten zu sammeln, sondern dabei auch mit sachlichen Widersprüchen und Affinitäten zwischen den einzelnen AkteurInnen, vertraut zu werden und diese unter Umständen auch in entpersonalisierter, versachlichter Form in die Gespräche mit einzelnen InformantInnen weiter zu transportieren. Damit wird ein Diskurs untersucht, an dem der Forschende selbst teil hat und für den er bisweilen sogar selbst Impulse gibt (vgl. Lamnek 1995).

Die Organisation des Europahauses Burgenland

Das Europahaus weist alle formalen Strukturen eines Vereins auf, d.h. es gibt formelle Mitgliedschaften, eine jährlich stattfindende Generalsversammlung, seine Tätigkeiten werden von einem Beirat begleitet und von einem Vorstand beraten und verantwortet. Im operativen Bereich arbeiten zwei Personen: Hans Göttel als Leiter und Geschäftsführer und Maria Jankoschek in der Administration. Einzelne Vereinsmitglieder nehmen jeweils bei bestimmten Veranstaltungen aktive Rollen in der Organisationsarbeit und inhaltlichen Mitgestaltung ein. Gemessen an dieser schmalen personellen Ausstattung müssen das hohe Ausmaß der Aktivitäten, das aus den Veranstaltungskalendern ablesbar ist, und deren beobachtbare Qualität erstaunen.

Prekäre finanzielle Basis

Vor allem nach dem Einbruch der Förderungen durch das Land Burgenland Mitte der 1990er Jahre (vgl. dazu die Beiträge in Göttel 1996) muss sich die Organisation mit einer sehr knappen Basisförderung begnügen und ist auf eine Vielzahl von Fördergebern angewiesen, die projektspezifisch als Sponsoren bestimmter Veranstaltungen fungieren. Die Sicherung der finanziellen Basis für eine kontinuierliche Arbeit kann getrost als artistischer Akt des Geschäftsführers bezeichnet werden, der ungemein erfinderisch und mit unübersehbarem Geschick als Netzwerker immer wieder die materiellen Grundlagen für Aktivitäten sichert. Damit klingt auch schon an, dass Hans Göttel die zentrale Figur des Europahauses ist. Nicht nur finanzielle Fragen, auch die Prägung von Inhalten, didaktische Vorstellungen, die Form der Öffentlichkeitsarbeit oder das weitläufige Netzwerk an ReferentInnen und AktivistInnen sind in hohem Maß mit seiner Person verbunden.

Diskursive Offenheit

Mindestens ebenso wichtig wie die formellen Strukturen scheint für das Europahaus informelles Geschehen zu sein. Informell meint hier, dass sich lose Kontakte, intellektuelle Affinitäten, Personen mit unterschiedlichsten Interessenslagen und aus unterschiedlichsten Lebensbereichen zu einer wahrnehmbaren Organisation mit einem wahrnehmbaren Programm verdichten. Die zuvor erwähnte Personengebundenheit ist also in eine Kultur diskursiver Offenheit und hochgradiger Informalität eingebettet. Hans Göttel fungiert als Gestalter, durch den die programmatischen Linien des Hauses stark geprägt sind, gleichzeitig aber auch als "gate-keeper" und Moderator, der für die Ideen und selbstorganisatorischen Beiträge Interessierter einen institutionellen Rahmen zur Verfügung stellt. Insgesamt ist, wie auch bei anderen zivilgesellschaftlichen Initiativen, der Mechanismus eines "Verantwortungsparadigmas" (vgl. Holtgrewe & Brand 2008) vorzufinden: Wer im Umfeld des Europahauses Arbeit in ein bestimmtes Projekt investiert, und damit praktische Verantwortung übernimmt, scheint gute Chancen zu haben, dieses Projekt auch durchsetzen zu können. "Freundschaft" ist ein Begriff, der in vielen Gesprächen fiel, und über den transportiert wird, dass persönliche Sympathien und Antipathien eine wichtige Rolle für das Gelingen von Kooperation spielen. Zivilgesellschaftliche Initiativen und Erwerbsarbeit in der "Projektpolis" eines "neuen Kapitalismus" (Boltanski & Chiapello 2003) haben gemeinsam, dass die Motivation der Beteiligten wesentlich auf gegenseitiger Anerkennung beruht.

Die Mischung aus programmatischer und organisatorischer Bestimmtheit und Unbestimmtheit, aus jahrelang und sorgfältig gepflegten Kontakten und der Möglichkeit, aus akzidentiellen Begegnungen und Erfahrungen Neues entstehen zu lassen, wird von den InformantInnen durchwegs als gelungen wahrgenommen und zählt für einige zu den schätzenswerten Besonderheiten des Europahauses Burgenland. Das fein austarierte Spiel aus Bottom-up und Top-down-Zugängen in der Gestaltung der Arbeit, wird in den Interviews mit Benennungen wie "magisch", "wunderbarer Trapezakt", "verantwortete Vorläufigkeit" , "feine Fäden spinnen" etc. (I2, I3) versehen. Eine Informantin bezeichnete das Europahaus als "wunderbares, zerbrechliches Traumgespinst". Diese Metapher transportiert auch die gefühlten Risiken, die der eben beschriebene Prozess in sich birgt. Je nach Interview wurden diese Risiken unterschiedlich verortet. Das kann die Abhängigkeit der gesamten Konstruktion von einer Schlüsselperson sein (I2, I4), die schwierige finanzielle Lage (I1, I2, I3, I4) oder die Problematik des dynamischen Austarierens zwischen unterschiedlichen Interessen und Motiven der beteiligten AkteurInnen (I1, I2, I3).

Inhalte und Auseinandersetzungen

In großen Überschriften gedacht, sind es vor allem bildungs- und entwicklungspolitische Fragen, mit denen sich das Europahaus Burgenland auseinandersetzt. Einen besonderen Aspekt stellt dabei Fragen der regionalen Entwicklung dar, die sich sowohl auf der Inhaltsebene wie auch in grenzübergreifender Zusammenarbeit im pannonischen Raum (bspw. mit dem Europahaus Köszeg, mit ungarischen Gemeinden oder in der Funktion als Regionalstelle der Agentur Südwind) realisieren.

In den Veranstaltungsprogrammen 2006 - 2008 wird deutlich, dass der Bezug auf die lokalen und regionalen Ressourcen gut durchmischt wird mit dem "Import" von intellektuellen Impulsen aus der Großstadt Wien und aus Deutschland (bzw. mit dem "Re-Import" emigrierter oder exilierter pannonischer KünstlerInnen und Intellektueller). In den Programmen spiegelt sich ein Anspruch wider, der treffend mit dem Neologismus "Glokalität" zusammengefasst werden könnte: Er bezeichnet den Vorgang, das Lokale mit den Erfahrungen der kulturellen und politischen Globalisierung zu verbinden.

Selbstkritische Aufklärung, Gesamtkunstwerk

Eine Besonderheit in den Aktivitäten stellt die Verbindung zwischen den rationalen Kalkülen des sprachlichen Diskurses einerseits und den sinnlich-intellektuellen Performanzen der Bildenden Kunst andererseits dar. Die kontinuierliche Zusammenarbeit mit Bildenden Künstlerinnen findet ihren Niederschlag darin, dass beide Erfahrungswelten, sprachliche und visuelle Entdeckung und Reflexion, in den Veranstaltungen und Publikationen des Hauses einander kommentierend in Beziehung gesetzt werden. In diesem Sinn wurde auch in einem der Interviews das Europahaus als "Gesamtkunstwerk" bezeichnet und gelobt, dass die Anschlüsse zwischen sprachlichem Diskurs und Bildender Kunst ohne vordergründiges didaktisches Bemühen hergestellt würden (I2). Für einen solchen Zugang lassen sich vielfältige historische Bezugspunkte finden: die romantische Tradition etwa, aber auch das Verlangen nach sinnlicher, unmittelbarer, nicht-entfremdeter Erfahrung in österreichischen Kulturprojekten zwischen den späten 1960er und frühen 1980er Jahren. Neben der Bildenden Kunst bildet Gegenwartsliteratur mit gesellschaftspolitischen Bezügen und mit Referenzen zum volksbildnerischen Auftrag des Bibliothekswesens einen Schwerpunkt der Arbeit im Europahaus.

Eine Durchsicht der Publikationen und des Veranstaltungsprogramms macht deutlich, dass inhaltlich ein starker Fokus auf den Themen einer sich selbst skeptisch befragenden Aufklärung liegt und das in Form eines Diskurses, der seine Impulse stark aus den Debatten einer kritischen Gegenöffentlichkeit ab den frühen 1980er bis zum Beginn der 1990er Jahre bezieht: Beispiele dafür sind ein kritischer Blick auf Wachstums- und Fortschrittsideologie, Eurozentrismus und modernistische Entwicklungspolitik, Kritik der Entsinnlichung, Kritik der Beschleunigung, Menschenrechte, Rechte kultureller Minderheiten, Debatten zur ökonomischen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit sowie Kritik an der Ökonomisierung von Bildung.

Habitus und Ästhetik

Ein Stück weit sind solche Inhalte auch im "organisationalen Habitus" verinnerlicht. Das heißt, dass sie auch die Umgangsweisen der AkteurInnen des Europahauses im gegenseitigen Kontakt, die Außendarstellung der Organisation und das Design der Veranstaltungen mit prägen:

-

Die interne Kommunikation ist von gegenseitiger Wertschätzung und tolerantem "Laissez-faire" geprägt. Damit wird ein "Möglichkeitsraum" für Teilhabe, Selbstentfaltung und -organisation gewährleistet. Unter Umständen geht dies aber auch mit einem Risiko der Vermeidung produktiver Konflikte einher. Zumindest scheint es derzeit innerhalb des Hauses kein Forum zu geben, in dem eine Perspektivenvielfalt auf das eigene Tun so explizit Ausdruck fände, wie dies z. T. in den Einzelgesprächen für diese Studie der Fall war.

-

In der Außendarstellung des Hauses werden bewusst mediale Mechanismen vermieden, die mit der Gefahr der inhaltlichen Vereinfachung, der politischen Instrumentalisierung oder flüchtiger Ereignishaftigkeit ("Event-Kultur") verbunden sind (I1). Zwar werden auch die eigene Website und Aussendungen per Email genutzt, um über das Programm zu informieren, aber in die Kommunikation mit den "alten" Printmedien (Almanache, "Weltgewissen", Folder und Plakate) scheint mehr an Zeit und liebevoller Sorgfalt einzufließen. Das persönliche Gespräch und Mundpropaganda sind wesentliche Kommunikationsformen. In einem Aufsatz Hans Göttels (o. J.) wird noch einmal deutlich, dass diese Praxis der Selbstpräsentation mit einer prinzipiellen Haltung verbunden ist: "Neil Postman fordert zur Bewältigung der anstehenden Zukunftsfragen eine zweite Aufklärung, Brücken ins 18. Jahrhundert. Das Europahaus Burgenland ist bereits dahin zurückgekehrt. Lese- und Bilderbücher, Musen-Almanache, erzählen davon."

-

Bei unterschiedlichen Veranstaltungen wird spürbar, dass sie als ZeitRäume konzipiert sind, die sich gegenläufig zu Ideologien der Effizienz oder evidenter Verwertbarkeit entfalten sollen. Die Wahl von Örtlichkeiten, Themen und der Kommunikationsstil appellieren an die Möglichkeit zum Rückzug, zur Reflexion, zur unmittelbaren interpersonelle Erfahrung, zur Kontemplation. Bereits in dem von der Generalversammlung des Europahauses 1998 beschlossenen programmatischen "Thesenanschlag von Lockenhaus" werden in diesem Sinn "Kleingruppenhumanität" und "Formen der Aneignung des Unbekannten (Bedrohlichen) durch das Reden" als "Gegenthese" und "Schutzraum" bezeichnet (Europahaus Burgenland online 2008b).

Das wenig Belichtete

In der Aufzählung inhaltlicher Schwerpunkte wird aber auch kenntlich, dass bestimmten Artikulationsformen (wie Tanz, Fotografie, Film, Video und digitaler Medienkunst) wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Auch wichtige bildungs- und gesellschaftspolitische Aspekte der letzten zehn bis fünfzehn Jahre finden nur zum Teil ihren Niederschlag in den Diskursen des Europahauses. Oder vielleicht besser: Wenn sie es tun, dann mit Begrifflichkeiten und Denkfiguren, die gemessen am zeitgenössischen kritischen Diskurs bisweilen ein wenig antiquiert anmuten. Stichworte des rezenten Diskurses wären etwa die "Netzwerkgesellschaft", Hybridität, Multitude, Prekarisierung und 1000-Euro-Generation, Individualisierung und Flexibilisierung, virtuelle Kommunikation, Anti-Globalisierungsbewegung, NGOisierung, Gen- und Biotechnologie… Die Potentiale neuer Medien für die Öffentlichkeitsarbeit oder als Werkzeuge kollektiver Intelligenz und Kreativität werden bislang wenig genutzt.

Publikum und Didaktik

Schmale Bildungsschicht, heterogenes Publikum
Einige der GesprächspartnerInnen weisen auf ein grundlegendes Dilemma für die Arbeit des Europahauses hin: Im Kontext der politischen und ökonomischen Geschichte des Bundeslandes hat sich nur eine sehr schmale bildungsbürgerliche Schicht herausgebildet, auf die sich progressive Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit stützen könnte (I1, I3, I4). Daran scheint sich bislang trotz der Einrichtung zweier Hochschulen, eines Technologieparks und der Existenz eines Landesstudios des ORF wenig geändert zu haben. Als Berufsgruppe sind es in der Region am ehesten Lehrerinnen und Lehrer, die als kohärente Zielgruppe von Veranstaltungen bzw. als MultiplikatorInnen für Bildungsprozesse fungieren können (I1, I3, I4).

Bei den für diese Studie besuchten Veranstaltungen war dennoch offenkundig, dass das Publikum ein "disperses" ist, d. h. aus Personen mit z. T. sehr unterschiedlichem Bildungshintergrund besteht. Die Einladungspolitik des Hauses ist von großer Offenheit geprägt: allen soll alles zugänglich sein. Mit solcher Nicht-Differenzierung nach Veranstaltungstypen und Zielgruppen werden Ausschließungsmechanismen vermieden, sie kann aber auch mit Nachteilen einhergehen: so kann es vorkommen, dass ein Teil des Publikums sich bei einem mit akademischen ExpertInnen besetzten Kolloquium überfordert fühlt, oder umgekehrt, dass die Moderatorin eines Studienzirkels es schwer hat, zwischen den sehr heterogenen Eingangsvoraussetzungen der TeilnehmerInnen eine Balance und einen "roten Faden" zu finden.

Stabilität und Ausschließungsmechanismen in der Interaktion

Die Durchsicht älterer Publikationen zeigt, dass sich mit der Zeit um das Europahaus ein relativ stabiles Netzwerk von AkteurInnen (ReferentInnen, organisatorisch aktive Mitglieder, KünstlerInnen, Förderer, KooperationspartnerInenn) gebildet hat, dessen Mitglieder heute in wechselnden Rollen und mit wechselnder Nähe zur Institution agieren. Zum Teil reichen die Wurzeln dieses Netzwerkes bis in die 1980er Jahre zurück. In diesem Zusammenhang erscheinen zwei Aspekte von Interesse: jener der thematischen Kontinuität und jener der Alterung der Institution.

Dem gewachsenen Akteursnetzwerk kommt eine wichtige Stabilisierungsfunktion zu: Es sorgt für thematische Kontinuität und es unterstützt, zusammen mit den Anstrengungen des Geschäftsführers, das organisatorische Überleben unter widrigen Rahmenbedingungen. Über dieses Netzwerk der tendenziell Aktiven hinaus scheint es aber schwierig zu sein, diese thematische Kontinuität auch jenen zu vermitteln, von denen das Angebot des Europahauses eher in der Rolle der KonsumentInnen einzelner Veranstaltungen wahrgenommen wird. Beispielsweise scheint die Durchführung längerfristig angelegter Studienzirkel immer wieder mit Enttäuschungen für den Veranstalter verbunden zu sein: Die Vorstellung, dass sich Kleingruppen mit einem hohen Maß an Selbstorganisation über längere Zeit hinweg kontinuierlich mit bestimmten Themen auseinandersetzen, ließ sich bislang in der praktischen Umsetzung nur wenig erfolgreich realisieren. Das könnte unter Umständen damit zusammenhängen, dass die Ressourcen für eine detaillierte didaktische Vorbereitung fehlen (I2).

Soziales Alter

Auch wenn bisweilen junge Menschen Veranstaltungen besuchen, befindet sich die Mehrzahl der aktiven und passiven TeilnehmerInnen in einem Alter ab 40 aufwärts. Obwohl Veranstaltungen in der FH und im Studentenheim beworben werden, gaben nur vier von 31 zufällig ausgewählten FH-Studierenden an, schon einmal vom Europahaus gehört zu haben. Die InformantInnen des Europahauses wiederum stimmten in ihrer Einschätzung dieses Generationenproblems überein: Vorwiegend wurde das Desinteresse junger Menschen als Ergebnis allgemeiner bildungs- und gesellschaftspolitischer Entwicklungen interpretiert (I1, I2, I3, I4).

Ohne dem widersprechen zu wollen könnte an diesem Punkt auch kritisch überlegt werden, ob nicht die Aktiven des Europahaus-Netzwerkes selbst ungewollt einen Beitrag zur generationellen Abschottung leisten: sie leben und denken in jenen Themen und Vermittlungsformen, mit denen sie selbst vor Jahren politisch und intellektuell sozialisiert wurden. Bereits die Besprechung der Programminhalte weiter oben wies darauf hin, dass hier Ästhetik und Denkfiguren dominieren, die den 1980er und den frühen 1990er Jahren zugeordnet werden können. Auch wenn allen Umfragen zufolge die Zahl gesellschaftspolitisch interessierter Jugendlicher gering ist: Falls sie sich engagieren wollen, vermittelt ihnen das Europahaus derzeit wahrscheinlich wenig Anschlussfähigkeit: Jugendliche diskutieren eher im Internet über Zensur in China als beim Vortrag eines/einer PolitikwissenschafterIn, sie betreiben eher digitales Culture Jamming als Aquarelle zu malen, beteiligen sich eher an einer Denial-of-Service-Attack als auf die Straße zu gehen und holen sich Zukunftsvisionen eher beim Neo-Soul als bei Ivan Illich. Hier sind also doch Grenzen der in diesem Bericht bislang attestierten strukturellen Offenheit zu vermerken. Die stärkere Integration von Jungen in das Europahaus würde allerdings gezielter und pro-aktiver Anstrengung bedürfen.

Externe Kommunikation: Zwischen realer Präsenz und Rhetorik des Verschwindens

Faktisch ist das Europahaus mit zahlreichen und vielfältigen Aktivitäten auf verschiedenen Ebenen und zu unterschiedlichen Themen im Burgenland ungemein präsent. Aufgrund schlechter Erfahrungen mit den Massenmedien und der Landespolitik ist man jedoch mit der medialen Repräsentation dieser Aktivitäten zurückhaltend (I1, I3) (s.o.). Abgesehen von konkreten schmerzhaften Erfahrungen spielt für diese Haltung auch eine grundsätzliche Skepsis, mithin das prinzipielle Selbstverständnis "Schutzraum" und "Gegenthese" zu sein (s. o.) eine Rolle dafür, sich medialen Inszenierungsformen mit ihren Tendenzen zur inhaltlichen Verkürzung und politischen Instrumentalisierung (vgl. Bourdieu 1990) zu entziehen.

Selbstbestimmte Medienstrategie?

Das ist ein plausibler Standpunkt, für den allerdings auch Nachteile in Kauf zu nehmen sind. Mit der Abschottung von massenmedialer Kommunikation werden nicht nur hegemoniale und zu recht kritisierte Formen der Auseinandersetzung im öffentlichen Raum vermieden, es verringern sich damit auch die Gelegenheiten, interessiertes Publikum zu informieren. Die Gefahr dafür, dass Kommunikation selbstreferentiell bleibt, steigt. Ebenso wie Öffentlichkeit bedarf auch Gegenöffentlichkeit zur ihrer Verwirklichung der Medien. Aus einer solchen Perspektive wäre es dann nicht die Frage, OB man sich auf massenmediale Mechanismen einlässt, sondern, auf WELCHE und wie man sie möglichst selbstbestimmt für sich nutzen kann. Für eine solche selbstbestimmte Medienstrategie könnten mehrere Varianten erwogen werden. In den etablierten Massenmedien könnten verstärkt Verbündete gesucht werden, es könnte verstärkt mit alternativen Medien kooperiert werden (z. B. Radio Orange, Okto TV in Wien), die eigenen Ressourcen an digitalen Medien könnten stärker genutzt werden (elektronischer Newsletter, digitales Radio).

Zusammenfassung und Anregungen für die gemeinsame Diskussion

Die weiteren Entfaltungsmöglichkeiten des Europahauses Burgenland sind vorrangig von einer Verbesserung der finanziellen Situation abhängig. Grundlage dafür wäre eine ausreichende und gesicherte Basissubventionierung, durch deren Ausgestaltung allerdings die politische Unabhängigkeit des Hauses nicht gefährdet werden dürfte. Auf die Frage nach idealen Zukunftsvorstellungen tauchte in den Interviews z. B. die Vorstellung auf, zusätzlich zum Leiter des Hauses noch eine zweite Person anstellen zu können, die das Programm mitgestaltet. In einer anderen Vision war gar von einem interdisziplinären Team die Rede.

Mögliche Maßnahme: Gründung einer internen Arbeitsgruppe zum "Fund-Raising", die den Geschäftsführer in der Akquisition von Fördergeldern entlastet, und die vorrangig das Ziel verfolgt, eine mittelfristig gesicherte Basissubventionierung zu erreichen.

 

Die Stärken und die schätzenswerten Besonderheiten des Europahauses Burgenland lassen sich aufgrund ihrer Fülle und subtilen Ausprägungen nur schwer hinreichend beschreiben. Dazu gehören (stichwortartig) ein großes Maß an struktureller Offenheit; eine bewusste Gestaltung von zeitlichen und räumlichen Arrangements sowie von Kommunikationsstilen, die sich gegenläufig zu den Alltagserfahrungen von zeitlicher Verknappung, Funktionalität, individueller Verfügbarkeit, Fremdbestimmung, .... verhält; die Erweiterung des Diskurses durch die Sprachen der Kunst; die Existenz eines historisch gewachsenen Netzwerks; die Beharrlichkeit einzelner AkteurInnen, widrigen Umständen zu trotzen. Auch wenn das Angebot des Hauses aus Überzeugung und nicht mit dem Schielen auf Märkte entstanden ist, so kann doch vermutet werden, dass die Grundzüge dieses Angebotes ihren Widerhall in den Bedürfnislagen einer nicht zu unterschätzenden Zahl von Menschen findet: Die Behandlung der Kernthemen Bildung, Entwicklungszusammenarbeit und Globalisierung im Rahmen eines außeralltäglichen, produktiven "Schutzraums" korrespondiert bspw. mit der Grundorientierung jener sozialen Gruppen, die in so genannten Sinus-Milieus als "Postmaterielle", "Experimentalisten" und "Konservative" erfasst werden. Zusammen machten sie in Österreich 2005 etwa 20% der Bevölkerung aus (Sinus Sociovision 2005).[1]

Die eben beschriebenen Stärken des Hauses entspringen nicht einer objektivierenden Zuschreibung, sondern stellen eine verdichtete Interpretation der Wahrnehmung jener AkteurInnen dar, mit denen im Umfeld des Europahauses Gespräche geführt wurden. Mit einer solchen Beschreibung wird auch deutlich, dass die am Beginn dieses Berichtes angeführten Identitätsfragen in ihrem Kern innerhalb des Akteursnetzwerkes bereits implizit und praktisch beantwortet werden. Dennoch sind Maßnahmen denkbar, die zur besseren Realisierung der Ansprüche in dieser Selbstwahrnehmung beitragen könnten.

Dazu zählen

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eine stärkere zielgruppenorientierte Planung von Veranstaltungen: sie könnte helfen, jene Heterogenität von Interessenslagen und Bildungsvoraussetzungen zu vermeiden, die bisweilen die erwünschte "Besprechung und Formen der der Beseelung des Lebens" (Europahaus online 2008b) behindert. Diskutiert könnte auch eine stärkere Fokussierung auf LehrerInnen als Zielgruppe werden. Zum einen stellen sie MultiplikatorInnen für Inhalte dar und nehmen eine intergenerationelle Brückenfunktion ein; zum anderen könnten u. U. durch ein gezieltes kostenpflichtiges Weiterbildungsangebot für diese Gruppe Mittel für das Europahaus lukriert werden (I4).

-

ebenfalls im Zusammenhang mit erhöhten Beteiligungschancen des Publikums eine präzisere didaktische Vorbereitung von Veranstaltungen. ReferentInnen könnten gebeten werden, ihre Beiträge stärker gesprächs- und beteiligungsorientiert vorzubereiten. Wenn in einem der Interviews (I2) angeregt wurde, dass ModeratorInnen aufgrund ihrer lokalen Kenntnisse und der einfacheren Koordinierung didaktischer Vorbereitung aus dem engeren Umfeld des Hauses kommen sollten, so ist dies ein Vorschlag, hinter dem der breiter artikulierte Wunsch nach einer stärkeren intern gesteuerten Abstimmung von Vermittlungsformen steht. Bei gleichbleibender Ressourcenlage könnte die Zahl der ReferentInnen zugunsten des didaktischen Aufwands verringert werden. Verbessert sich die ökonomische Lage des Hauses, wäre es überlegenswert, interne Ressourcen gezielt für didaktische Aspekte einzusetzen.

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Maßnahmen gegen die Alterung und Selbstbezüglichkeit des Akteursnetzwerks: Vermehrt könnten junge Intellektuelle und KünstlerInnen eingeladen werden, aktiv Beiträge im Rahmen des Hauses zu leisten. Dies könnte auch mit einer Verbreiterung in der Wahrnehmung von z. T. generationenspezifischen künstlerischen Medien (Film, Video, digitale Medienkunst, ...) einhergehen.
Studierende der Pädagogischen Hochschule und der Fachhochschul-Studiengänge können am ehesten über Kontaktpersonen an diesen Institutionen und spezifische Projekte für die Anliegen des Europahauses interessiert werden. Junge Menschen beziehen ihre Informationen vorwiegend über digitale Medien. Überlegt könnte werden, ob und wie sich die ästhetischen Prinzipien der derzeit genutzten Medien (die sinnlich-intellektuelle Erfahrung, wie sie etwa mit den Almanachen angestrebt wird) nicht in digitalen Medien transponieren lassen, also, ob es - metaphorisch ausgedrückt - nicht wunderbare neue ästhetische Erfahrungen in der Begegnung des 18. mit dem 21. Jahrhundert geben könnte.

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Strategien zugunsten selbstbestimmter medialer Repräsentation (s. o.; "Verbündete", alternative Medien, Medienarbeit mit eigenen digitalen Ressourcen bspw. initiiert durch studentische Projekte): Zweck solcher Medienarbeit wäre es nicht, besseres "Marketing" zu betreiben und damit die Grundlagen der marktkritischen kollektiven Sinnstiftung im Akteursnetzwerk zu untergraben. Zweck wäre es vielmehr, die Vorstellungen von gegenläufigen Umgängen mit Zeit, Raum, natürlichen Ressourcen und Menschen über das bestehende Akteurnetzwerk hinaus zu transportieren, Bewegung anzustiften, "Herausforderungen" (Cortazar) und Ermutigungen zu verbreiten. Dies würde allerdings nicht nur eine Distribution von Inhalten erfordern, sondern im Sinn einer "Semiotikguerilla" (Eco) die Frage nach geeigneten "Sprachen" aufwerfen.

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Fortführung eines internen Polylogs über Selbstverständnis und Vermittlungsformen: im Anschluss an diese Vorstudie könnten im Zuge weiterer Begleitforschung innerhalb des Akteursnetzwerkes Fokusgruppen (die gleichzeitig ein Instrument der Beteiligung wie eine sozialwissenschaftliche Methode der Erhebung darstellen) zu zentralen Fragen der weiteren Entwicklung des Europahauses Burgenland installiert werden.

 
Literatur

Bourdieu, P. (1990). Über das Fernsehen. Frankfurt/Main: Suhrkamp.
Boltanski, L. & Chiapello, È. (2003). Der neue Geist des Kapitalismus. Konstanz: UKV.
Europahaus Burgenland online (2008a). Leitbild, auf: http://www.europahausburgenland.net/Ansichten/Leitbild.htm, letzter Zugriff 28. 11. 2008.
Europahaus Burgenland online (2008b). Thesenanschlag von Lockenhaus, auf: http://www.europahausburgenland.net/Ansichten/Thesenanschlag.htm, letzter Zugriff 28. 11. 2008.
Göttel, H. (o. J.). Europahaus und Burgenland. Die Nachhaltigkeit einer Polemik des 18. Jahrhunderts, auf: http://www.europahausburgenland.net/Ansichten/goettel.htm, letzter Zugriff 28. 11. 2008.
Göttel, H. (Hg.) (1996). Bis hierher - und trotzdem weiter. 30 Jahre Europahaus im Burgenland. St. Margarethen: Europahaus Burgenland.
Habermas, J. (1990): Strukturwandel der Öffentlichkeit, Neuauflage. Frankfurt/Main: Suhrkamp.
Holtgrewe, U. & Brand, A. (2007). Die Projektpolis bei der Arbeit. Open-Source-Software-Entwicklung und der "neue Geist des Kapitalismus". In: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 32. Jg., Heft 3, September 2007, S. 25-46.
Lamnek, S. (1995). Qualitative Sozialforschung, Band 2. Methoden und Techniken, 3. korr. Auflage. Weinheim: Beltz, Psychologie Verlags Union.
Sinus Sociovision (2005). Die Sinus-Milieus® in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Hintergrund, Ergebnisse, Anwendung. microMarketing Forum 2005: Expertenforum 1, auf: http://www.sinus-sociovision.de/Download/Micro-Marketing%20forum%202005.pdf, letzter Zugriff 7. 1. 2009.


Interviewpartner/innen

Mag. Edith Axmann-Spielberger, Lehrerin, Vorstandsvorsitzende des Europahauses Burgenland.
Dr. Sybille Fritsch-Oppermann, externe Referentin, Pfarrerin, , Dozentin für Religionswissenschaft an der Universität Hamburg (bis 1991), Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Loccum (bis 2001) sowie Leiterin der Evangelischen Akademie Mühlheim/Ruhr (bis 2004).
Mag. Hans Göttel, Geschäftsführer des Europahauses Burgenland.
Dr. Karl Kumpfmüller, externer Referent, Koordinator des Studienprogramms Global Studies an der Karl-Franzens-Universität Graz, Mitbegründer des ÖIE, ehemaliger Leiter des Europahauses Burgenland.

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[1]

In Sinus-Milieus wird die Bevölkerung sowohl entlang der Dimension "Soziale Lage" wie auch entlang der Dimension "Grundorientierung" erfasst und nach "Milieus" klassifiziert, die sich durch unterschiedliche Lebensstile und -ziele voneinander abgrenzen lassen. Die drei genannten Milieus sind Mittelschichtmilieus. Die "Postmateriellen" (9% der Gesamtbevölkerung) sind tendenziell kritisch und aufgeklärt und "verfolgen vielfältige kulturelle und intellektuelle Interessen". Bei "Konservativen" (6%) findet sich eine hohe Wertschätzung für Bildung und Kultur vor dem Hintergrund christlich-sozialen Gedankenguts. Für die "Experimentalisten" (5%) der "neuen Bohéme" zählen Werte wie Freiheit und Originalität (Sinus Sociovision 2005, S. 11). Zurück


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